Trier | 19. Mai 2017 | Autor: Eva-Maria Reuther

Wenn Tassen erzählen

Ein spektakuläres Geschenk erinnert an alte Trierer Zeiten.
Trier Über eine ganz außergewöhnliche Schenkung kann sich das Trierer Stadtmuseum Simeonstift freuen. Aus Privatbesitz erhielt das Haus dieser Tage ein fast vollständig erhaltenes Kaffeeservice, das aus der einstigen Trierer Porzellanmanufaktur stammt.
Das Geschenk ist umso kostbarer, da die Manufaktur nur wenige Jahre von 1809 bis 1821 bestand. Der Kontakt zur Stifterin kam zufällig durch eine Besucherin zustande, die im Rahmen der Nero-Ausstellung das Haus besuchte.
Spender wie Mittlerin wollen anonym bleiben. Angesichts der Seltenheit des Trierer Porzellans sei die Schenkung wie ein Sechser im Lotto, sagt Museumschefin Elisabeth Dühr. "Das Service mit seinen Trierer Motiven ist eine schöne Bereicherung für unsere Sammlung" ,freut sich Bernd Röder vom Museum, in dessen Zuständigkeit das Service fällt.
Ob das prachtvolle Porzellan mit kobaltblauem Fond je benutzt wurde, ist nicht bekannt. Schaden erlitt das Blau, womöglich als Kriegsfolge, durch das Endringen von Säure. Unklar ist auch, aus welchem Haushalt das Service ursprünglich stammt.
Die Trierer Porzellanmanufaktur wurde von dem deutschen Fabrikanten Joseph Deuster gegründet, der zuvor in Paris eine Manufaktur betrieben hatte. Untergebracht war sie im damals durch Napoleon säkularisierten Martinskloster. Der Betrieb stellte ausschließlich Kaffeeservice, Ziertassen und Vasen her. Etwa 150 000 Stück Porzellan produzierte das Unternehmen so pro Jahr, die exportiert bzw. über externe Außenlager in Leipzig und Hamburg vertrieben wurden. Als Nachfolger von Deuster setzte der Trierer Stadtrat Peter Marx ab 1816 die Produktion der Manufaktur fort. Wie auch das geschenkte Service zeigt, orientierte sich der Formenkatalog der Produktion am klassizistischen und biedermeierlichen Zeitgeschmack. Dekoriert wurde das Porzellan von fabrikeigenen Malern. Später kamen wohl auch sogenannte Hausmaler dazu, die als selbstständige Maler Dekorationsaufträge übernahmen. Zwei der bekanntesten sind Christoph Harwich und Johann Baptist Walrand.
Wie in anderen zeitgenössischen Porzellanmanufakturen gehörten Landschaften und mythologische Szenen zu den beliebten Motiven. Sehr gefragt war zudem das Veduten-Porzellan mit Stadtansichten oder der Darstellung von Gebäuden. So ist auch das geschenkte Trierer Service mit Ansichten der antiken Monumente dekoriert, wohl auch als Folge der aufkommenden Antiken-Leidenschaft.
Extra: SONNTAG IST INTERNATIONALER MUSEUMSTAG

(red) Beim Internationalen Museumstag an diesem Sonntag, 21. Mai, können Besucher des Städtischen Museums Simeonstift in Trier das gerade erhaltene Porzellan-Service anschauen. Eine anonyme Spenderin hat dem Städtischen Museum mit dem Porzellan-Service ein besonderes Geschenk gemacht. Es stammt aus der Zeit der Trierer Porzellanmanufaktur, die in den Jahren von 1809 bis 1821 in den Räumen des Trierer Martinsklosters an der Moselufer-Straße stand. Wer das Service sehen will, hat dazu an diesem Sonntag beim Internationalen Museumstag Gelegenheit. Dann öffnen zahlreiche Museen in der Region bei freiem Eintritt und bieten besonderes Programm. Unter anderen beteiligen sich in Trier das Rheinische Landesmuseum, das Museum am Dom, die Schatzkammer in der Stadtbibliothek, Museum Karl-Marx-Haus, in Wittlich die Städtische Galerie im Alten Rathaus und in der Casa Tony M., das Heimatmuseum in Manderscheid, das Hunsrücker Holzmuseum in Weiperath, das Eifel-Vulkanmuseum Daun, das Heimweberei-Museum Schalkenmehren, das Naturkundemuseum Gerolstein, das Freilichtmuseum Roscheider Hof in Konz und das Amüseum Saarburg. Die Museen gewähren Besuchern Einblicke in sonst nicht zugängliche Bereiche, bieten besondere Führungen oder Aktionen an, auch für Kinder und Jugendliche. Der Internationale Museumstag steht unter dem Motto "Spurensuche. Mut zur Verantwortung!" und läuft in ganz Deutschland. Schirmherrin ist in diesem Jahr Bundesratspräsidentin Malu Dreyer.