Trier | 17. März 2017 | Autor: Lisa Bergmann

Krieg im Shoppingcenter - Theater in der Trier-Galerie

Das Theater kommt in die Trier-Galerie und führt in einem leerstehenden Ladenlokal das Stück "Ich lege meine Heimat nach Rojava" auf.
Trier Aus den Lautsprechern draußen plärrt blechern ein Pop-Song, Passanten eilen an dem Raum vorbei auf ihrem Weg zur nebenan gelegenen Drogerie. Was die wenigsten von ihnen sehen: Hier, in einem Ladenlokal, das ehemals eine Buchhandlung beherbergte, im Untergeschoss der Trier Galerie, wird jetzt Theater gemacht. Die Sparte 0.1 des Theaters bringt in Kooperation mit dem Kollektiv Futur II Konjunktiv das Stück "Ich lege meine Heimat nach Rojava" auf die Bühne. Rojava sind kurdische Siedlungsgebiete in Nordsyrien, dem Land, in dem seit 2011 ein Bürgerkrieg tobt und das die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu erobern versucht. Auch Deutsche gehen nach Rojava - sie kämpfen dort gemeinsam mit den Kurden gegen den IS oder helfen beim Aufbau der Region.

Unter ihnen sind auch Menschen aus Trier. Um diese Geschichten dreht sich das Schauspiel. Sie werden erzählt, dazu singt der Opernchor des Theaters. Ein kurdischer Kinderchor wird über eine Videoinstallation eingebunden.
Theater über den Bürgerkrieg - mitten in der City, im Einkaufszentrum: Für die Macher ist das kein Widerspruch. Denn schon die Recherche habe in ganz ähnlichen Kontexten stattgefunden: "Wir haben mit diesen Leuten an alltäglichen Orten gesprochen. Im Vereinsheim, im Café. Und da lief dann auch schon mal Popmusik im Hintergrund. Oder Studenten haben am Nebentisch gelacht", sagt Autor Matthias Naumann.

Für Marc-Bernhard Gleißner, Leiter der Sparte 0.1, hat der ungewöhnliche Spielort noch einen anderen Nebeneffekt: "Wir kommen hier mit Leuten ins Gespräch, die wir am Augustinerhof vielleicht nie erreicht hätten." Schon so mancher Einkäufer sei an den Infostand gekommen und war anschließend ganz verwundert darüber, dass auch Trierer nach Syrien gehen. Aus Sicht des Theaters hat die Bühne im Ladenlokal allerdings ganz pragmatische Vorteile. "Das ist eine Entlastung für das Haupthaus, vor allem auch weil das Walzwerk als Spielstätte nicht zur Verfügung steht", sagt Dominik Huß, Sprecher des Theaters. Entlastung auch in finanzieller Hinsicht: "Wir können nicht extrem in andere Spielstätten investieren", sagt Chefdisponent Marius Klein-Klute. Das Centermanagement der Trier-Galerie stellt den Raum mietfrei zur Verfügung.

Und sieht in der Galerie ohnehin mehr als nur ein Einkaufszentrum, erklärt Center-Manager Benno Skubsch: "Wir sind ein sozialer Treffpunkt." Neuerdings auch für Theaterfreunde.

Premiere am 24. März um 20 Uhr, weitere Termine am 25., 30. und 31. März sowie am 1., 27. und 28. April. Karten im Vorverkauf direkt vor Ort täglich von 14 bis 16.30 Uhr für 20, ermäßigt zehn Euro.