Temmels | 16. Mai 2017 | Autor: Jürgen Boie

Kleine, aber feine Brauerei an der Obermosel geplant

Dass Kindheitsträume wahr werden, kommt nur selten vor. Doch in Temmels steht Bier-Experte Alexander Baltes kurz davor, seinen eigenen Traum zu verwirklichen
Eine kleine Brauerei für ausgesuchte Qualitätsbiere an der Obermosel? Warum nicht? Das denkt sich auch der Temmelser Alexander Baltes, der sich genau den Berufswunsch erfüllen möchte, den er laut eigenen Aussagen seit seinem neunten Lebensjahr pflegt. Baltes ist erst 24 Jahre alt, doch in seiner Zielstrebigkeit wird deutlich, dass er genau weiß, was er will. Der gelernte Brauer und Mälzer steht kurz davor, eine kleine Brauerei für handgefertigte Biere aufzubauen. Und das ausgerechnet in Temmels, einem Weinort an der Obermosel, aus dem mit Petra Zimmermann immerhin die deutsche Weinkönigin 2004/05 stammt.
Baltes Pläne sind dabei schon weit vorangeschritten. Ausrüstung, Gerätschaften, Rohstoffe, Rezepte - alles ist organisiert. Die Ausbildung des jungen Mannes ist umfassend. Im Prinzip könnte es morgen losgehen. Es fehlt nur noch eine geeignete Örtlichkeit. Eigentlich war vorgesehen, im elterlichen Haus eine Waschküche umzurüsten. Der Plan zerschlug sich aber.
Doch Baltes wäre nicht der junge Mann, der er ist, wenn er durch diesen Rückschlag seine Pläne aufgeben würde. "Ich bin äußerst zuversichtlich, dass ich die Brauerei innerhalb der nächsten anderthalb Jahre aufbauen kann", zeigt sich der künftige Unternehmer zuversichtlich.
Er habe neue Räumlichkeiten im Obermoselort in Aussicht. Bis er diese nutzen kann, wird Baltes sich umfangreich weiterbilden und zusätzliche Rezepturen entwickeln. "Der Trend zum handwerklich hergestellten Craft-Bier im Gegensatz zum industriell gefertigten Bier in der Großbrauerei wird sicherlich dauerhaft sein", ist Baltes von der Zukunftsfähigkeit seines Konzepts überzeugt.
Bier wird es bei ihm in Flaschen und Fässchen geben. Auch das Brauen von individuellen Rezepten samt passenden Etiketten auf den Flaschen gehört zu seinem Konzept.
Sein erster Schritt zum Bierbrauer war ein Schülerpraktikum in der Brauerei Zils in Naurath/Eifel. Weitere Praktika führten ihn u.a. zur Kraft-Bräu nach Trier, nach Losheim, Merzig und nach Koblenz. 2011 begann Baltes eine Ausbildung bei der Biermanufaktur Engel im württembergischen Crailsheim.
In dem mittelständischen Betrieb lernte er das Handwerk von der Pike auf und bekam schon früh die Gelegenheit, sich mit Eigenkreationen zu beweisen. Trotz der guten Bedingungen dort wechselte Baltes nach der Ausbildung zurück nach Trier, da er eine Stelle bei Kraft-Bräu angeboten bekam.
"Nach meiner Ausbildung wollte ich unbedingt in kleinen Brauereien mit direktem Kundenkontakt arbeiten. Das Handwerk muss eindeutig im Vordergrund stehen", sagt Baltes. Seit 2016 ist er in Luxemburg bei der Brasserie Simon in Wiltz beschäftigt. "Simon unterstützt mich ganz toll", zeigt sich Alexander Baltes mehr als zufrieden mit seinem aktuellen Arbeitgeber. Er könne über die Brauerei Rohstoffe, Flaschen und Fässer in kleinen Mengen beziehen - und sogar seine eigene Brauerei im Nebenberuf betreiben. Natürlich zahlt Baltes mit großem Engagement und vollem Einsatz in der Firma zurück. Doch der Traum für Baltes bleibt die eigene Brauerei. Dass dieser Traum wahr wird, ist bei dem Engagement, der exakten Planung und Vorbereitung, der umfangreichen Ausbildung und der Unterstützung durch die Familie vermutlich wirklich nur noch eine Frage der Zeit. Ein Brauereiauschank in Temmels ist bisher noch kein Teil dieses Traums.
 
Extra: CRAFT BEER LIEGT IM TREND

(nhl) Ungewöhnliche Biere wie Indian Pale Ale, Gose oder Imperial Stout erleben eine Renaissance. Sie entstehen meist in kleinen regionalen Brauereien, die weitestgehend traditionell arbeiten. Die Braumeister nutzen bei der Herstellung spezielle Hopfen- und Malzsorten, um einzelne Aromen herauszuarbeiten. Häufig erscheinen die Charakterbiere nur in limitierten Mengen. Der Trend zum Craft Beer entstand in den Vereinigten Staaten und kam in den letzten Jahren auch in Deutschland an. Vor allem in Großstädten formt sich eine Szene um die handwerklich produzierten Biere.