Horath | 17. März 2017 | Autor: Christoph Strouvelle

Ein Wochenende zum Krafttanken für Familien mit schwerkranken Kindern

Der Verein Schwerstkranker Kinder im Hunsrück hat 14 betroffene Familien für drei Tage ins Hotel Hochwald in Horath eingeladen. Die Eltern können beispielsweise Massagen genießen. Doch sie profitieren nicht nur von der Entspannung.
Horath Bälle, kleine Spielzeugautos, Dreiräder: Luis, Benjamin und Paul, alle drei sind im Kindergartenalter, sind offensichtlich sehr angetan vom Angebot in den Spielzimmern des Familienhotels Hochwald in Horath. Immer wieder krabbeln sie in das Zelt mit den vielen Plastikbällen, werfen damit, lachen und freuen sich einfach.
Doch was für viele Kinder normal ist, bedeutet für die 14 Familien mit Kindern im Alter zwischen neun Monaten und 16 Jahren, die auf Einladung des Vereins Schwerstkranker Kinder im Hunsrück ins Familienhotel gekommen sind, ein Wochenende zum Krafttanken. Denn die Familien, die gekommen sind, haben ein Kind, das sich einer Krebstherapie unterzogen hat, oder ein behindertes Kind.

Diese Familien haben ein Erholungswochenende nötig, sagt Brigitte Stierwald, Vorsitzende des Vereins. Dieser finanziert den Betroffenen das Wochenende. So können die Eltern beispielsweise eine Massage genießen, während ihre Kinder von den Mitarbeitern des Hotels betreut werden. "Der Stress soll weg von den Eltern, sie sollen sich hier fallen lassen und wieder für den Alltag stärken", sagt Heidi Busch, Leiterin des Hauses Hochwald.

Wie nötig das ist, zeigt sich am Beispiel der Familie Kranz aus Zeltingen-Rachtig. Bei der jetzt zwölfjährigen Tochter Julie ist 2015 Leukämie festgestellt worden. Das hat ein Jahr Therapie im Mutterhaus zur Folge gehabt. "Einer von uns war bei der Tochter, der andere zu Hause bei unserem Sohn Linus", sagt Kerstin Kranz. Die Situation sei nicht nur emotional und zeitlich, sondern auch wegen der Trennung der Familie sehr belastend gewesen. Dazu kommt der Alltag: Vater Raimund arbeitet Vollzeit im Schichtdienst, Mutter Kerstin arbeitet Teilzeit im Büro. "Wir haben nur noch funktioniert, für uns selbst hatten wir keine Zeit", sagt Kerstin Kranz. In diesen drei Tagen im Haus Hochwald brauchen sie sich um nichts kümmern. Kegeln, lecker essen, eine Runde im Schwimmbad drehen, kein Alltag, einfach nur relaxen. Hinzu kommt der Erfahrungsaustausch mit anderen betroffenen Eltern. "Normale Menschen nehmen Anteil, können die Belastung aber nicht nachvollziehen", sagt sie.

Ihr helfen die Gespräche, um die vergangenen zwei Jahre zu verarbeiten. Wichtig sei auch die Aufklärung, damit keine Gerüchte aufkommen: "Krebs ist nicht ansteckend, und es bedeutet auch kein Todesurteil", sagt ein Vater, der ebenfalls mit seiner Familie das Wochenende im Hotel Hochwald verbringt. Auch Sabine Christmann aus Schweich und ihre drei kleinen Kinder genießen die gemeinsame Zeit sichtlich. Der zweieinhalb Jahre alte Luis litt an einem Nierentumor. Sabine Christmann: "Ich brauche mich hier um nichts zu kümmern, nur um meine Kinder."
VEREIN SCHWERSTKRANKER KINDER IM HUNSRüCK
 
Extra
Der Verein Schwerstkranker Kinder Hunsrück hat im Februar sein 15-jähriges Bestehen gefeiert. Der Verein unterstützt Familien schwerstkranker, chronisch kranker und behinderter Kinder. Der Verein leistet finanzielle Hilfen, wenn beispielsweise die Krankenkasse die Kosten für bestimmte Therapien nicht übernimmt. Dazu geben die Vereinsmitglieder Rat, wie Förderungen und Therapien möglich sind und stellen Kontakte her, damit Familien mit vergleichbarem Schicksal miteinander in Kontakt treten und sich vernetzen können. Weitere Infos und Kontaktadressen gibt es im Internet unter www.verein-schwerstkranker-kinder.de