20. April 2017

Kunst - gestrichelt, umsonst und lebendig

Spontan", "impulsiv", "ziellos", "unwillkürlich", "bunt gemischt", "ungezügelt", "wunderlich" und "unmoralisch" - das alles kann das japanische Wort "man" bedeuten. Fügt man noch die Silbe "ga" (Bild) hinzu, erhält man die Bezeichnung für eine literarische Gattung, die lange Zeit als nicht ebensolche betrachtet wurde.
"Manga" bedeutet also nichts anderes als "Comics", und die galten einst nicht gerade als literarische Form. Doch das Naserümpfen hat nichts genützt; längst haben die gestrichelten Erzählungen Eingang in den bildungsbürgerlichen Kulturkanon gefunden.
Der Comic war das erste Bild-Massenmedium der Geschichte. Adressat war in erster Linie der erwachsene Zeitungsleser und erst dann Kinder und Jugendliche. Mit Künstlern wie Robert Crumb ("Fritz the Cat") oder Figuren wie Asterix gewann der Comic in den 1960er-Jahren auch zunehmend wieder ältere Leser. Im Zuge des kulturellen Wandels um 1968 avancierten sie zur "neunten Kunst", und mit der "Graphic Novel" gewannen die gezeichneten Geschichten auch literarisches Potenzial. Und der Manga - hier schließt sich der Kreis - hat sich längst als globales Phänomen etabliert - zu betrachten in der Ausstellung "Comics! Mangas! Graphic Novels!" in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn (7. Mai bis 10. September).
Wir gehen jetzt schon jede Wette ein, dass zu den Besuchern mehr Voll- als Minderjährige zählen werden. Damit das nicht so bleibt, zumindest in der Kunsthalle Bremen, haben Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren dort künftig freien Eintritt. Das Angebot gelte ab sofort, es solle Lust auf die Kultur machen und Schwellen abbauen, teilte das Museum mit. Ein Besuch sollte nicht daran scheitern, dass er für manche Familien eine finanzielle Herausforderung sei, sagte der Direktor der Kunsthalle, Christoph Grunenberg. Bis Ende 2017 fördert die Sparkasse Bremen das Angebot. Bleibt nur zu hoffen, dass die Förderung über diesen Zeitpunkt hinaus andauert. Da hat es vielleicht ja doch etwas Gutes, dass sich die Sparkassen demnächst auch jeden Handgriff, den der Kunde selber am Geldautomaten tätigt, bezahlen lassen. Denn was kann es Besseres geben, als mit der Gebührenerhöhung die Kunst zu finanzieren … ?
Selbst ist der Mann, auch und gerade, wenn er Künstler ist. Das hat sich wohl auch der Franzose Abraham Poincheval gesagt, der für einen Nachwuchs der besonderen Art tätig wurde. Na ja, so besonders ist der Nachwuchs, grundsätzlich betrachtet, eigentlich nicht; es geht um Hühner, die, wie schon seit eh und je, aus Eiern schlüpfen. Das Besondere allerdings ist, dass Monsieur Poincheval die Eier sozusagen eigenhändig ausbrütet (beziehungsweise mit einem anderen Körperteil). Dafür hat sich der Aktionskünstler in einen gläsernen Brutkasten zurückgezogen, in dem 37 Grad Celsius herrschen. Hier sitzt er auf einem Stuhl, in den eine Kuhle für die Eier eingelassen ist. Als der 44-Jährige merkte, dass da etwas an seiner Kehrseite piekte, musste er sich nur kurz erheben, um das Küken an die frische Luft zu lassen. Einziger Kritikpunkt an der Aktion: das Timing. Ostern war nämlich schon vorbei, als das gelbe Wollknäuel die Kalkschale durchbrach. Womit sich mal wieder der Spruch bewahrheitet hat: Wer zu spät kommt, den bestraft der Hase …
no/dpa
Unterm Strich - Die Kulturwoche