Schweich | 18. Juni 2017

Mit der Waffe des Wortes

Autorin Gila Lustiger wird mit dem Stefan-Andres- Literaturpreis geehrt.
Schweich (kha) Ihr Vorname Gila ist hebräisch und bedeutet so viel wie Freude. Ginge es nach Lustiger selbst, wäre ihr Wunsch-Vorname Neugierde, denn dies sei ihre hervorstechendste Eigenschaft.
Ein Eindruck, den die Redner und Laudatoren in der ehemaligen Synagoge Schweich im Rahmen der elften Verleihung des Stefan Andres Preises für Literatur deutscher Sprache nur bestätigen können.
Alle drei Jahre wird der mit 5000 Euro dotierte Preis an Autoren verliehen, die sich mit ihrem Wirken um den Geist und die Einheit Europas verdient machen, dabei in geistiger Verwandtschaft mit dem namensgebenden Schweicher Autor Stefan Andres stehen.
Für Stadtbürgermeister Lars Rieger ist diese Verwandtschaft offensichtlich. Sowohl die in Frankreich lebende Lustiger als auch der nach Italien emigrierte Andres kehrten Deutschland für eine gewisse Zeit den Rücken, legten aber mit ihren literarischen Werken bedächtig den Finger in gesellschaftliche Wunden. Lustiger, deren Leben und Familiengeschichte eng verwoben ist mit den Auswirkungen des Dritten Reiches, tut dies vor allem mit ihrem Roman "Die Schuld der anderen", in dem sie der Korruption, dem Rassismus und Antisemitismus sowie den alltäglichen Schwierigkeiten in Pariser Problemvierteln auf den Grund geht.
Die literarische Vorgehensweise und den Gedanken dahinter skizziert CDU-Politikerin Julia Klöckner in ihrer Laudatio: "Gila Lustiger trägt persönliche Erfahrungen und sorgfältig recherchierte Fakten wie in einer Versuchsanordnung zusammen, wandelt sensibel auf den Spuren des Hasses, weicht der Verantwortung von Kunst und Literatur nie aus und macht sich damit um die europäische Idee verdient".
Der Präsident der Stefan-Andres-Gesellschaft, Wolfgang Keil, begründet die Entscheidung vor allem damit, dass Lustiger ebenso wie Andres durch ihre Literatur dabei helfe, eine aus den Fugen geratene Welt wieder einzurenken. Dies tue sie ohne Wertungen oder Trennungslinien zwischen Freund und Feind, sondern indem sie alle in die Verantwortung ziehe.