Trier/Waldrach | 16. Juni 2017 | Autor: Andreas Feichtner

Sie ist Charlie, immer noch

Die Illustratorin Teresa Habild knöpft sich in Cartoons für Satirezeitschriften wie Eulenspiegel oder Charlie Hebdo den täglichen Irrsinn vor. Werke der Wahl-Triererin sind aktuell in Waldrach ausgestellt.
Trier/Waldrach Eine gigantische Zeltstadt, umgeben von Stacheldraht. Im Vordergrund: eine überdimensionale Werbetafel. "Dieses Flüchtlingslager wird ihnen präsentiert von: Jack Wolfskin - draußen zu Hause." Der aktuelle Cartoon stammt von Teresa Habild. Hintergrund ist, dass beim G-20-Afrikagipfel die Entwicklungshilfe privatisiert werden soll. Der Outdoor-Ausrüster wird’s vielleicht nicht so brüllkomisch finden. Aber ohne ein bisschen Satire ist die Gegenwart eben manchmal schwer zu ertragen.

Die in Trier lebende Illustratorin hat ein Faible für tagesaktuelle Cartoons, den Begriff benutzt sie lieber als "Karikatur", weil der etwas altbacken klinge. Auch, weil Cartoons eine besondere Herausforderung seien. "Man hat dabei die Möglichkeit, einen Sachverhalt in drastischer Verknappung oder Übertreibung sehr anschaulich auf den Punkt zu bringen. Und dabei auch noch zu unterhalten", sagt Teresa Habild, die sich auf der Suche nach guten Themen selbst als "News-Junkie" bezeichnet.

Zugleich sei das Zeichnen eine Art Therapie, wenn die Welt mal wieder etwas zu großzügig mit ihrem täglichen Irrsinn ist. Etwa, wenn Donald Trump sich von seinem kompletten Kabinett mal so richtig abfeiern lässt - und sich damit jeder Satire fast schon entzieht. "Das kann man eigentlich nicht besser erfinden."
Eine Message haben, sehr lustig sein - und nicht zu naheliegend: Das macht für die Diplom-Designerin einen perfekten Cartoon aus.

Derzeit finden sich zwei ihrer Werke in der aktuellen deutschen Ausgabe von Charlie Hebdo - das französische Magazin ist für seine bissige Satire berüchtigt. Auch wenn viele, die sich in den Wochen nach dem Anschlag auf die Redaktion im Januar 2015 solidarisierten ("Je suis Charlie"), wohl nie ein Heft in der Hand hatten.
Auch in der aktuellen Ausgabe der Satirezeitschrift Eulenspiegel ist die 37-Jährige mit einem Cartoon vertreten. Dabei ist Teresa Habild, die es vor drei Jahren der Liebe wegen von Frankfurt aus an die Mosel verschlagen hat ("Zeichnen kann ich ja überall"), keineswegs auf Satire festgelegt. Sie war an Kinderbüchern beteiligt, zeichnet Wimmelbilder, hat regionale Postkarten-Motive im Angebot. Über Jahre hatte Habild zudem in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ihre feste wöchentliche Rubrik. Auch wenn ihre "Wochenschau" nicht immer von jedem wertkonservativen Bildungsbürger goutiert wurde. Da habe es immer wieder mal bitterböse Leserbriefe gegeben, wenn etwa Roland Koch nicht ganz so vorteilhaft in einer Zeichnung wegkam.

Bei Charlie Hebdo und seinem oft eher wenig subtilen Humor hat Teresa Habild dagegen noch praktisch keine negativen Rückmeldungen bekommen: "Ich bin da noch nie angefeindet worden." Auch wenn es bei Charlie Hebdo Kollegen gebe, die lieber unter Pseudonym veröffentlichten.

Und wie hat sich die gebürtige Münchnerin inzwischen in Trier eingelebt? Stadt und Umgebung mag sie gern. Aber an die regionalen Kunstszene anzudocken, das sei doch schwerer als erwartet ("das ist teilweise recht hermetisch") - auch wenn sie mit dem Trierer Künstler Laas Köhler und dessen Kunstraum KM 9 gut zusammenarbeitet.
Noch bis Dienstag, 20. Juni, sind Werke von Teresa Habild in der VG-Verwaltung in Waldrach (Kreis Trier-Saarburg) ausgestellt.



Die Ausstellung "Bilder in Zeiten des Wahnsinns" mit Cartoons von Teresa Habild ist noch bis zum 20. Juni in der VG-Verwaltung Ruwer in Waldrach zu sehen. Weitere Infos: www.h-bild.de