Trier | 19. März 2017 | Autor: Rainer Nolden

Francescas Versuchung: Die Brücken am Fluss im Trierer Theater

Deutsche Erstaufführung mit Kitsch-Faktor: Ulrich Wiggers "Die Brücken am Fluss" am Trierer Theater gerät oft banal.
Eigentlich eine sichere Nummer: Es begann mit einem Herzschmerzroman, der - ausgerechnet - von Haudegen Clint Eastwood (als Regisseur und Hauptdarsteller) verfilmt wurde. Seine Partnerin: Hollywood-Superstar Meryl Streep. Das Publikum strömte in Scharen; Preise regneten auf den Film und seine Macher. Das war 1995. Knapp 20 Jahre später kamen Marsha Norman (Buch) und Jason Robert Brown (Musik) auf die Idee, aus "The Bridges of Madison County" ein Musical zu machen. Das war schon nicht mehr so erfolgreich; es lief gerade einmal zwei Monate am Broadway - von Februar bis Mai 2014.

Und jetzt ist die vertonte Geschichte der Italienierin Francesca, die einem GI nach dem Krieg von Neapel (im Film und Roman war es Bari) in die amerikanische Provinz folgte, als deutsche Erstaufführung in Trier zu sehen. Ulrich Wiggers hat Regie geführt bei den "Brücken am Fluss" und sich bemüht, aus der Vorlage ein paar Funken zu schlagen. Leider haben nur wenige tatsächlich geblitzt. Kann man’s ihm verübeln - bei dem Material, das ihm zur Verfügung stand?

Aber der Reihe nach: Nach 20 Jahren Ehe mit dem gutmütigen, aber etwas tumben Bud im öden Iowa kreuzt der Fotograf Robert mit seinem Pick-Up in Francescas Leben auf und wirbelt dieses gehörig durcheinander. Da ihr Mann und die beiden Kinder übers Wochenende zu einer Landwirtschaftsausstellung gefahren sind, beginnt Francesca eine Wochenendaffäre mit dem Bildreporter, gerät in Versuchung, ihre solide Vergangenheit gegen eine ungewisse Zukunft zu tauschen - und entscheidet sich schließlich doch für ihre Familie.

Es bedarf schon sehr guter Darsteller, damit dieses - seien wir ehrlich - grauenvolle Schmalzgebäck nicht im Kitsch ersäuft. Tatsächlich trägt Carin Filipcic als entsagungsreiche Francesca den Abend mit Bravour, darstellerisch ebenso wie stimmlich, erhält - im viel stärkeren zweiten Teil des Abends - Gelegenheit zu anrührenden Szenen, in denen sie ihre Zerrissenheit sehr glaubhaft zu machen weiß.

Die Männer zu ihrer Seite haben es da schon schwerer: Norman Stehrs Bud ist reichlich holzschnittartig geraten, eher Klischee als Charakter, und Hans Neblungs Robert hat zwar den Charme eines "boy-next-door"-Typs aus dem glitzernden New York, aber was er singt (wobei er einige Probleme mit den Höhen hatte), dürfte jede erotische Stimmung im Keim ersticken: Die deutschen Texte sind erschreckend banal und ideenarm, bisweilen gar peinlich. Mit Wolfgang Adenberg war da wirklich kein Deutschmeister am Übersetzerwerk.

Auch Jason Robert Browns Musik plätschert weitgehend einfallslos durch die Handlung. Die zwei oder drei Songs mit einer Prise Hitpotenzial waren der fulminanten Conny Hain als Francescas komödiantisch blitzender Freundin Marge und der stimmgewaltigen Sidonie Smith als Roberts Ex-Frau Marian vorbehalten, die dafür zurecht stürmisch gefeiert wurden.

Komplettiert wurde das Ensemble von Christopher Ryans trocken-humorigem Charlie, Marges Ehemann, und Chadi Yakoub sowie Mariyama Ebel als ein wenig zu exaltiert pubertierende Kinder Michael und Carolyn.

Für die Kostüme im Stil der 1960er Jahre sowie der (leicht skurrilen) Cowboy-Einlagen zeichnet Noélie Verdier verantwortlich. Und der Oscar des Abends geht an Matthias Winklers Bühnenbild, für das er sich beim großen und großstädtischen Einsamkeitsmaler Edward Hopper wunderbare Anregungen geholt hat. Der Schlussapplaus, mit Dezibelspitzen für Carin Filipcic´´, verteilte sich gleichmäßig übers gesamte Ensemble.

Weitere Aufführungen: 21. März, 31. März, 8. April, 9. April, 19. April, 22. April, 23. April und 3. Mai, jeweils um 19.30 Uhr (außer am 9. April, 16 Uhr, und am 23. April, 18 Uhr). Karten gibt es an der Theaterkasse.