Gillenfeld | 17. Mai 2017 | Autor: Alwin Ixfeld

Von den Golanhöhen ans Pulvermaar

Das Gillenfelder Café für alle ist ein wöchentlicher Treffpunkt für Flüchtlingsfamilien und Einheimische. Zum einjährigen Bestehen des Treffs im Pfarrheim sind rund 60 Menschen zusammengekommen.
Gillenfeld Es ist laut, es ist lustig, es wird gegessen und getrunken - die Stimmung ist gelöst. Syrer und Deutsche sitzen zusammen im Pfarrheim von Gillenfeld und feiern das einjährige Bestehen des Café-Treffs für alle.
"Wir haben die Syrer zusammengebracht und dann sind die Deutschen dazugekommen", erklärt Stefan Becker, Gemeindereferent in Gillenfeld. Vor drei Jahren kam die erste syrische Flüchtlingsfamilie in den Ort. Kurze Zeit später waren rund 40 Flüchtlinge in Gillenfeld und in den umliegenden Dörfer untergebracht worden. "Da war zwar die physische Not gestillt, sie hatten ein Dach und was zu essen, aber die Leute waren sehr einsam, sie hatten keinen Kontakt zu den Dorfbewohnern und kannten sich auch untereinander nicht", erzählt Becker.
Daraus sei die Idee des regelmäßigen Treffens am Dienstagnachmittag entstanden, mit Deutschunterricht und gemütlichem Beisammensein, sagt der Gemeindereferent. Die Familie Alyounes kam als erste nach Gillenfeld. "Ich war Lehrer an einer Berufsschule, für Automechaniker. Und meine Frau war Lehrerin für Geschichte", erklärt Mohammed Alyounes (50) im TV-Gespräch. Er hat in den Kursen des Cafe-Treffs Deutsch gelernt, dann seinen Führerschein gemacht und eine Arbeit gefunden. Auch wenn Alyounes manchmal die Hilfe seines Sohnes Owais (13) braucht, wenn er das passende deutsche Wort sucht, kann er sich doch sehr klar ausdrücken. "Hier in Gillenfeld gefällt es mir sehr gut. Alle Gillenfelder sind meine Familie", sagt Alyounes und lacht herzlich. Tatsächlich leben auch die Familien seiner beiden Schwestern im Ort. "Da haben wir vom Team auch mitgeholfen, dass die hierher- kommen konnten", ergänzt Becker.
Ursprünglich stamme die Familie aus Quneitra, einer Stadt auf den Golanhöhen im Südwesten Syriens, sagt Alyounes weiter. "Aber mein Haus ist kaputt und durch den Krieg sind viele Leute tot. Die Diktatur von Assad ist nicht gut." Nach Syrien will Mohammed Alyounes nicht zurück: "Ich habe hier Arbeit in Kelberg in einer Firma für Metallbau, meine Kinder lernen hier in der Schule. In Syrien gibt es keine Schulen."
Dann erzählt Alyounes von der Flucht aus Syrien. "Meine Familie und ich waren ein Jahr in Ägypten. Ich hatte Angst, dass meine Kinder rauchen oder Kokain nehmen, das ist nicht gut.
Wir sind dann mit einem kleinen Schiff über das Meer nach Italien gereist und dann nach Frankreich und dann Deutschland. Hier waren wir einen Monat in dem großen Camp in Trier und dann nach Gillenfeld."
Auch sein Sohn Owais fühlt sich wohl und kommt mit seinen Mitschülern ("meistens") gut klar, hat Freunde gefunden. "Owais war auch schon mit in unserem Zeltlager", ergänzt Stefan Becker. "Alle meine Nachbarn sind sehr gut", lacht Mohammed Alyounes. Er ist offensichtlich angekommen und fühlt sich angenommen, auch dank der Hilfe durch den Gillenfelder Café-Treff.