Hunolstein | 17. Juli 2017 | Autor: Benedikt Laubert

Warum der Erbeskopf eine Seele hat

Wanderer und Skifahrer lassen am Erbeskopf ihre Seele baumeln. Dabei hat der Ort selbst eine Seele. Eine, die aus dem Gleichgewicht geraten ist. Das jedenfalls sagt eine Gruppe von Künstlern, die im Naturpark Steine aus der Eifel mit "Kosmogrammen" aufstellen will.
Was bei Kopfschmerzen, Grippe oder einem gezerrten Muskel zu tun ist, wissen die meisten. Was aber, wenn eine ganze Landschaft aus dem Gleichgewicht gekommen ist? Da müssen schon Experten ran.
Klopfen dringt hinter dem lehmverputzten Wohnhaus in Hunolstein hervor. Wer um das Gebäude läuft, stößt im schattigen Garten auf eine Künstlergruppe. Die Frauen und Männer bearbeiten mannshohe Steinstelen, die umgekippt auf Paletten liegen, mit Meißel und Hämmer. An der Oberfläche sind die Spuren der Sägen und Bohrer zu erkennen, durch die sie ihre pfeilerartige Form bekommen haben. An jedem Stein sind aber auch armgroße flache Reliefs zu sehen, deren Form an Feuer, Wellen und Muscheln erinnern. Auch wenn sich das ungeübte Auge schwer tut, das zu erkennen: Diese Flachreliefs spiegeln die Seele jeweils eines Ortes wieder.

Neben den gekippten Steinstelen stehen Biertische, auf denen Papiere mit Bleistift- und Kugelschreiber-Zeichnungen liegen. Die Skizzen erinnern an Mandalas. Einige sehen den Formen im Stein sehr ähnlich, andere zeigen eher Schleifen- oder Blütenformen. Matthias Kunz, der sich lieber Matthias Lilienmond nennt, erläutert: "Auf diesen Zeichnungen haben wir festgehalten, was wir von der Seele des Orts wahrgenommen haben."

Mehr als ein Dutzend Kursteilnehmer ist in den vergangenen Monaten mit den Künstlern durch den Naturpark Saar-Hunsrück gezogen, um genau hinzufühlen. Die Skizzen dienten als Vorlage für die Reliefs. Und was lässt sich nun über die Seele des Erbeskopfes sagen? Für Matthias Lilienmond hat das Gebiet etwas "Erhabenes, es hat etwas mit dem Kopf zu tun". Aha. Stellt man die Steinstele vor dem inneren Auge auf, kann man im Relief tatsächlich eine nach oben strebende Wellenform sehen. Doch bei allem Erhabenen, wirft seine Kollegin Sabine Lütt ein, könne man in der Seele dieses Ortes nichts Dominantes erkennen - er sei eingebettet in die übrige Landschaft und stelle sich nicht gegen sie. Doch dem Erbeskopf ging es nicht immer so gut, wissen die Künstler. Wolfgang Schneider sagt: "Durch das Militär hat der Raum seinen Fokus verloren und ist aus dem Gleichgewicht geraten." Inzwischen bessere sich das - diesen Prozess wollen die Künstler mit ihren Stelen unterstützen. Die Formen im Stein nennen sie Kosmogramme, ihr Wirken in und mit der Natur sehen die Künstler in der Tradition der Kelten. Die Steine kommen ursprünglich aus der Eifel, für die Materialkosten kommt der Naturpark auf.

Ein weiterer Stein, der im Hunolsteiner Garten lagert, kommt in die Nähe von Hermeskeil, dessen Landschaft einen weiblichen, beweglichen Charakter hat, wie Lütt sagt. Der andere nach Kastellaun. Noch ist nicht klar, wann die Steine in der Landschaft aufgestellt werden und ihre Wirkung entfalten können.
Extra: DIE REGENBOGENSCHMIEDE

Die Künstler Matthias Lilienmond und Sabine Lütt bieten in ihrem Projekt Regenbogenschmiede regelmäßig Kunstkurse an. Außerdem züchten sie Samen, die sie auf Märkten verkaufen. Mehr Informationen unter www.regenbogenschmiede.net.