Trier | 14. März 2017 | Autor: Mechthild Schneiders

Musikalisches Mysterienspiel um Friedrich Spee

Trier Mit seiner "Cautio criminalis" hat sich Friedrich Spee (1591-1635) gegen die Praxis der Hexenprozesse ausgesprochen und damit zum Ende des Hexenwahns in Deutschland beigetragen. In Trier genießt der Jesuit und Kirchenlieddichter deshalb ein hohes Ansehen.
Und die Spee-Gesellschaft wünscht sich nichts sehnlicher als dessen Heiligsprechung. Doch dazu bedarf es eines Wunders. Was sich naturgemäß als schwierig erweist, ist Spee doch schon seit mehr als 380 Jahren tot. Doch während eines Gedenkabends passiert plötzlich das heiß erwünschte Mirakel, als eine Flüchtlingsfamilie am Grab auftaucht.
Das Szenario klingt realistisch, ist jedoch der Fantasie von Michael Höppner entsprungen. "Die Idee war es, ein Stück über Spee im Priesterseminar zu machen", sagt Höppner, der "Das Wunder von Trier - Das Leben und Wirken des Friedrich Spee" für das Theater Trier als Stationenspiel an Originalschauplätzen inszeniert. Startpunkt ist die Jesuitenkirche.
Doch das Stück ist keine historische Rekonstruktion, in dem Darsteller die Lebensstationen Spees nachspielen, wie es die erste Überlegung war. "Es ist eine Auseinandersetzung mit der Hexenverfolgung", sagt Höppner. "Wir wollen einen heutigen Zugriff auf das Thema. Uns haben die Fragen interessiert: Was sind Hexen in der barocken und heutigen Zeit, und wo gibt es Parallelen. Und was sind die Bedingungen in einer Gesellschaft, damit Hexen verfolgt werden?"
Hauptakteure sind Opernchor und Extra-Chor des Theaters Trier sowie Friedrich-Spee-Chor unter der Leitung von Angela Händel. Sie bilden, in eine Art Vereinstracht gekleidet (Kostüme und Bühne Günter Lemke), die Spee-Gemeinschaft. Der Kirchenmann ist dabei omnipräsent, zwar nicht in Person, aber als Projektion. Höppner hat für sein Stück Passagen aus Spees Werken verwendet und eigene Texte verfasst. "Die Chöre singen die Vertonung seiner Lieder", sagt Höppner. "Diese Kirchengesänge des 17. Jahrhunderts konfrontieren wir mit neuer Musik von Mauricio Kagel (1931-2008) und Bernd Alois Zimmermann (1918-1970)."
Barbara Ullmann übernimmt die Rolle des Großinquisitors. Für ihren Monolog hat Höppner Passagen aus Fjodor Dostojewskis Roman "Die Brüder Karamasow" verwendet, und Händel hat einige Passagen vertont - eine Uraufführung. In weiteren Rollen: Darin Hesse, Mohamed Kushari und Saleh Al-Mohamad als Flüchtlingsfamilie und Alexander Kotz (Archäologe).
Premiere: 17. März, 19.30 Uhr. Weitere Vorstellungen: 20., 21., 25. März, 2., 8. April, jeweils 19.30 Uhr.