Wellen | 18. April 2017 | Autor: Christian Kremer

Diskussion in Wellen: Wie gefährlich ist der Verkehr am Brückenkopf? (Video)

Ein Anwohner und ein Ersthelfer beklagen sich über Unfälle an der Wellener Brücke nach Grevenmacher. Sie fordern, dass die Verkehrsbehörde und die Polizei nachsteuern. Allerdings bekommen sie nur wenig Unterstützung.
Ein blauer Kleinwagen rast die Abfahrt der Wellener Grenzbrücke herunter. Die Fahrerin schneidet die leichte Linkskurve in Richtung Temmels. Die vorgeschriebenen 50 Kilometer pro Stunde halte sie wohl nicht ein, schätzen Thomas Fischer und Jürgen Beck. Das Mitglied der First Responder Obermosel aus Nittel und der Anwohner schauen sich den Verkehr auf einem der meist befahrenen Knotenpunkte im Raum Konz/Saarburg an. Täglich sind in dem Bereich laut Landesbetrieb Mobilität (LBM) 15 500 Fahrzeuge unterwegs.

Beck, der nicht weit weg von der Kreuzung in der Straße Klautermühle wohnt, hat es satt. „Seitdem diese Vorfahrtsregelung geändert worden ist, ist die Situation einfach schlimm“, sagt er. 17 Unfälle habe er persönlich beobachtet. Die Autofahrer seien einfach zu schnell unterwegs, Motorradfahrer nutzten die Kurven als Rennstrecke. Zudem blinkten viele Verkehrsteilnehmer falsch. „Die Situation könnte man definitiv verbessern, indem man ein festes Radargerät installiert“, sagt Beck. Dass ein Blitzer aufgestellt wird, ist aber unwahrscheinlich (siehe Infotext).

Der First Responder Fischer ist selbst schon mehrfach zu Unfällen an dem Brückenkopf ausgerückt – zum Beispiel im März, als sich ein Auto überschlug und auf dem Dach liegen blieb („Auto überschlägt sich und landet auf dem Dach“, TV vom 18. März). Auch er meint: „Keiner hält sich hier an die vorgeschriebene Geschwindigkeit.“ Besonders die Linksabbieger, die von Nittel kommend Richtung Trier fahren wollen, seien gefährdet. Fischer schlägt vor, Warnleuchten und Reflektoren zu installieren, um die Fahrer vor der Kreuzung zu warnen. Auch Leitplanken auf der Insel, die den Verkehr Richtung Nittel und Temmels trennt, hält Fischer für sinnvoll. Noch besser wäre ein Kreisel, sagt Fischer und klagt über eine zunehmende Rücksichtslosigkeit: „Keiner hält und lässt den anderen vor.“
Beck ergänzt, dass im Berufsverkehr oft lautstark geschimpft werde. Die „Fachausdrücke“, die da fielen, wolle er nicht zitieren.

Harald Lahr, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion in Saarburg, sieht im Gegensatz zu dem Anwohner keinen Grund zur Besorgnis. „Der Bereich des Brückenkopfes ist seit 2012 nicht mehr als Unfallhäufungsstelle ausgewiesen“, sagt er auf TV-Anfrage. Häufigste Unfallursache seien Auffahrunfälle im Berufsverkehr – ohne Verletzte. „Durch die neue Verkehrsführung hat sich die Unfalllage aus Sicht der Polizei in der langfristigen Betrachtung nicht wesentlich verändert“, sagt Lahr. 2016 hat die Polizei rund um den Brückenkopf 26 Unfälle registriert, 2015 waren es 13, 2014 am gesamten Knotenpunkt 28. „Für das Jahr 2017 sind der Polizei bisher neun Verkehrsunfälle bekannt“, sagt Lahr. Die Frage, ob die Polizei an der Brücke weitere bauliche Veränderungen für sinnvoll halte, beantwortet er allgemein: „Eine neue Verkehrsführung führt häufig bei der unmittelbaren Umsetzung zu einem kurzfristigen Anstieg der Unfallzahlen.“ Es dauere, bis sich die Verkehrsteilnehmer daran gewöhnt hätten.

Klaus Wagner vom LBM hält einen erneuten Umbau der Kreuzung – so wie es Fischer und Beck fordern – nicht für sinnvoll. Im Gegenteil: Insgesamt seien die Knotenpunkte durch den Umbau nach dem Brückenneubau vor zwei Jahren leistungsfähiger geworden. „Gleichzeitig wurden die unfallträchtigen Linksabbiegevorgänge reduziert“, sagt Wagner. Er sehe zwar noch Defizite für Autofahrer, die von Temmels kommen und links über die Bahnbrücke nach Wellen fahren wollen, aber Unfallhäufungen gebe es nicht. Für einen Kreisverkehr sei wegen der seitlichen Begrenzungen durch die Bahnstrecke und durch das Brückenwiderlager zu wenig Platz am Brückenkopf. Auch zusätzliche Schutzplanken auf der Insel zwischen der Brücke und der Abfahrt nach Temmels sind aus Sicht des LBM nicht sinnvoll. Sie seien für abbiegende Fahrzeuge sogar ein zusätzlicher Gefahrenpunkt. Der LBM habe auch schon etwas getan, um die Kreuzung sicherer zu machen: „Um den Kurvenverlauf zu verdeutlichen, haben wir zusätzliche Kurventafeln installiert.“
Ob das zur Unfallprävention beitrage, sagt Wagner, könne er erst nach Ablauf eines Jahres beurteilen.

Ein Video zur Wellener Brücke gibt es auf www.volksfreund.de/videos zu sehen.
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Stationärer Blitzer ist unwahrscheinlich

Am Wellener Brückenkopf wäre die Polizei zuständig für die Geschwindigkeitskontrolle. Die Einrichtung einer stationären Radar?anlage müsste die Polizei beim Innenministerium beantragen. Dass solch ein Antrag gestellt wird, ist allerdings unwahrscheinlich. Harald Lahr, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion in Saarburg, betont, dass die Polizei ihre Kontrollen auf schutzwürdige Bereiche – zum Beispiel Straßen an Schulen und Kindergärten – sowie auf Stellen konzentriere, an denen es häufig zu Unfällen mit Personenschäden komme. Dazu gehöre der Brückenkopf seit 2012 nicht mehr.

Laut Lahr wurde an der Grenzbrücke deshalb noch nie die Geschwindigkeit kontrolliert. Für innerörtliche Kontrollen ist es möglich, dass Kommunen die Überwachung des Verkehrs eigenständig übernehmen. Die Stadt Trier macht das seit Anfang 2016. Die Verbandsgemeinde Konz habe nicht vor, die Verkehrsüberwachung selbst zu übernehmen, sagt Michael Naunheim, Pressesprecher im Konzer Rathaus. Der Grund: Die Verbandsgemeinde müsste dazu Personal einstellen und die Technik besorgen. „Da es in der Stadt und Verbandsgemeinde Konz innerorts keine Unfallhäufungsstellen gibt, wären die zusätzlich entstehenden Kosten nicht zu rechtfertigen“, sagt Naunheim.
 
Kommentar
Einfach zu viel Verkehr
Die Wellener Grenzbrücke ist überlastet. 15 500 Fahrzeuge sind einfach zu viele für den Knotenpunkt an der Obermosel. Deshalb hilft langfristig nur der Bau einer weiteren Moselbrücke, um den Verkehr umzulenken und das Gefahrenpotenzial zu senken. Kurzfristig wäre sicherlich das Aufstellen eines stationären Blitzers sinnvoll. Das wäre wohl der einzige Weg, rücksichtslose Raser auszubremsen. Denn Appelle an die Vernunft der Verkehrsteilnehmer verhallen meist ungehört.
c.kremer@volksfreund.de