Trier | 12. Juni 2017 | Autor: Mechthild Schneiders

"Hier vermischen sich Literatur und Alltag"

Sie sehen anders aus, kommen woanders her, entsprechen nicht der Norm: Schon immer grenzt die Gesellschaft Menschen aus, diskriminiert sie.
Ein bekanntes Beispiel: die jüdische Königin Bérénice (auch Berenike, 28-79 v. Chr.), Urenkelin Herodes' des Großen. Sie verliebt sich in den Sohn des römischen Kaisers Vespasian, wird Titus' Geliebte. Doch als dieser den Thron besteigt, schickt er Bérénice aus Rom fort, weil sie Jüdin und dazu elf Jahre älter ist.



Ein antiker Stoff - und immer noch aktuell. Und daher Stoff für den Unterricht. Und so spielt die "Trierer Berenice" in einer Schulklasse. "Der Lehrer gibt seinen Schülern die Aufgabe, Bérénice, also Diskriminierung und Ausgrenzung, im Alltag zu finden", beschreibt Marc-Bernhard Gleißner, Leiter der Sparte 0.1 im Theater Trier, das Stück, das am Mittwoch, 14. Juni, Premiere im Studio feiert. Gar nicht so schwer, finden sie doch einen Geflüchteten (Mohamed Kushari), ein lesbisches Mädchen (Gianna Marchi) und eine 40-Jährige, die ihr Abi nachmachen will (Karin Strieker).

Als Grundlage dienen Berenice-Werke von Jean Racine und Edgar Allan Poe sowie die Oper von Georg Friedrich Händel (Sopranistin Frauke Burg singt Ausschnitte). "Wir haben die Texte aktualisiert und auf die Frage der Ausgrenzung weiterentwickelt", sagt Marie Boeffgen, die ihr Debüt als Regisseurin gibt. Gleißner: "Hier vermischen sich Literatur und Alltag."

Die "Trierer Berenice" entstand im Rahmen eines gleichnamigen Interreg-Projekts, einem Netzwerk kultureller und sozialer Akteure in der Großregion zur Bekämpfung von Diskriminierung.

Weitere Termine: Donnerstag, 29. und Freitag, 30. Juni, jeweils um 19.30 Uhr, auf der Studiobühne des Theaters Trier. Karten gibt es an der Theaterkasse oder unter Telefon 0651/718-1818.