Bitburg/Trier | 18. Mai 2017 | Autor: Friedhelm Knopp

Prozess um Feuer auf Eifeler Anwesen: Experten erkennen vorsätzliche Brandstiftung

War der Großbrand auf einem Anwesen in der Eifel gelegt worden, um die Versicherung zu betrügen? Im Landgericht Trier hatten die Sachverständigen das Wort.
Über zwei Verhandlungstage hat die 36-jährige Angeklagte - eine eher bieder wirkende Frau und Mutter von fünf Kindern - zum Vorwurf der schweren Brandstiftung in Tateinheit mit versuchtem Versicherungsbetrug geschwiegen.
Am dritten Tag meldet sie sich mit einigen Anmerkungen. Das von ihr in Wilsecker angemietete alte Anwesen mit Wohnhaus, ehemaligem Stall und Scheune muss ein technischer Trümmerhaufen gewesen sein - besonders wegen der total veralteten Elektroinstallation. Mehrfach solle es zu Kabelschmorbränden in der Zeit vor dem Großbrand am 26. September 2013 gekommen sein.

Ein Elektromeister und sein Mitarbeiter haben über ihre Bemühungen um die kranke Elektrik berichtet.
Doch am jüngsten Sitzungstag wird es eng für die Angeklagte. Das Beginnt schon mit ihrer äußerst detailreichen Schadensmeldung an die Versicherung, die sie am Ende mit über 71 000 Euro bilanziert. Hunderte Posten sind dort bis ins Kleinste aufgelistet, versehen jeweils mit dem gültigen Neupreis bis in die Kommastellen. Das beginnt beim Barbie-Puppen-Set mit Spielküche über Lego Caterpillar-Mobilbagger bis durch den gesamten Hausrat.

Ein Ermittler der Kripo Bitburg belastet die Angeklagte schwer: "Das war zunächst ein ganz normaler Brand für mich, doch dann hörte ich den Namen der Mieterin. Überall, wo die Frau bisher wohnte, hat es auch mal gebrannt. Und in allen Fällen waren die Kinder vorher ,aus dem Haus geschafft’ worden."

Der Zeuge hat die Brandstelle untersucht und kommt zu dem Schluss: "Das Feuer auf dem Dachboden des Wohnhauses wurde vorsätzlich gelegt. Mit einem Verdünnungsmittel als Brandbeschleuniger, wie Laborproben bestätigen." Die Angeklagte habe die ganze Sache "initiiert" - dazu passe die völlig überzogene Schadensmeldung an die Versicherung.

Der Kripomann: "Sie wusste auch, dass die örtliche Feuerwehr an dem Tag einen Ausflug plante. Und wie kann man nach einem Feuer, das alles zerstört hat, mit derartiger Genauigkeit jedes noch so kleine Einzelteil für die Versicherung auflisten."

Der selbstständige Sachverständige Joachim Steiner - "ich habe 40 Jahre Erfahrung mit Brandermittlung" - wurde von der Gebäudeversicherung der Hauseigentümerin beauftragt. Auch für ihn steht fest, dass es Brandstiftung war.
Er trägt sehr wissenschaftlich vor, erläutert, dass der Kripokollege sich bei der eigentlichen Ursache geirrt habe, denn der "auf dem Dachboden mit Lösungsmitteln entzündete Karton mit ein paar Scheiten Holz drauf hätte allein das Dachgebälk nicht entzünden können".

Tatsächlich habe sich das Feuer über einen Holzverschlag nach oben gefressen, dann sei es zunächst auf das benachbarte Stalldach und von dort auf die Scheune übergesprungen, wo es zur Durchzündung kam. Und Steiner erklärt: "Die geschmolzenen PVC-Kabel sind Ergebnis des Feuers, nicht eines Kurzschlusses."

Dem widerspricht der von Verteidiger Dr. Edgar Haubrich eingeführte Brandexperte Klemens Mossal - Ex-Berufsfeuerwehrmann und ehemaliger Brandschutzexperte der Verbandsgemeinde Bitburg. Er geht davon aus, dass der Brand, warum auch immer, zuerst in der Scheune ausgebrochen ist.

Es wird eine lange, ermüdende Diskussion vor dem Richtertisch mit Fotos und einer Video-Dokumentation des Trierischen Volksfreunds vom Brandtag. Als die beiden Experten über einen Jahrzehnte zurückliegenden Großbrand bei Ford in Köln aneinandergeraten, greift Vorsitzender Armin Hardt ein: "Wir sind hier bei diesem Fall nicht beim Ford-Großbrand von Köln."

Die Fortsetzung ist für Mittwoch, 24. Mai, 9 Uhr. Vermutlich ist an dem Tag das Urteil zu erwarten.