Völklingen | 16. Juli 2017 | Autor: Andreas Feichtner

Volle Hütte

Das Electro-Magnetic-Festival im Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist ein Abenteuerspielplatz für Fans elektronischer Musik.
Völklingen So einen Superlativ muss man sich hart erarbeiten. Völklingen, die alte eiserne Lady an der Saar, hat vor fast einem Vierteljahrhundert mal einen Titel verpasst bekommen, der heute immer noch an ihr klebt: "Hässlichste Stadt Deutschlands". Glückwunsch, Völklingen! Das war 1993 das triumphale Ergebnis einer Umfrage von RTL. Vielleicht hatten sie repräsentativ sieben Dillinger und drei Homburger gefragt, man weiß es nicht. Ein Jahr später sah Völklingen immer noch nicht so aus wie Venedig im Frühling - aber die 40 000-Einwohner-Stadt stand nun auf einer Ebene mit den Angkor-Tempeln in Kambodscha, den Pyramiden von Gizeh oder dem Schloss Versailles: Die Völklinger Hütte schaffte es auf die Unesco-Welterbeliste - und das noch vor dem Kölner Dom.
Dieser prestigeträchtige Titel hat die Innenstadt zwar nicht aufgehübscht. Aber die Hütte - das gigantische Eisenwerk, das einst Reichtum und noch mehr Staub in die Stadt geblasen hatte - bringt gut 30 Jahre nach der Schließung viel Kultur und internationale Künstler an die Saar. Nicht nur zu Ausstellungen.
Seit fünf Jahren ist die Hütte als Festival-Standort etabliert. Am Samstag und Sonntagmorgen ging wieder das "Electro Magnetic" über die Bühnen, eins der größten Festivals für elektronische Musik in Deutschland. Am Tag zuvor gab’s schon an gleicher Stelle das Hip-Hop-Festival UrbanArt!
Dass das Electro Magnetic schon bei der Premiere zum besten neuen Festival gekürt wurde, liegt sicher nicht unwesentlich am Industriecharme-Ambiente, das man kaum in ähnlicher Form anderswo finden kann. Rund 10 000 Besucher kamen in diesem Jahr, um mit 40 Electro-, Techno- und House-DJs zu feiern - etwa mit Alle Farben, Lexy & K. Paul, Moonbootica und Chris Liebing. Schon die Namen der fünf Floors zeigen, dass der Bass durch reichlich Industriehistorie pumpt. Optisch macht die große Open-Air-Bühne am Erzplatz am meisten her: Mit Konfettikanonen, Pyroshow und im Takt leuchtenden Armbändern, die von einem Sponsor an die Festivalbesucher verteilt wurden. Viel Betrieb - aber ohne allzu großes Gedränge - gab es aber auch vor den Bühnen am Schrottgleis, der Handwerkergasse, dem Roheisenkanal und am Schrägaufzug - umgeben von Hochöfen und Winderhitzern, ein grandios illuminierter Abenteuer-Spielplatz für Techno-Fans.