Konz | 12. April 2017 | Autor: Christian Kremer

Lyrik auf Platt: Ein junger Konzer bedichtet seine Heimatstadt - auch im Internet (Video)

Michel Kickert ist jung, heimatverbunden und vor allem eines: kreativ. Das zeigt der 20-Jährige aus Konz mit seinen Gedichten, die er im Internet auf seinem Youtube-Kanal präsentiert.
Michel Kickert liebt Sprachspiele. Und er liebt seine Heimatstadt Konz. Diese beiden großen Lieben hat der 20-Jährige nun zusammengeführt, herausgekommen ist „Konzerlyrik“.

Auf der Videoplattform www.youtube.com veröffentlicht er auf dem Kanal „MalDies UndMalJenes“ humoristische moselfränkische Gedichte.

Das Besondere daran: Er thematisiert nicht nur die Eigenheiten des Dialekts oder des „Konzer Akzents“, wie er es nennt. Kickert verarbeitet auch die Besonderheiten der Stadt Konz und die Ticks der Konzer. Kickert: „Es wird auch oft gemeckert. Das nehme ich in den Gedichten auch ein bisschen auf die Schippe.“

Die abwechslungsreich vorgetragenen Texte sind kurzweilig und witzig. Es geht um die Politik und Wirtschaft der Saar-Mosel-Stadt, die Kreisel, die Bahnhöfe, das geckisch Knippchen (Musikantenknochen) und um Kirschen – oder waren es doch Kirchen? Kickert nimmt so die ch-/sch-Probleme der Moselfranken charmant aufs Korn.

Der junge Autor ist – anders als viele seiner ehemaligen Mitschüler vom Konzer Gymnasium – zu Hause geblieben. Kickert war bis zu seinem Abitur 2016 Schülersprecher, heute wohnt er immer noch in der Saar-Mosel-Stadt und studiert in Trier: Germanistik und Biologie. Er wolle Lehrer werden und weiterhin in Konz bleiben, sagt Kickert: „Es würde mir schon schwerfallen, woanders hinzugehen.“

Seine kreative Ader hat Kickert früh entdeckt. Seit 2006 ist er in Musikvereinen aktiv – zuerst Concordia Konz, jetzt Harmonie Könen. Er spielt Saxofon, Schlagzeug, Posaune und Tuba. Zudem gibt der 20-Jährige Gitarrenunterricht in der Volkshochschule in Konz. Im Gymnasium hat Kickert in der Big Band mitgespielt. Er sei musikalisch offen für alles, sagt er.

Es könne auch schon mal vorkommen, dass er zu Hause auf der Couch sitze und einen Marsch anhöre, erzählt der Konzer schmunzelnd. Auch darin unterscheidet er sich von den meisten seiner Altersgenossen.
Sein Interesse an Sprache, Gedichten und Geschichten habe er ebenfalls in der Schule entdeckt. Diese Leidenschaft hat er in den Theaterprojekten des Gymnasiums als Schauspieler ausgelebt. „Ich fühle sich wohl auf der Bühne“, sagt der 20-Jährige. Und inzwischen steht Kickert in Könen beim Famliennachmittag des Musikvereins auch als „Konzer Doktor“ in der Bütt. So würden ihn die Könener als Konzer vom Berendsborn ohnehin nennen.

Die Ideen für seine Texte sammelt Kickert stichwortartig. Angefangen habe es mit einem leeren Blatt. Dann habe er Wörter aufgeschrieben, die er mit Konz verbinde: Kreisel, Bahnhofstraße. Irgendwann habe er sich etwas zu essen geholt. Dann habe er sich das „geckich Knippcher“ gestoßen – alles zusammen habe er dann in den Gedichten verarbeitet.

Sein Ziel sei es, komplexe Sachverhalte mit Humor zu würzen und so zu erklären: „Das finde ich alles interessant, und da bin ich auch kreativ genug, um meinen Senf dazuzugeben.“
 
Gedicht 
Ausschnitt aus dem Text "Uus Kreisel" (Michel Kickert)

Hei in Konz, da geht et rund
dat hat en ganz bestimmte Grund
Den Verkehr sich immer weiter staute,
man in großer Zahl dann Kreisel baute.
Heut’ kann jede Quast im eigenen Karre schön sitzen,
musst eich doamals upp meinem Vello rumschwitzen,
Ma stand im Stau un piff sein Lied,
Doa kam uhse Bürjermeister, den Mannsens Winfried.
Den säd: Pass up, hol’ Hammer un Meißel
Mir bau’n an jeder Eck in da Staadt en Kreisel
Damit et gut aussieht kimmt uff die mittig Kupp
uch noch e quant u schön Kunstwerk drupp!