Luxemburg | 19. Mai 2017 | Autor: Stefan Osorio-König, Christian Muller, Tageblatt

Das Vermögen steigt, die Armut auch

Zwei Drittel der Menschen im Großherzogtum leben in den eigenen vier Wänden. Und im Schnitt besitzen die Luxemburger Haushalte 132 400 Euro Finanzvermögen - wohlgemerkt im Schnitt.
In Luxemburg besitzt jeder Haushalt im Durchschnitt ein Vermögen von 865 700 Euro. Dazu gehören Immobilien wie auch andere Geldanlagen. Doch die Abweichungen nach oben und nach unten sind enorm. So bleibt das Armutsrisiko mit über 15 Prozent weiterhin hoch. Gleichzeitig steigt aber auch die Zahl der Millionäre in Luxemburg. Deren Zahl wird auf 34 100 geschätzt - ein Anstieg um 42 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Das geht aus dem neuesten "Wealth Report" der unabhängigen Immobilienberater von Frank Knight hervor, den das Luxemburger Tageblatt ausgewertet hat. 86 Personen besitzen sogar mehr als 100 Millionen Euro.

Eine Untersuchung der Luxemburger Zentralbank (BCL) in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Liser ergab, dass 88,0 Prozent der Haushalte im Großherzogtum ein eigenes Auto besitzen und 67,6 Prozent im Eigenheim wohnen. Außerdem besitzen noch weitere 26,3 Prozent der Haushalte andere Immobilien. Der Wert des nicht-finanziellen Vermögens beträgt der Studie zufolge im Schnitt pro Haushalt 733 300 Euro. Das Gros davon entfällt mit 91,5 Prozent auf den Immobilienbesitz, während sich die restlichen 8,5 Prozent auf andere Wertgegenstände wie Privatfahrzeuge verteilen.

Der Besitz von finanziellen Aktiva wie Spareinlagen, Lebensversicherungen, Investmentfonds oder Aktien macht rund 132 400 oder 15,3 Prozent des Gesamtvermögens der Haushalte aus. Davon entfällt mit 46,3 Prozent fast die Hälfte auf Bareinlagen, während Lebensversicherungen 17,6 Prozent ausmachen. Und 96,7 Prozent der Haushalte in Luxemburg besitzen ein Sparbuch.

Bei der vorherigen Studie aus dem Jahr 2010 hatte das Finanzvermögen der Haushalte noch 88 400 Euro betragen. Der Anstieg um seither 44 000 Euro ist vor allem auf eine Steigerung bei den Spareinlagen zurückzuführen, die sich auf 60 000 Euro erhöht haben. Allerdings besitzen nur noch 14,6 Prozent der Haushalte im Großherzogtum Investmentfonds, im Jahr 2010 waren es noch 19,0 Prozent gewesen. Auch bei den Staats- und Unternehmensanleihen verzeichnete die Studie einen Rückgang von 4,4 auf 2,6 Prozent.

Allerdings haben diejenigen Haushalte, die im Besitz von Investmentfonds oder Aktien waren, deutlich von den boomenden Börsen der vergangenen Jahre profitiert. Zudem sei eine Umorientierung weg von den riskanteren Aktiva hin zu sichereren Instrumenten zu beobachten gewesen, schreibt die BCL. Knapp über die Hälfte der Haushalte in Luxemburg hat Schulden, der Großteil davon entfällt auf Hypotheken. So haben 35,2 Prozent einen Immobilienkredit, 33,9 Prozent bedienen andere Arten von Krediten. Allerdings lagen die Volumina der Baukredite mit 251 900 Euro klar über dem anderer Kreditarten.

Gleichzeitig ist das Armutsrisiko in Luxemburg in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gestiegen. Waren es 2004 noch 12,7 Prozent der Haushalte, die von Armut bedroht waren, stieg die Anzahl 2014 schon auf 16,4 Prozent. 2015 ist das Armutsrisiko dann auf 15,3 Prozent zurückgegangen. Zwei Prozent der Menschen im Großherzogtum litten 2015 sogar an "schweren materiellen Entbehrungen", schreibt das Luxemburger Statistikinstitut Statec.

Der Autor ist Redakteur beim Luxemburger Tageblatt.
Extra: IMMER MEHR MILLIONÄRE IM GROßHERZOGTUM

Die Zahl der Millionäre, der Multi- Millionäre und der Milliardäre legt in Luxemburg immer weiter zu. Das zumindest zeigen die Ergebnisse aus dem diesjährigen "Wealth Report" von Frank Knight. So wird die Zahl der "einfachen" Millionäre mittlerweile auf 34 100 Personen geschätzt. Vor zehn Jahren lag diese Zahl erst bei 24 000 Personen. Ebenfalls stark zugelegt hat die Zahl der Personen, die mehr als 100 Millionen Euro besitzen. Laut dem Bericht handelt es sich um 86 Personen - 25 mehr als vor zehn Jahren. Zum Vergleich: In Belgien wird die Zahl der "einfachen" Millionäre auf 104 700 geschätzt, die der Personen, die mehr als 100 Millionen Euro besitzen, soll dort bei 70 liegen. Christian Muller, Tageblatt