Trier | 19. März 2017

Musik aus persönlicher Erfahrung

Exzellent und viel zu wenig beachtet: Das Anke-Helfrich-Trio in der Trierer Tufa
Trier (mö) Jazz hat es in Trier nicht immer leicht. Sogar der renommierte "Echo"-Preis von 2016 lockte jetzt wenig mehr als 60 Besucher zum Anke-Helfrich-Trio in die Trierer Tufa. So bedauerlich die geringe Besetzung für den Veranstalter gewesen sein mag - der Musik schadete sie nicht. Trotz Schlagzeug und Tonverstärkung kam rasch das Gefühl der Nähe auf - zwischen Anke Helfrich, ihrem Trio und dem Publikum.
Persönlich geprägt war das Programm ganz bestimmt. Da klingt bei Anke Helfrich, die zeitweise in Südafrika aufwuchs, im niederländischen Hilversum studierte und dann nach Amerika ging, eine Menge an Autobiografischem mit. Aber vielleicht macht gerade diese Bindung an eigenes Erleben ihre Kompositionen so vielfältig und ihren stilistischen Horizont so weit. Klar: Ein paar Schemata sind dabei. Zum Beispiel das verhaltene Klavier-Entree und danach das Klang- und Rhythmus-Tableau, bei dem die Formation regelmäßig aufdreht. Aber selbst solche durchschaubaren Abläufe geraten dem Trio erstaunlich reich und nuanciert.
Anke Helfrich bezieht eindeutig Distanz zu donnernder Virtuosität. Unter ihren Händen klingt der Flügel im großen Saal der Tufa erstaunlich leicht und transparent. Dieser filigrane Klavierstil entspricht genau den Feinheiten, von denen Helfrichs Kompositionen leben.
Wenn sich die Pianistin mit "Invictus" auf ihre südafrikanische Zeit besinnt und dabei an Nelson Mandela erinnert, dann wird die vorher impressionistisch fließende Harmonik einfacher und eindeutiger, der Rhythmus härter, der Tonfall insgesamt "afrikanischer". Und wenn sie in "The Prize" an Bürgerrechtler Martin Luther King erinnert, dann verbinden sich die eingespielten Tondokumente mit der luziden Eigenkomposition, als wären sie zeithistorische Kommentare zur Musik.
Helfrich und ihre Kollegen harmonieren perfekt. Martin Wind am Kontrabass ist nicht nur gut fürs präzise Klangfundament. Wenn er zum Streicherbogen greift, kommen von der Bühne raue und doch emotionsstarke Blues-Kantilenen. Und Jens Düppe am Schlagzeug ergeht sich nie in purer Laustärke. Er verbindet rhythmische Stabilität mit einer erstaunlich leichthändigen Brillanz - ein Glanzstück an künstlerischer Sensibilität.
Da blieben auch Jazz-typische Publikumsreaktionen fast vollständig aus. Kaum jemand wippte bei griffigen Rhythmen demonstrativ mit.
Die Besucher lauschten der Musik mit großer Konzentration. Und bekundeten schließlich verhalten und doch entschieden ihre Zustimmung zu diesem sensiblen Umgang mit Musik.
Aktuelle CD: Anke Helfrich Trio, "Dedication", Enja ENJ-9618. www.anke-helfrich.de