Konz | 17. Juli 2017 | Autor: Nathalie Hartl

Vom Markt zum Problemfall: Neue Ideen für ausgebrannten Markt in Konz

Der lange Flachbau am Brunoplatz stört viele Karthäuser. Sie beschweren sich, dass hier jahrelang nichts passiert sei. Die Besitzer haben sich nun zu Wort gemeldet. Sie haben in der Vergangenheit schon viel versucht.
Auf dem Brunoplatz gegenüber dem Kloster Karthaus stehen derzeit Baumaschinen, Container und Paletten. Es brummt, kracht und lärmt. Die anhaltende Geräuschkulisse kündigt an, dass sich etwas tut. Neben der Brunostraße, die gerade saniert wird, soll auch der Platz selbst herausgeputzt werden. Mit Bäumen, Bänken und einer erneuerten Bushaltestelle könnte er in Zukunft zum Verweilen einladen. Auch eine veränderte Parkplatzgestaltung soll dazu beitragen.

Die Planungen, die im Rahmen des Förderprogramms Soziale Stadt umgesetzt werden, wurden bereits im Juni den Bürgern vorgestellt (der TV berichtete am 28. Juni: "Pläne für den Konzer Brunoplatz"). Bei dem Termin wurde klar: Die Anwohner stört vor allem die Supermarktruine, die den Brunoplatz von der B 51 trennt. Einige kritisierten, dass die Aufwertung des Platzes nur dann gelingen könnte, wenn geklärt ist, was mit dem ausgebrannten Flachbau passiert.

Klaus Fahl, dessen Familie der ehemalige Supermarkt sowie ein weiteres Gebäude am Brunoplatz gehört, in dem sich Wohnungen und ein Jobcenter befinden, kann nachvollziehen, dass der Anblick den Konzern missfällt: "Uns ist der Zustand mehr Dorn im Auge als jedem anderen." Der Unternehmer, der mit seinem Bruder Erich Fahl auch ein Freizeitzentrum betreibt, habe "immer wieder Gespräche geführt", um die Situation zu ändern. Pläne, Skizzen und Bauanträge hat Fahl feinsäuberlich abgeheftet. Die Ideen zu neuen Nutzungsmöglichkeiten der Immobilie füllen mehrere Ordner. Dass bereits viel Energie aufgewendet wurde, um eine Lösung zu finden, bestätigt Quartiersmanager Dominik Schnith: "Wir sind immer im Austausch."

Erst im vergangenen Jahr habe es Verhandlungen mit dem Arbeitsamt gegeben, Schulungsräume in dem Gebäude anzusiedeln. Geplant war, dass dort unter anderem Flüchtlinge unterrichtet werden. Laut Klaus Fahl seien die Finanzmittel mit dem Rückgang der Flüchtlingszahlen vom Arbeitsamt zurückgezogen worden. "Das Ganze scheiterte leider am Budget des Jobcenters."

Auch aus dem Jahr 2015 liegen Pläne vor, in dem länglichen Bau zwischen Jobcenter und Sparkasse kleinere Geschäfte anzusiedeln. Man wollte den ehemaligen Supermarkt in einzelne Abschnitte unterteilen, um darin kleinere Verkaufsflächen zu schaffen. Diese Lösung ist weiterhin aktuell und wird von Quartiersmanager Schnith favorisiert. "Man könnte hier eine Basisversorgung schaffen." Denkbar wäre zum Beispiel eine Schneiderei oder ein kleines Café. "Auch Existenzgründer könnten sich hier ansiedeln", sagt Ute Musti, die bei der Verbandsgemeinde Konz unter anderem für die Städtebauförderung zuständig ist. "Es gibt eventuell Möglichkeiten auf Fördermittel zur Unterstützung."

Auch einen Ansatz, bei dem der Bau mit seinen über 700 Quadratmetern Fläche ohne Aufteilung bestehen bliebe, kann sich Erich Fahl vorstellen. Bei einem kurzen Rundgang durch den beschädigten Rohbau erzählt er von seiner Vision. "Mir geht ein Fahrradladen nicht aus dem Sinn. Man könnte die komplette Front verglasen", sagt er und deutet auf die kahle Backsteinfassade. Durch das leerstehende Gebäude geht es in den Keller. "Hier unten könnte zum Beispiel eine Fahrradwerkstatt entstehen." Die Lage sei gerade aufgrund des benachbarten Fahrradweges attraktiv.

Trotz Bemühungen bleibt ein Problem: Ohne Interessenten kann kein Plan umgesetzt werden. "Wo sollen wir einen Investor finden?", fragt Klaus Fahl. Dabei lässt er den Blick über den zugestellten Platz und die aufgerissene Brunostraße schweifen. Solange die Bauarbeiten andauern, sieht er keine Möglichkeiten, das Gebäude zu vermarkten. Ende des Jahres soll laut Schnith zumindest der angrenzende Straßenabschnitt fertiggestellt werden. Dann wird der Standort vielleicht auch für potenzielle Investoren ansprechender.
Weitere Fragen zum Brunoplatz beantwortet das Quartiersmanagement telefonisch unter 06501 / 9458252. Mehr unter: www.zuhausinkarthaus.de
Extra: Vom Markt zum Problemfall
Vor 15 Jahren gab es auf dem Brunoplatz einen Einkaufsmarkt mit Metzgerei. Damit war die Fläche zentrales Element der örtlichen Nahversorgung. Im Zuge des neuen Einzelhandelskonzepts ist der Markt laut Schnith geschlossen worden. Es folgte ein türkischer Obst- und Gemüseladen, der 2008 abbrannte. Die Schäden nach dem Feuer waren enorm. Seit dem Brand ist kein neuer Mieter in das Gebäude eingezogen. Das wirkt sich auch auf die Finanzen der Fahls aus: "Wir haben viel vom Familienvermögen verloren."