Trier | 19. April 2017

Neue Schäden am alten Tor: Land rückt Porta zu Leibe

Früher als erwartet beginnt das Land damit, Triers Wahrzeichen Porta Nigra zu sanieren. Die 250 000 Euro teure Restaurierung ist der erste Schritt der Erneuerung aller römischen Unesco-Weltkulturerbe- stätten in Trier.
Trier (red) Schon in der kommenden Woche, direkt nach den Osterferien, soll es losgehen. Mit dem Aufstellen des Gerüsts läutet das Land den Baubeginn für die Restaurierung der Porta Nigra ein, wie der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (Landesbetrieb LBB) und die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) gestern bekanntgegeben haben. Besucher können das Denkmal dennoch weiter besichtigen.
Im Vorgriff auf die geplante Gesamtsanierung des zum Unesco-Weltkulturerbe zählenden römischen Stadttors werden die Arbeiten an der Westfassade vorgezogen, nachdem sich dort im vergangenen Herbst der Handlungsbedarf bestätigt habe, erläuterte LBB-Sprecherin Claudia Renner in einer Pressemitteilung. Schon bei der jährlichen Gesamtinspektion per Hubarbeitsbühne im Frühjahr 2016 seien an der Westfassade zahlreiche lose Zementmörtelstücke entfernt worden. Die aktualisierte Schadenskartierung habe dann ergeben, dass die Schäden an der Nordwestfassade des Westturms besonders ausgeprägt sind.
Ziel ist, die Verkehrssicherheit vor allem in dem viel frequentierten Bereich des Haupteingangs unter dem Westturm weiterhin sicherzustellen. Eingerüstet wird lediglich die Nordwestflanke der Porta zum Simeonstift hin, ohne die stadtauswärts gerichtete Rundung. Die Restaurierungsarbeiten beginnen Mitte Mai. Das Land investiert rund 250 000 Euro.
Ursprünglich war das Stadttor des römischen Trier aus dem 2. Jahrhundert ohne Verfugungen errichtet worden, die Sandsteinquader waren in den Horizontalschichten mit Eisenklammern aneinander befestigt. Die sich jetzt lösenden Verfugungen stammen aus Renovierungen vergangener Jahrzehnte. Darüber hinaus wurde gegenüber der vier Jahre zuvor durchgeführten Untersuchung eine fortschreitende Erosion an der Sandsteinoberfläche festgestellt.
Bei der Restaurierung werden unter anderem schadhafte Zementfugen ausgebaut und, wo erforderlich, mit Kalkmörtel neu verfugt. Die Steinoberfläche wird mit verschiedenen Methoden gereinigt, unter anderem mit Heißdampf-, Partikelstrahl- und Laserverfahren. Hauptsächlich sollen die schwarzen Krusten auf der Sandsteinoberfläche reduziert werden, jedoch so, dass der optische Eindruck erhalten bleibt, dem die Porta Nigra (Schwarzes Tor) ihren Namen verdankt.
Die schwarze Kruste ist übrigens schon im Mittelalter nachgewiesen und nicht nur Folge der neuzeitlichen Luftverschmutzung. Die dadurch entstandene Oberflächenverdichtung ist Ursache für viele Schadenprozesse am Sandstein: Abbrüche, Abplatzungen, Ausbrüche. An diesen Fehlstellen schreitet die Verwitterung besonders stark fort.
Zudem wird der Bewuchs aus Moosen und Flechten entfernt. Auch werden Natursteinarbeiten durchgeführt. Dabei werden lockere Teile befestigt und schadhafte Steine teilweise gegen passgenau bearbeitete Ersatzsteine - sogenannte Vierungen - ausgetauscht. "Es freut mich, dass der Landesbetrieb mit seiner Niederlassung in Trier dieses Projekt hochprofessionell unter Einbindung der fachlichen Gremien betreut und in bestem Einvernehmen mit uns agiert", sagt Thomas Metz, Generaldirektor Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz.
Das 30 Meter hohe Gerüst muss auf dem nur vier Meter breiten Streifen zwischen Simeonstift und Porta Nigra aufgebaut werden. Zudem darf es aus Denkmalschutzgründen weder an der Porta- oder Stift-Fassade noch an der zwischen Porta und Simeonstift erhalten gebliebenen historischen Stadtmauer angedübelt werden. Stattdessen sind Verankerungen mit Gegengewichten durch die Fensteröffnungen der Porta geplant. Die Restauratoren gelangen vom städtischen Grünstreifen an der Nordallee auf das Gerüst sowie mittels einer Gerüsttreppe über die Stadtmauer.
Der Durchgang zwischen Simeonstift und Porta-Westturm zum Haupteingang der Porta ist während der Auf- und Abbauphase des Gerüsts nicht möglich; erst wenn die Passage mit einem Schutzdach überbaut ist, kann der gewohnte Weg wieder geöffnet werden. Zwischenzeitlich wird auf der innerstädtischen Seite vor dem Ostturm mit Apsis ein provisorisches Kassenhäuschen aufgestellt, und die Besucher werden über den Eingang im Ostturm geführt. "Die Porta Nigra ist zu jeder Zeit sicher zugänglich - das ist uns wichtig", sagt Dr. Christoph Thein, Leiter der Trierer Niederlassung des Landesbetriebs LBB, der im Auftrag des Landes die Sanierung steuert. "Die Besucher müssen lediglich für die nächsten eineinhalb Jahre eine optische Einschränkung durch das an der Westseite aufgestellte Gerüst hinnehmen - da kommen wir leider nicht drum herum."
Extra: DIE RESTAURIERUNG DES WELTKULTURERBES

(red) Die Gesamtsanierung der Porta Nigra ist Bestandteil des Managementplans Bauen für die römischen Unesco-Welterbestätten in Trier. Bis Ende 2017 soll die Bedarfsplanung erfolgen und eine Bauunterlage über die erforderlichen Maßnahmen erstellt werden, die dann von 2020 an in mehreren Phasen umgesetzt werden könnten. Grundlage dafür bildet eine Bestands- und Schadensaufnahme für 1,2 Millionen Euro, die in den Jahren 2012 bis Ende 2015 erarbeitet wurde.