Daun/Schönbach | 12. Juli 2017 | Autor: Stephan Sartoris

Der Kreis Vulkaneifel will bis 2018 beim Breitband-Ausbau nachbessern

Schnelles Internet ist im Kreis nicht selbstverständlich, aber für 2500 Privathaushalte und 16 Gewerbegebiete ist Besserung in Sicht.
"Bis Ende 2018 müssten die Bagger in jedem Landkreis gerollt sein": Sagt die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) im TV-Redaktionsgespräch und ist zuversichtlich, dass die Landesregierung das Versprechen aus dem Koalitionsvertrag einhält und die flächendeckende Versorgung mit 50 Megabit in der Sekunde bis 2018 umsetzt. Ist die Ansage auch auf dem Land tatsächlich machbar? Immerhin: Nach und nach verschwinden die weißen Flecken mit unzureichender Internetversorgung. So wie in Schönbach und Utzerath (Verbandsgemeinde Daun), der seit Kurzem ans schnelle Internet angebundenen worden sind, dort sind vorerst Übertragungsraten von vorerst bis zu 120 Megabit pro Sekunde möglich (siehe Infobox).

"Der Ausbau der Breitband-Infrastruktur trägt wesentlich zu einer höheren Lebensqualität bei. Schnelle Internetzugänge sind für die meisten Menschen von großer Bedeutung und erhöhen die Attraktivität der Region als Wohn- und Gewerbestandort nachhaltig", sagen die Ortsbürgermeister Martin Knüvener (Schönbach) und und Erhard Annen (Utzerath). Dort können sich die Bürger freuen, aber grundsätzlich gilt: Es ist noch einiges zu tun im Kreis Vulkaneifel, denn gut 2500 Privathaushalte und 16 Gewerbegebiete sind noch ohne schnelles Internet.
Das Ziel des Kreises ist wie das des Landes: Bis Ende 2018 mindestens 95 Prozent aller Haushalte über schnelles Netz verfügen. Vor diesem Hintergrund hatte der Kreis im vergangenen Jahr die TÜV Rheinland Consulting GmbH mit einer Bestandsaufnahme beauftragt. Bei der ersten Erhebung wurde festgestellt, dass etwas mehr als die Hälfte aller Haushalte im Kreis schnelles Internet nutzen könne. Gemeint sind Geschwindigkeiten von mehr als 30 Megabit pro Sekunde. Allerdings war die Untersuchung von der Realität schon überholt worden. Bei der Aktualisierung stellte sich heraus, dass 2569 Privathaushalte, 37 Unternehmen und mit dem Klärwerk Obere Kyll in Lissendorf ein sogenannter Sonderstandort unterversorgt sind. Um das zu ändern, ist viel Geld nötig: Die Investitionssumme beläuft laut TÜV Rheinland auf gut acht Millionen Euro. Davon entfallen etwa sieben Millionen Euro auf unterversorgte Privathaushalte in 38 Gemeinden und eine Million Euro auf den Ausbau von 16 unterversorgten Gewerbegebieten. Diese Summe muss der Kreis aber nicht allein aufbringen, 90 Prozent der Ausbaukosten werden.

Aber wie ist der Stand der Dinge in der Kreisverwaltung? Dort wird derzeit die Ausschreibung vorbereitet, und die gilt nicht nur für Deutschland, sondern europaweit. "Ein kompliziertes Verfahren, bei dem wir vom TÜV und einer Rechtsanwaltskanzlei unterstützt werden", sagt Landrat Heinz-Peter Thiel. Nach der Sommerpause soll die Ausschreibung veröffentlicht, die Aufträge dannn "möglichst schnell vergeben werden". Am Ziel Ausbau bis Ende 2018 will Thiel nicht grundsätzlich rütteln, "aber es wird sicher nicht tragisch sein, wenn der endgültige Abschluss 2019 erfolgt."

Denn es müssen auch die Rahmenbedingungen passen, wie beispielsweise ausreichend Kapazitäten bei den Baufirmen. Und die ist derzeit nicht gegeben: "Die Tiefbauer sind derzeit völlig ausgelastet, und das nicht nur hier bei uns, sondern bundesweit."
Extra: Geschwindigkeit im Internet
Welche Geschwindigkeit benötigt wird, hängt vom eigenen Bedürfnis ab. Sechs bis acht Mbit/Sekunde reichen aus, um im Web zu stöbern, Nachrichten zu lesen, E-Mails abzurufen, Internetradio zu hören, Online-Banking abzuwickeln und hin und wieder Musik oder kurze Videos herunterzuladen. Da Internetseiten jedoch immer umfangreicher werden, lassen sich diese nur noch mit schnellen Breitbandverbindungen von mindestens 16 Mbit schnell öffnen. Auch Internetfernsehen lässt sich in der Regel erst ab einer solchen Geschwindigkeit relativ ruckelfrei schauen. Mit 50 Mbit pro Sekunde kann über den Internetanschluss gleichzeitig telefoniert, gesurft und ferngesehen werden.