Gusenburg | 16. Mai 2017 | Autor: Christa Weber

In Gusenburg regt sich Widerstand

Im Bürgerhaus haben Befürworter und Kritiker der geplanten Windräder drei Stunden lang sachlich miteinander diskutiert. Zu einer Annäherung kam es dabei jedoch nicht.
Gusenburg Der Saal im Gemeindehaus ist brechend voll. Etwa 70 Gäste sind zum Informationsabend über die Gusenburger Windkraftpläne gekommen. Eingeladen hatte die Arbeitsgemeinschaft (AG) Lebenswertes Gusenburg, die sich für weniger Windräder rund um ihren Ort einsetzt (TV vom 11. April).
"Es ist kurz vor zwölf", erklärte Moderatorin Anette Müller-Bungert von der AG. Es gebe im Ort "einen sehr unterschiedlichen Kenntnisstand" dazu, was auf die Bürger zukomme. Es sei "an der Zeit, Fakten aus verschiedenen Perspektiven zusammenzutragen", damit sich die Bürger eine Meinung bilden könnten. Die "Fakten" lieferten Ortsbürgermeister Josef Barthen, Mediziner Dr. Ortwin Zais, Christa Breidert von der Interessengemeinschaft Rettet den Hochwald und Raphael Stein von der Bürgerinitiative (BI) Windwahn im saarländischen Sitzerath.

Stand der Planung Ortschef Barthen skizzierte die Gusenburger Windkraftpläne und betonte, dass er keinen Einblick in die Verträge der Nachbarn habe. Für Gusenburg gebe es in den zwei Gebieten Auf der Wild und auf der Grendericher Höhe "Potenzial" für insgesamt sechs Anlagen. Diese sollen laut Investor 212 Meter hoch werden. Unter 200 Metern bleiben die zwei Anlagen, die am nächsten (1100 Meter) am Dorf stehen sollen. Die Pachterlöse für die Gemeinde sind laut Barthen "vertraglich festgeschrieben" und liegen bei 70 000 Euro pro Jahr und Anlage bei einer Laufzeit von 25 Jahren. Für den Rückbau der Räder seien die Betreiber gesetzlich verpflichtet, ausreichend Geld zurückzulegen.
Bedenken von Bürgern Agnes Weiß von der AG kritisierte, dass die neuen Nonnweilerer Räder für die Gusenburger "ganz anders" wahrnehmbar seien, als es offizielle Visualisierungen gezeigt hätten. "Wir wissen nun, was kommt. Im Grunde ist es Notwehr, was wir hier machen." Viele Dorfbewohner seien wegen Natur und Ruhe in den Ort gezogen. Beides sieht Weiß durch die "Umzingelung" mit Rotoren gefährdet. Die Anlagen seien "laut", ihre Häuser würden an Wert verlieren. Mit dem Tourismus sei dieses Ausmaß nicht vereinbar. Wegen Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz würden Pacht und Gewinne sinken.

Folgen für den Menschen Ortwin Zais stellte Auswirkungen von Infraschall auf den menschlichen Körper vor. Dazu zählten laut Forschung erhöhter Blutdruck, Übelkeit, Atemprobleme und Angstgefühle. Die Frequenzen unterhalb von 16 bis 20 Hertz könne der Mensch nicht hören, aber "fühlen". Es gebe zwar noch großen Forschungsbedarf zum Infraschall durch Windräder, sagte Zais. "Aber er lässt uns definitiv nicht kalt."

Natur- und Artenschutz Für Christa Breidert von der IG Rettet den Hochwald sind Windräder im Wald "nicht diskutabel". Sie verwies auf die Zerstörung wichtigen Lebensraums gesetzlich geschützter Tiere wie Rotmilan und Mopsfledermaus. Auch der Mensch habe "ein Bedürfnis nach Ruhe und Erholung", wofür er den Wald erhalten müsse.
Sicht der Nachbarn Raphael Stein von der Sitzerather BI zeigte auf einer Karte, dass Nonnweiler, Gusenburg und Grimburg Räder auf demselben Höhenzug planen. Sein Ort werde bald von "mehr als 20 Anlagen umzingelt". Die Initiative sei nicht gegen Windkraft, aber: "Muss es denn so viel sein?" Ein Konsens über Grenzen hinweg sei nicht gewollt: "Jeder schaut nur auf sich." Man müsse jetzt handeln. "Ist ein Flächennutzungsplan mal in Kraft, werden die Räder genehmigt."

Diskussion In einer anonymisierten Fragerunde gingen die meisten Nachfragen an den Ortschef. Könnte die Pacht sinken? Wie viel Geld bleibt im Ort? Warum wird die Bürgerbefragung von 2010 nicht wiederholt? Von den Rückmeldungen damals seien 84 Prozent positiv gewesen, sagte Barthen. Jeder Bürger habe sich in öffentlichen Sitzungen über den Planungsstand informieren können. Der Plan für die Windkraftflächen werde bald erneut offengelegt: "Dann kann jeder seine Einwände vorbringen." Die Verbandsgemeinde habe einen Solidarfonds für alle Dörfer eingerichtet, in den 25 Prozent der Pachterlöse fließe. Den Gusenburgern verblieben pro Jahr "300 000 Euro". Bei den Verträgen mit den Investoren habe man sich "rechtlich abgesichert".
Ein Bürger regte an, bei all dem "absoluten Pro und Kontra" zu prüfen, ob nicht doch ein Kompromiss machbar sei. Agnes Weiß betonte, die Bürger dürften mitbestimmen: "Bitte nutzt die Chance und bringt Einwände bei der Offenlage ein."
Kommentar
Meinung
Zwingende Argumente nötig

Zwei Dinge hat der Infoabend gezeigt: In Gusenburg ist mit Widerstand gegen die Windkraftpläne in der VG Hermeskeil zu rechnen. Und: Befürworter und Kritiker weichen von ihrer jeweiligen Linie nicht ab. Soll ein Kompromiss noch möglich sein, dann müssten jetzt wirklich zwingende Argumente auf den Tisch. Die Plan-Offenlage bietet dazu Gelegenheit. c.weber@volksfreund.de