Wawern/Trittenheim | 17. April 2017 | Autor: Alexander Schumitz

Leuchtende Wein-Kulturlandschaft: Der Kreis Trier-Saarburg zeigt was er kann

Artenvielfalt auch im Weinberg erlebbar machen: Das ist das Ziel des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Mosel in den kommenden Jahren. Hierzu zeichnet es besondere Plätze aus. Zwei davon liegen im Kreis Trier-Saarburg.
Drei Mauereidechsen sonnen sich vor einer Trockenmauer. Der Goldlack öffnet langsam seine Blüten, um den Trittenheimer Fährfelsen in gelbe Farbe zu tauchen. Ab Mitte Mai schlüpfen die Schmetterlinge aus ihren Kokons. "Für mich ist der Fels ein absolutes Kleinod", sagt Marlene Bollig.

Die Gästeführerin aus Trittenheim (Verbandsgemeinde Schweich an der römischen Weinstraße) hat den markanten Felsen dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel als Leuchtpunkt für das Projekt Lebendige Moselweinberge (siehe Infobox) vorgeschlagen. Auf dem Moselkongress in Kröv (Landkreis Bernkastel-Wittlich) stellte der DLR jüngst drei ausgewählte Leuchtpunkte vor. Neben dem Trittenheimer Fährfelsen sind dies eine Trockenmauer im Wawerner Jesuitenberg (Verbandsgemeinde Konz) sowie die Mesenicher Steinreichskäpp (Landkreis Cochem-Zell). "Alle drei Orte verbindet, dass sie eine hohe Artenvielfalt kennzeichnet und die Winzer mit diesen Orten eine enge Partnerschaft eingegangen sind", sagt Hubert Friedrich, Leiter des DLR Mosel.

Gerhard Eifel vom Weingut Clüsserath-Eifel berichtet dann auch von einem morgendlichen Treffen am Fährfelsen vor dem Moselkongress. "Die Mauereidechsen lassen herzliche Grüße ausrichten. Für sie gebe es keinen schöneren Platz als den Fährfelsen." Gemeinsam mit Helmut Clüsserath hat er die Lage vor 20 Jahren vom Friedrich-Wilhelm-Gymnasium gekauft, dem die Bewirtschaftung dieser Weinberge zu aufwendig geworden war.
Eine andere Geschichte hat Cord-Henrich Frey vom Weingut Dr. Frey in Kanzem (Verbandsgemeinde Konz) zu erzählen: "Als wir vor einigen Jahren einen Weinberg im Wawerner Goldberg neu bepflanzen wollten, schlug ein Baggerfahrer vor, die 150 Meter lange Mauer abzureißen." Sicher wären die unterhalb der Mauer liegenden Rebzeilen dann einfacher zu bewirtschaften.

Diese Lösung haben aber er und seine Frau Katharina Frey-Treseler abgelehnt. "Wir haben die Mauer erhalten, weil sie Teil unseres ökologisch bewirtschafteten Weinguts ist." Auf der Sonnenseite lassen es sich die Amphibien gutgehen, auf der sonnenabgewandten Seite findet man seltene Farne und Weinbergschnecken, die es kühl und feucht mögen. Nach und nach haben sie in der Nähe der Mauer weitere Steinhaufen und Bienenhotels angelegt.
In den kommenden vier Jahren sollen an Obermosel, Mittelmosel und Terrassenmosel jeweils weitere Leuchtpunkte ausgewiesen werden. Klaus Reitz, beim DLR Mosel Sachgebietsleiter für die Landespflege, betont, dass es wichtig sei, die Leuchtpunkte nachhaltig zum Strahlen zu bringen. Dazu sollen in den kommenden Wochen gemeinsam mit den vom DLR Mosel ausgebildeten Natur- und Erlebnisbegleitern weitere Konzepte entwickelt werden.
Extra:
Jedes Jahr drei neue Plätze
Mit der Auszeichnung als Leuchtpunkt im Rahmen der Initiative Lebendige Moselweinberge ist eine Informationstafel verbunden, die über den jeweiligen Ort mit Hilfe eines QR-Codes - das ist ein spezieller Code, über den man mit seinem Mobiltelefon Informationen im Internet abrufen kann - weiter informieren. Der erste Leuchtpunkt war 2016 das Erdener Treppchen. Bis 2021 sollen jedes Jahr drei als Plätze der biologischen Vielfalt hinzukommen. Die Orte sollen sich laut DLR Mosel durch eine "besonders hohe Dichte charakteristischer Arten, Populationen und Landschaften" auszeichnen. Das Motto für 2018 ist rekordverdächtig: Gesucht werden einzigartige Flussabschnitte, die ideale Lebensbedingungen für bedrohte Arten bieten. Weitere Informationen unter:
www.lebendige-moselweinberge.de/leuchtpunkte