31. März 2017

Géi mer aus der Sonn!

In den vergangenen Tagen hat sie unser Gemüt beglückt, d’Sonn (die Sonne). Wollen wir ihr also mit dem heutigen Lexikonteil ein kleines Denkmal setzen, um sie zu animieren, uns auch übers Wochenende treu zu sein.
Im Luxemburgischen stécht, dréckt oder brennt d’Sonn (sticht, drückt, brennt die Sonne).
Sie geet op an ënner, sie geht auf und unter.
Beim Scheinen gibt’s durchaus Unterschiede und Nuancen, so schéngt (scheint) sie nicht nur ungetrübt, sondern auch mal blatzeg, oder sie kënnt nët duurch - den Niwwel oder d’Wollécken. Sie scheint also bewölkt oder kommt erst gar nicht durch den Nebel oder die Wolken durch. Sie schilzt duurch den Niwwel, sie lugt also durch den Nebel.
Kann sie ungetrübt scheinen, brennt d’Sonn engem an d’Akaul oder brennt engem d’Ongeziwwer (etwa d’Lais um Kapp) dout. Die Sonne brennt in den Augenhöhlen oder brennt einem das Ungeziefer (die Läuse auf dem Kopf) tot.
Gibt’s kleinere Wetterveränderungen, dréckt d’Sonn e Wieder eraus, gibt’s also ein Gewitter oder d’Sonn setzt Stäipen, es gibt demnach Anzeichen von Regen.
Ist es schon recht warm, heißt’s:
D’Sonn wiermt ewell.
Die Sonne wärmt jetzt schon.
Ist sie noch nicht kräftig genug:
D’Sonn schéngt op de kale
Steen.

(auf den kalten Stein).

Etwas frech, aber mal wieder ein typisches Beispiel im Luxemburgischen, eine Unverschämtheit hübsch zu verpacken, ist:
Géi mer aus der Sonn!
Wörtlich: Geh aus der Sonne!
Übertragen: Verschwinde!

Weitere Beispiele:
Dat as dee gréisste Ligener deen
ënner der Sonn as.

Das ist der größte Lügner unter
der Sonne.
Deen as nët wäert, datt d’Sonn
op e schéngt.

Er ist es nicht wert, dass die
Sonne auf ihn scheint.
Sabine Schwadorf
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Kolumne Lexikon