München | 19. April 2017 | Autor: Lisa Forster

Per Mausklick zum Erfolg

Auf der Online-Plattform LovelyBooks versammelt sich die größte deutsche Buchcommunity. Die Nutzerzahlen steigen.
München (dpa) "Also hoffentlich bis bald ... ;-)", schreibt Kate Dakota an ihre Leser. Dakota ist Schriftstellerin, und sie verlost auf der Online-Literaturplattform LovelyBooks.de ein paar Exemplare ihres neuen Romans "Für dich bis ans Ende der Welt". Die Bedingung: Leser und Leserinnen müssen eine Rezension verfassen und online mit Dakota über den Roman diskutieren.
Dakota braucht die Leser von LovelyBooks. Denn die Plattform versammelt die größte deutschsprachige Buchcommunity im Internet. Allein in den vergangenen drei Jahren ist die Nutzerzahl von 112 000 auf rund 1,5 Millionen gewachsen - Tendenz steigend, wie Pressesprecherin Tina Lurz sagt.
Auf LovelyBooks geht es jeden Tag zu wie auf einer großen Buchmesse. Leser tauschen sich untereinander und mit Autoren aus, nehmen an virtuellen Literatursalons oder Leserunden teil. Die Buchfans schätzen diesen direkten Kontakt, wie eine Nachfrage bei zwei der aktivsten Nutzerinnen ergibt. Mehrere Hundert Rezensionen haben sie in den vergangenen Jahren geschrieben, in ihrem virtuellen Buchregal sammeln sich Tausende Bücher.
Für die Verlage ist das Gold wert. Denn wie die Nutzer ihre Lektüren bewerten und welche Bücher sie auf Wunschlisten packen, ist öffentlich. Damit stellen sie den Verlagen umsonst bereit, was diese ansonsten durch Marktforschung herausfinden müssten. Dakotas neuer Roman erscheint nicht etwa in Eigenregie, sondern als E-Book im Ullstein-Verlag. Auch andere große Verlage schicken ihre Autoren zu LovelyBooks.
"Knallharte kommerzielle Interessen" stecken daher für Wolfgang Tischer, Buchhändler und Betreuer der Literaturseite "literaturcafe.de", hinter LovelyBooks. Doch verurteilen möchte er die Plattform dafür nicht. "LovelyBooks hat das Gespräch über Bücher ins Netz gebracht", sagt Tischer. Die Autorenlesungen, die die Plattform per Live-Stream überträgt, schauen sich nach Angaben von Lurz zwischen 300 und 5000 Nutzer an. Das sind Zahlen, von denen Literaturhäuser "nur träumen können", sagt der Verleger Rüdiger Salat. Als ehemaliger Geschäftsführer der Holtzbrinck-Verlagsgruppe war er am Aufbau der Tochterfirma LovelyBooks beteiligt. Doch die Genres, die auf LovelyBooks besonders beliebt sind - dazu zählen unter anderem Krimis, Liebesgeschichten und Historische Romane - werden von den klassischen Literaturhäusern ohnehin nicht bedient. "Die Diskussion über Bücher ist durch die Plattform öffentlicher und zugänglicher geworden", sagt Tischer.
Frage an eine Literaturveranstalterin der alten Schule: Britta Gansebohm führt seit 1995 einen öffentlichen Literatursalon in Berlin. Was hält sie vom Literaturboom im Internet? "Salons im Internet können nicht sinnlich sein", sagt sie.
Für Lesungen schmückt sie ihre Veranstaltungsräume mit Samtvorhängen, Blumen und Kronleuchtern. "In der realen Welt stehst du dem Menschen gegenüber, du kannst ihn riechen, du kannst mit ihm einen Rotwein trinken", sagt sie.
Doch für einen Plausch mit dem Lieblingsautor reicht bei LovelyBooks ein Mausklick. Dafür gibt es zwar keinen Rotwein, aber mit etwas Glück einen netten Eintrag ins Gästebuch.
Extra: ZAHLEN UND FAKTEN ZUM BUCHMARKT IN DEUTSCHLAND

(KNA) Deutschland ist ein Land der Leser. Als weltweit zweitgrößter Buchmarkt verfügt die Bundesrepublik über eine sehr vielfältige Struktur von Autoren, Verlagen und Buchhandlungen. Am Sonntag begeht die Branche bundesweit den Welttag des Buches. Die folgenden Daten zum Buchmarkt basieren weitgehend auf der aktuellen Statistik des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels für 2015. Wie hoch ist der Umsatz auf dem Buchmarkt? Der Umsatz ging 2015 um 1,4 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro zurück. Damit ist der Umsatz trotz großer Umbrüche und massiver Medienkonkurrenz seit zehn Jahren weitgehend stabil. Wo kaufen die Bundesbürger ihre Bücher? Der wegen des Internet schon totgesagte klassische Buchhandel hat sich in den vergangenen Jahren überraschend gut behauptet. 2015 gewann er einen Marktanteil von 48,2 Prozent; im Jahr zuvor waren es allerdings noch 49,2 Prozent. Zugleich sank der Umsatz der rund 6000 stationären Buchhandlungen von 4,58 Milliarden Euro auf 4,43 Milliarden. Einen deutlicheren Umsatzanstieg von sechs Prozent verzeichnete der Internethandel: Er erzielte einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro und damit einen Marktanteil von 17,4 Prozent. Weiter auf dem Rückzug war 2015 der klassische Versandbuchhandel. Wie entwickeln sich die E-Books? E-Books gewinnen kaum noch zusätzliche Nutzer hinzu. Die Anzahl der E-Book-Käufer blieb mit 3,9 Millionen Menschen auf demselben Niveau wie 2014. Im Jahr 2015 betrug der Anteil am Publikumsmarkt (ohne Schul- und Fachbücher) 4,5 Prozent, im Vorjahr waren es 4,3 Prozent. . Wie viele Bücher werden pro Jahr veröffentlicht? Die Titelproduktion (Erstauflagen) der Verlage stieg nach dem Tiefpunkt 2014 im Jahr 2015 wieder auf 76 547 Titel an (2014: 73 863 Titel). Wer kauft Bücher? Laut Allensbach-Umfrage haben 2014 rund 60 Prozent der Bundesbürger mindestens ein Buch gekauft. 43 Prozent erwarben drei und mehr Bücher, 26 Prozent deckten sich mit fünf und mehr Büchern ein. Der Prozentsatz der Intensivkäufer, die über 20 Bücher pro Jahr kaufen, lag bei fünf Prozent. Gibt es Unterschiede nach Alter und Geschlecht? 67 Prozent der Frauen, aber nur 53 Prozent der Männer kauften 2014 Bücher. Bei den Altersgruppen sind die 40- bis 49-Jährigen mit 64 Prozent die Buch-freundlichste Gruppe. Auch bei den 14- bis 19-Jährigen erklärten 59 Prozent, mindestens ein Buch gekauft zu haben. Wer ein Buch kauft, liest es noch nicht. Wie sieht das Nutzungsverhalten aus? Laut Börsenverein sinkt der Prozentsatz derer, die Bücher täglich oder mehrmals in der Woche lesen, quer durch alle Altersklassen. Nur bei den über 70-Jährigen liegt der Wert unverändert bei 42 Prozent. Am deutlichsten ist die Veränderung bis den 14- bis 19-Jährigen: Hier gehören nur noch 38 Prozent zu den Intensivnutzern.