Trier | 16. März 2017

Drei Kandidaten sind noch im Rennen um die Kür zum Generalmusikdirektor Das gebrannte Kind

Die Wahl des Trierer Generalmusikdirektors, der die Nachfolge von Victor Puhl antreten soll, ist weiter offen. Drei Bewerber sind noch im Auswahlverfahren.
Trier Ursprünglich sollten aus den Bewerbungen für die Kür des Trierer Generalmusikdirektors (GMD) 13 Kandidaten ausgewählt und zu Orchesterproben eingeladen werden, darunter vier Operndirigate von "Hänsel und Gretel"sowie zwei Sinfoniekonzerte mit jeweils einem Kandidaten am Dirigierpult.
Mittlerweile hat sich die Zahl der Nachdirigate auf fünf erhöht. Außerdem fand ein sogenanntes Assessment Center statt, getreu dem Credo von Oberbürgermeister Wolfram Leibe: "Der neue GMD muss nicht nur gut dirigieren können, sondern auch zu Trier passen". Was bedeutet: Dessen Aufgabenfeld geht über den Zirkel rein musikalischer Kompetenzen hinaus. Da sind auch Führungserfahrung, künstlerischer und kulturpolitischer Weitblick und persönliche Entwicklungschancen gefragt, vor allem aber die Integration ins Kulturleben von Stadt und Region.
Noch drei Bewerber sind im Rennen:
Jochem Hochstenbach, Erster Kapellmeister am Konzert-Theater Bern wird am 30. März das 6. Sinfoniekonzert dirigieren.

Roman Brogli-Sacher, Chefdirigent des Jiangsu Symphony Orchestra in Nanjing, China, leitet das 7. Sinfoniekonzert am 27. April. Er war lange GMD und Operndirektor in Lübeck.
Daniel Carter, Erster Kapellmeister am Theater Freiburg, wird ein zusätzliches Sinfoniekonzert am 27. Mai dirigieren, dessen Programm noch nicht feststeht. Die Aussichten der Bewerber sind völlig ungewiss. Bislang schälte sich unter externen Beobachtern keine Präferenz für einen Kandidaten heraus. Eins freilich ist gewiss: Das GMD-Auswahlverfahren bleibt kompliziert. Man könnte fast die Geduld verlieren. Noch ein Operndirigat, ein Assessment-Center, eine Endrunde nicht mit zwei, sondern drei Bewerbern, ein zusätzliches Sinfoniekonzert - das sieht nicht gerade nach übertriebener Entscheidungsfreude aus. Und doch: Es gibt gute Gründe, bei der GMD-Wahl mit großer Sorgfalt vorzugehen. Triers Kulturpolitik hat bei der Ernennung von Karl Sibelius nicht genau genug hingeschaut. Sie trägt für die krisenhafte Entwicklung danach ein gutes Stück Mitverantwortung. Wenn die Findungskommission für den GMD jetzt einmal mehr zuhört und nachfragt, ist das nur zu verständlich. Das gebrannte Kind scheut bekanntlich das Feuer. Hinzu kommt: Die Situation der 1990er, als mit Stefan Blunier und István Dénes gleich zwei Idealbesetzungen antraten, ist vorbei. Auch der mutige Handstreich, mit dem Kulturdezernent Holkenbrink im Jahr 2008 seinen Favoriten Victor Puhl aus dem Hut zauberte, lässt sich schwerlich wiederholen. Im gesamten Musikleben wird das Bewerberfeld dichter. Immer mehr hochkompetente Dirigenten konkurrieren um eine schwindende Zahl von Leitungspositionen. Das ist für Trier an sich erfreulich, macht aber die personelle Entscheidung nicht einfacher. Genau darum ist Geduld geboten. Jetzt heißt es durchatmen und Chancen wie Gefährdungen lieber ein weiteres Mal bedenken.
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