Luxemburg | 30. Juni 2017 | Autor: Christian Muller

Droht im Großherzogtum eine Immobilien-Blase?

Luxemburgisches Unternehmen Nexvia meint: Nein, die Preise haben vielmehr noch Spielraum nach oben.
Luxemburg Sind Immobilien in Luxemburg zu teuer? Gibt es eine Preisblase? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Pierre Clément, Gründer der im Großherzogtum beheimateten Gesellschaft Nexvia. Und er kommt zu überraschenden Antworten, wie das Luxemburger Tageblatt unter Berufung auf die Banque Internationale à Luxembourg (BIL) berichtet.
Cléments Schussfolgerung lautet: "Es ist berechtigt zu behaupten, dass es die starken Preissteigerungen für viele Haushalte schwieriger machen, Besitzer zu werden." Es sei aber falsch zu behaupten, Immobilien in Luxemburg seien im internationalen Vergleich zu teuer.

Clément ist der Überzeugung, dass die Immobilienpreise in Luxemburg noch Spielraum haben, um weiter steigen zu können. Dies erklärt der Gründer von Nexvia - ein junges Luxemburger Unternehmen im Immobilienbereich - unter anderem mit Preisdifferenzen zwischen Luxemburg und anderen europäischen Hauptstädten. So müsse ein Käufer in Luxemburg heute 6416 Euro für einen Quadratmeter Wohnung auf den Tisch legen - in Paris seien es jedoch 8340 Euro, in Genf 8861 und in London oftmals über 10 000 Euro pro Quadratmeter Wohnung.

Zudem führt der Immobilienexperte für seine Prognose demografische Gründe an. Die gute wirtschaftliche Lage ziehe immer mehr Menschen ins Land. Allein seit 2010 sei die Bevölkerung um zehn Prozent gewachsen. "Und laut allen Vorhersagen wird sie noch weiter zulegen." Dabei gebe es bereits heute einen jährlichen Mangel an 2500 Wohnungen in Luxemburg. Und da die Nachfrage höher sei als das Angebot, müssten die Preise weiter steigen.

Zudem führt Clément die gute wirtschaftliche Lage als Argument an. Während die Wirtschaftsleistung in Europa seit 2006 um sechs Prozent geswachsen ist, hat sie im gleichen Zeitraum in Luxemburg um 17 Prozent zugelegt. Clément: "Die bereits hohen Gehälter, gekoppelt mit dem Wachstum, stärken die Kaufkraft der Kunden."
Und auch die Steuern auf Immobilien spielen dem Unternehmensgründer zufolge eine Rolle. Für eine Wohnung, für die der Besitzer in Frankreich Steuern in Höhe von 3000 Euro pro Jahr zahlen müsse, fielen in Luxemburg gerade mal 150 Euro Steuern im Jahr an. Zudem spiele der "Bëllegen Akt" (eine Steuergutschrift auf die notarielle Beurkundung) eine Rolle. Ein Käufer, dem diese Gutschrift zustehe, müsse in Luxemburg bei einem Nettokaufpreis von 500 000 Euro gerade mal 1750 Euro an die Behörden zahlen - in Paris seien es 36 000 Euro, die zum Kaufpreis hinzukämen, in Brüssel sogar 45 000 Euro. Nach den hohen Preissteigerungen in Luxemburg sei es berechtigt, die Stabilität des Immobilienmarktes zu hinterfragen, schlussfolgert Pierre Clément. Dass dem Markt die Luft ausgehen könne, sei immer möglich - wegen der genannten Argumente jedoch ziemlich unwahrscheinlich.

Der Autor ist Redakteur
beim Luxemburger Tageblatt.