Luxemburg | 24. Februar 2017 | Autor: François Besch

Bauer sucht Kehrmaschine

Der etwas andere Gebrauchtwagenmarkt: Die Stadt Luxemburg trennt sich von ausrangierten Fahrzeugen.
Luxemburg (tgbl) Ein grauer Februarmorgen. Es nieselt. In einem Hof in der hauptstädtischen Rue de Bouillon begutachten einige Männer Traktoren, Mäher, Kehrmaschinen. Vor allem Letztere stehen derzeit offenbar hoch im Kurs. Die Stadt Luxemburg trennt sich von ausrangierten Fahrzeugen und Maschinen aus dem gemeindeeigenen Fuhrpark. Gegen Höchstgebot!
Aus dem Jahr 1977 stammt das älteste Angebot, ein Anhänger der Marke Boomenroehr. Doch der interessiert die wenigsten, die sich bei Schmuddelwetter eingefunden haben, um vielleicht ein Schnäppchen zu machen. Der Mitarbeiter eines Transportunternehmens begutachtet die Lieferwagen von Fiat, Piaggio und VW. Eine Dame scheint Interesse an einem Combi von Peugeot zu hegen. Die Auswahl ist groß. Insgesamt 30 Positionen stehen diesmal auf der Verkaufsliste: Gabelstapler, ein großer und ein kleiner Traktor von John Deere, Mähmaschinen, ja sogar ein stark verrostetes Streufahrzeug der Marke Unimog sind darunter. Wer’s größer mag: Selbst ein MAN-Gelenkbus ist vorhanden. Einziger Haken: Er fährt wegen eines Getriebeschadens derzeit nur noch rückwärts.
Großes Interesse besteht an den drei Kehrmaschinen. Landwirte aus Schouweiler und Niederanven betrachten sie genauer. Nur schauen ist erlaubt, selber ausprobieren geht nicht. Das hilft bei der Entscheidung nicht wirklich weiter. Wer sich dann doch noch festgelegt hat, schreibt sein Gebot auf ein Formular, das in einen verschlossenen Umschlag kommt. Tage später werden die Umschläge geöffnet. Dann fällt der Hammer!
Zurück zur begehrten Kehrmaschine: Sie stammt aus dem Jahr 2008 und hat etwas mehr als 74 000 Kilometer zurückgelegt, um die Straßen der Hauptstadt von Schmutz und Staub zu befreien. Die Bucher City Cat sehe eigentlich noch sehr gut aus, finden auch Bauer Claude Thiry und sein Sohn Rick. Die Zustandsangabe auf dem Zettel, den die Dienststelle ihnen ausgehändigt hat und auf dem man Infos über alle Verkaufsangebote findet, lautet lapidar "altersbedingt". Thiry weiß die Vorzüge einer Kehrmaschine fürs landwirtschaftliche Anwesen zu schätzen. "Ich habe schon einmal eine über eBay ersteigert", erklärt er. Die habe er aber dann im Ruhrpott abholen müssen. Und sie sei auch einige Jahre gelaufen, bevor sie den Geist aufgegeben habe.
Der sympathische Landwirt möchte nun die Gelegenheit ergreifen und sich hier eine "neue alte" zulegen. "Die Entscheidung fällt schwer", betont er, vor allem, weil es drei Stück sind, die zum Verkauf stehen. "Und man sieht ja nicht, ob jemand anderes ebenfalls bietet. Dadurch geht man das Risiko ein, plötzlich im Besitz zweier Kehrmaschinen zu sein, wenn man für zwei ein Angebot macht ..."
Der Autor ist Redakteur

beim Luxemburger Tageblatt.
WILLKOMMENER ERLöS FüR DIE GEMEINDEKASSE

Extra
(tgbl) Im Schnitt 275 000 Euro pro Veranstaltung haben zwischen 2007 und 2016 Verkaufsaktionen wie die jetzige in die hauptstädtische Gemeindekasse gespült. Es gab Jahre, in denen nur 120 000 Euro zusammenkamen, in anderen aber bis zu 750 000, je nachdem, wie viele Maschinen im Angebot waren.