Trier | 07. April 2017

"Dialekt spricht das Gemüt an"

Warum der Eifeler Theologie-Professor Andreas Heinz gern auf Platt predigt. Drei Fragen, drei Antworten.
Trier Sie sind ein Priester mit Eifeler Wurzeln und predigen auch schon mal auf Platt. Warum?
Heinz: In Luxemburg predigt nicht nur jeder Pastor auf Luxemburgisch, sondern auch der Erzbischof. Wenn ich auf Platt gepredigt habe, waren es die Leute, die mich darum gebeten hatten. Unsere Eifelsprache ist bildhaft, konkret und direkt. Da redet man nicht zu hoch und über Köpfe hinweg. Das geht zu Herzen und berührt einen mehr als das kühle, glatte Hochdeutsch. Da wird das Gemüt stärker angesprochen, nicht bloß der Verstand.
Tragen Dialektsprecher eher die Seele auf der Zunge?

Heinz: Die Mundart gibt Halt und stiftet Identität. Es gibt viele Eifeler, die hoch aufgestiegen sind, und ihre Heimatsprache nicht verlernt haben. Man liebt sie und hält sie hoch, weil mit ihr Erfahrungs- und Gemütwerte verbunden sind, die man nicht missen möchte. Besonders, wenn man weit weg von daheim ist, spürt man das. Vieles in meinem Buch "Dahem" ist fern der Heimat entstanden - in Rom, in Ephesus, auf Sizilien.
Inwiefern sehen Sie das Eifeler Platt in Gefahr?
Heinz: Wenn Kinder die Sprache der Heimat nicht mehr lernen, verlieren sie mehr als sie gewinnen. Dialekte sind ein Jungbrunnen für den Ausdrucksreichtum der Schriftsprache. Sie hindern niemanden am Vorankommen. Im Gegenteil. Man kann Eltern nur raten: "Schwätzt Platt mat äre Kanner!"
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