Kell/Trier | 19. März 2017 | Autor: Harald Jansen

So soll es weitergehen mit der Realschule plus

Die Anmeldephase für das neue fünfte Schuljahr ist gelaufen. Die Zahl neuer Schüler für Kell/Zerf wird unterschiedlich interpretiert.
Kell/Trier Bis zum ersten Schultag im Spätsommer tut sich immer noch was. Denn nach der eigentlichen Anmeldephase nach den Halbjahreszeugnissen im Winter überlegt sich der ein oder andere es sich dann doch anders. Und so kommt es, dass am 1. März 2016 16 Jungen und Mädchen für das fünfte Schuljahr an der Realschule plus Kell/Zerf gemeldet waren. Tatsächlich sind es dann nach Zahlen der Kreisverwaltung Trier-Saarburg 23 und somit eine Klasse gewesen.
Die 2016er Zahl hatte erneut für Diskussionen im Kreistag gesorgt, ob die Schule überhaupt noch eine Zukunft hat (der TV berichtete). Am Ende hat wohl die Hoffnung überwogen, dass es für das Schuljahr 2017/18 aufwärtsgeht. Denn, wenn die Anmeldezahlen nicht anziehen, besteht die Gefahr, dass weniger als 180 Jungen und Mädchen die Schule besuchen. Und dann könnte das Mainzer Bildungsministerium die Schule auslaufen lassen.
Die bis vor einigen Tage dauernde neue Anmelderunde hat offensichtlich nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Es sind zum 1. März 20 Schüler gewesen. Zum neuen Schuljahr dürfte die Zahl der Schüler an den Standorten Kell und Zerf bei insgesamt rund 200 liegen. Zum Vergleich: Im Schuljahr 2012/13 waren es rund 320 (sie Grafik).
Zwar sind 200 Schüler und die Aussicht auf auch in Zukunft eher kleine Jahrgänge kein allzu sanftes Ruhekissen. Was das ein oder andere Kreistagsmitglied viel mehr umtreibt, sind die mehr als acht Millionen Euro, die in die Schule investiert werden sollen. Denn es gibt den Plan, sich auf den Standort Kell zu konzentrieren (der TV berichtete). Dazu hat es bereits einen Architektenwettbewerb für einen umgestalten Schulstandort gegeben.
Anfang April werden die Kell-Zerfer Zahlen sowie die Anmeldungen an den anderen weiterführenden Schulen Thema im Schulausschuss des Kreistags sein. Der TV hat im Vorfeld die Fraktionschefs gefragt, wie sie die Lage einschätzen.
Bernd Henter, Fraktionsvorsitzender der CDU, sagt, dass seine Fraktion dem Vorschlag der Kreisverwaltung auf Sanierung und Erweiterung der Realschule plus am Standort Kell zustimmen wird. "Ein abgestimmtes schrittweises Vorgehen wird von uns befürwortet, damit man kurzfristig auf verändernde Schülerzahlen reagieren kann." Entscheidend für den Fortbestand der Schule sei ein gutes Angebot, damit die Schülerzahlen wieder steigen. Die CDU-Kreistagsfraktion sei der Überzeugung, dass die politischen Kräfte in der VG Kell und auch die Bürgerinnen hinter der Realschule plus in Kell stehen.
Ingeborg Sahler-Fesel, Fraktionsvorsitzende der SPD: "Die Anmeldezahlen sind rückläufig, seitdem der Kreistag 2015 mit den Stimmen von CDU und FWG gegen den Antrag der SPD-Fraktion das funktionierende doppelgleisige (dislozierte) System mit den Standorten Kell und Zerf zerschlagen hat." Die Realschule plus ohne den Standort Zerf verliere wie befürchtet an Akzeptanz, wie die Zahlen aus Zerf und Greimerath zeigten. "Vor dem Hintergrund dieser Verwerfungen erwartet die SPD eine kreisweite Aktualisierung des Schulentwicklungsplans." Die SPD-Fraktion sei für den Erhalt der Realschule plus Kell/Zerf.
Matthias Daleiden (FWG) stellt fest, dass sich die Anmeldezahlen in 2017 gegenüber 2016 von 16 auf 20 verbessert haben. Dies sei zu wenig, wenn man berücksichtigt, wie viele Schüler aus der VG Kell an andere Schulstandorte gehen. "Würde es bei diesem Trend bleiben, wäre in der Tat der Standort Kell mittelfristig gefährdet." Die FWG sei jedoch zuversichtlich, dass sich eine Trendumkehr vollziehen wird. Die Freien Wähler seien nach wie vor davon überzeugt, dass die auf Initiative der FWG vom Kreistag getroffene Entscheidung, die Schule in Kell zu konzentrieren, richtig und zukunftsweisend war.
Bernhard Busch (FDP) sagt: Die jetzt bekannte Anmeldezahl zum kommenden Schuljahr müsse ins Verhältnis gesetzt werden: Im Vorjahr seien zunächst vier Kinder weniger gemeldet, später wurden dann acht Kinder nachgemeldet. "Wir gehen davon aus, dass das sich in diesem Jahr wiederholt." Unabhängig von aller Zahlenjonglage und kurzfristiger Momentaufnahmen sei die Realschule plus in Kell strukturell notwendig. "Auf die Dauer wäre die IGS in Hermeskeil in ihrer derzeitigen Struktur nicht in der Lage, die Realschule plus Kell zu ersetzen." Hinzu komme die unklare Situation der Realschule plus Thalfang.
Paul Port (Grüne) stellt die Frage "Wem nützt eine rund acht Millionen Euro teure neue Schule ohne Schüler." Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen habe die Konzentration auf den Schulstandort Kell aktiv begleitet. "Wir wollten damit dem Rückgang an Neuanmeldungen entgegenwirken und ein Zeichen an die Elternschaft senden, ihre Kinder an einer Schule in Wohnortnähe anzumelden." Um so enttäuschter sei man über die Zahl der Anmeldungen. Die Schule laufe Gefahr, dass bereits im Schuljahr 2018/19 die Mindest-Gesamtschülerzahl von 180 unterschritten wird.
DIE ANMELDEZAHLEN IM VERGLEICH
 
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Gymnasien: Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Schweich (DBG): 58 (2016/17: 57), Stefan-Andres-Gymnasium Schweich (SAG): 209 (225), Hermeskeil: 80 (92), Saarburg: 154 (161), Konz: 105 (105); IGS Hermeskeil 90 (81); Realschulen plus. Waldrach: 31 (34), Kell/Zerf: 20 (16). har (Stand 6.3., Quelle: Kreisverwaltung Trier-Saarburg)
DIE GESCHICHTE DES SCHULSTANDORTS
 
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Aus den früheren zwei Hauptschulen in Kell und Zerf wurde 1999 zunächst eine Regionale Schule. Seit 2009 trägt sie den Titel "Realschule plus". Die Klassen fünf und sechs - also die Orientierungsstufe - gehen nach Kell. Die älteren Jahrgänge werden in Zerf unterrichtet - und zwar nach dem "kooperativen Modell". Mit diesem Fachbegriff ist gemeint, dass ab Klasse sieben in Zerf in zwei Zweige getrennt wird. Ein Teil der Schüler arbeitet auf die Berufsreife (nach Klasse neun), der andere auf die mittlere Reife hin. ax