Bernkastel-Kues/Morbach | 28. Februar 2016 | Autor: Christoph Strouvelle

Streit um Rodungen für Windräder

Arbeiter haben am Freitag damit beginnen wollen, rund um den Ranzenkopf Bäume zu fällen, um Platz für Windräder zu schaffen. Doch eine Intervention der Naturschutzorganisation Nabu hat das Vorhaben vorläufig verhindert.
Bernkastel-Kues/Morbach. Genehmigen die Behörden Rodungsarbeiten im Wald rund um den Ranzenkopf, damit auf den dort entstehenden Lichtungen in diesem Jahr noch Windkraftanlagen gebaut werden können? Das ist die spannende Frage, die am heutigen Montag in einem Gespräch zwischen der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich und der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord erörtert wird.
Die Zeit drängt, denn normalerweise sind ab 1. März aus Naturschutzgründen keine Rodungen mehr zulässig. Dabei hatte der Wintricher Ortsbürgermeister Dirk Kessler bereits für den vergangenen Donnerstag eine Genehmigung erwartet. Und die benötigten Maschinen sowie Arbeiter seien am Freitag auch schon vor Ort gewesen und hätten auf den Start gewartet, sagen Sabine Lütt von der Naturschutzorganisation Nabu Rheinland-Pfalz und Kessler übereinstimmend.
Dazu seien die Zufahrten in das betreffende Waldstück von Polizisten abgesperrt worden, sagt ein Horather Bürger, der nicht genannt werden will. "Tatsache ist, dass die Holzunternehmen am Freitag mit der Rodung beginnen sollten. Das ist nicht passiert", sagt Kessler. Der Grund: Die Naturschutzorganisation Nabu Rheinland-Pfalz ist über einen Rechtsanwalt gerichtlich gegen die Rodung vorgegangen. Sie moniert mangelhafte Untersuchungen des betreffenden Waldgebiets und befürchtet Umweltschäden, begründet Cosima Lindemann vom Nabu Rheinland-Pfalz ihr Veto.
Landrat Gregor Eibes will die Vorgänge nicht kommentieren, bestätigt aber, dass es heute Gespräche zwischen der Kreisverwaltung und der SGD Nord geben soll, um die rechtlichen Grundlagen für eine Genehmigung der Rodungsarbeiten zu klären. Ortsbürgermeister Kessler, der zusammen mit den Nachbargemeinden Piesport und Brauneberg sowie dem Unternehmen Agro Wea die Windenergie Wintrich Planungsgemeinschaft gegründet hat, die 17 der geplanten Anlagen bauen will, sieht durch die Intervention das Projekt gefährdet. Dazu kritisiert er den Nabu. "Wenn eine Naturschutzorganisation gegen erneuerbare Energien ist, passt das nicht", sagt er. Der Artenschutz in dem betreffenden Waldgebiet sei durch hochqualifizierte Gutachter gewährleistet worden. Viele Kompensationsmaßnahmen würden dafür sorgen, dass der Artenreichtum nicht nur erhalten werde, sondern sich verbessere. Kessler: "Die Vielfalt wird sich auf Dauer erhöhen." Insgesamt ist der Bau von 50 Windrädern in dem Waldgebiet rund um den Ranzenkopf geplant.