Irrel | 20. März 2017 | Autor: David Falkner

Brücken bauen statt Mauern errichten

Deutschland und Luxemburg wollen für Barrierefreiheit im Naturpark Südeifel sorgen. Die EU unterstützt das finanziell.
Irrel Beim Wandern über Stock und Stein hat nicht jeder das gleiche Tempo. Um hier Abhilfe zu schaffen, investiert der Zweckverband Naturpark Südeifel in Projekte, damit Hürden für Menschen mit körperlichen Einschränkungen im Naturpark beseitigt werden. Bei einem Treffen im Gemeindehaus Irrel unterzeichneten die Partner des Interreg-Projekts der Großregion eine Vereinbarung, das insgesamt 3,3 Millionen Euro teure Vorhaben mit 1,5 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zu unterstützen. Weitere 620 000 Euro steuert das Wirtschaftsministerium von Rheinland-Pfalz bei. Mit rund 700 000 Euro beteiligt sich zudem das luxemburgische Wirtschaftsministerium.
Geplant sind barrierefreie Wanderwege. Auch eine neue grenzübergreifende Rad- und Wanderbrücke Ralingen-Wintersdorf (Landkreis Trier-Saarburg)-Rosport (Luxemburg) mit Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr soll entstehen. In Rosport soll ein Servicecenter barrierefrei ausgebaut werden. Insgesamt sind neben dem Zweckverband Naturpark Südeifel drei Projektpartner beteiligt: der Zweckverband Internationales Sport-, Kultur- und Freizeitzentrum Ralingen-Rosport, der Regionale Tourismusverband Region Müllerthal-Kleine Luxemburgische Schweiz und der Regionale Tourismusverband Luxemburger Ardennen. Vier weitere Partner unterstützen das Projekt zudem strategisch. Bei der Unterzeichnung bewies nicht nur das sonnige Frühlingswetter beste Laune, sondern auch der Landrat und Verbandsvorsteher des Naturpark Südeifel, Joachim Streit. "Das Erlebbarmachen von Natur ist ein wichtiges Ziel des Naturparks", konkretisierte er in seiner Begrüßung Nutzen und Zweck des Vorhabens. Die Barrierefreiheit soll laut Streit in den nächsten Jahren einer der Schwerpunkte des Naturparks werden. Dem stimmte Daniela Torgau, Geschäftsführerin des Zweckverbands Südeifel, zu: "Barrierefreiheit ist eine der Schlüsselaufgaben des Tourismus in der heutigen Zeit. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels eine touristische Zukunftsaufgabe", sagte sie, und bekräftigte zudem den Nutzen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit: "Die Arbeit gemeinsam mit Luxemburg erweitert den eigenen Horizont." Camille Gira, Staatssekretär für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur des Großherzogtums Luxemburg und Vize-Präsident des Europäischen Verbundes für territoriale Zusammenarbeit, spannte einen weiten Bogen. Ohne Namen zu nennen, verwies er auf den US-Präsidenten Trump und seine geplante Mauer an der Grenze zu Mexiko sowie auf die aktuelle politische Lage in Europa. "Ich freue mich, unter Menschen zu sein, die keine Mauern bauen, sondern Brücken, und die in Fremden keine Gefahr sehen, sondern potenzielle Freunde", sagte Gira. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer betonte den Wert des Naturparks. "Der Naturpark ist ein Vorzeigeprojekt, und ich bin stolz darauf", sagte Dreyer. Der Naturpark Südeifel ist der älteste Naturpark des Landes. Es sei klar geworden, dass das Erleben von Natur etwas wichtiges sei, um das man sich kümmern müsse. Bei der Barrierefreiheit gehe es nicht nur um Menschen mit Behinderungen, sondern auch um Familien mit kleinen Kindern oder um ältere Menschen. Ihre Grußworte beendete sie mit einem Versprechen in die Zukunft: "Wir werden persönlich vorbeikommen und schauen, ob das geklappt hat mit der Barrierefreiheit", sagte Dreyer.
DER äLTESTE NATURPARK IN RHEINLAND-PFALZ

Extra
Der Naturpark Südeifel wurde 1958 gegründet und ist damit der älteste Naturpark in Rheinland-Pfalz und einer der ältesten in Deutschland. Der Park ist 342 Quadratkilometer groß. Im Naturpark leben rund 30 000 Menschen in 93 Gemeinden oder Ortsteilen. Die Hälfte der Fläche des Naturparks liegt in der Verbandsgemeinde Neuerburg. Ein Viertel der Fläche liegt in der Verbandsgemeinde Arzfeld, der Rest in den Verbandsgemeinden Irrel, Bitburg-Land und Trier-Land. Geführt wird der Naturpark vom Zweckverband Naturpark Südeifel. Mitglieder des Verbandes sind die Landkreise Eifelkreis Bitburg-Prüm und Trier-Saarburg, die Verbandsgemeinden Arzfeld, Bitburg-Land, Südeifel und Trier-Land sowie der Verein Naturpark Südeifel. Selbsterklärtes Ziel des Parks und des Zweckverbands ist es, die Landschaft zu erhalten und zu entwickeln, die Artenvielfalt zu sichern und den naturverträglichen Tourismus sowie die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu fördern.