Luxemburg | 05. Mai 2017 | Autor: Sabine Schwadorf

Luxemburger Bankensektor: Mehr Profite, mehr Kosten

Luxemburgs Bankensektor muss mehr zahlen - für Stabilität und Sicherheit am Finanzplatz. Doch höhere Kosten werden durch ein Plus bei den Gewinnen aufgefangen.
Luxemburg Die Gewinne im Luxemburger Bankensektor sprudeln wieder kräftig, im vergangenen Jahr vor Rückstellungen immerhin um 1,5 Prozent. Nimmt man die Einmaleffekte des Verkaufs von Beteiligungen einer Bank hinzu, stiegen sie gar um 14,9 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro im Vergleich zu 2015. Insgesamt ist die Gewinnmarge um 5,3 Prozent gewachsen.

Folglich sind die Oberen der Bankenvereinigung ABBL auch entsprechend "zufrieden" mit der Entwicklung des Finanzplatzes. Denn auch die Einlagen von Privatkunden und Unternehmen sind 2016 gestiegen, ebenso die Zahl der Kredite, vor allem die der Immobilienkredite. "Das System ist wieder absolut stabil", freut sich demnach Yves Maas, Präsident der ABBL.

Auffällig ist allerdings, dass nationale wie internationale Regeln die Kosten der Banken auch in Luxemburg steigen lassen. Das Plus von 2,4 Prozent oder 458 Millionen Euro allein in diesem jahr für einen Luxemburger Einlagensicherungsfonds und einen Abwicklungsfonds beziehen sich auf "einen wachsenden Druck auf die Banken", bestätigt der Vorstandsvorsitzende Serge de Cillia. Dies habe dazu geführt, dass viele Banken ihre Kompetenzen gebündelt, das Filialnetz ausgedünnt und die Strukturen vereinfacht haben. Folglich sind im Luxemburger Bankensektor seit 2008 insgesamt 1207 Arbeitsplätze verloren gegangen.

Andererseits werden die Anforderungen an Bankmitarbeiter immer spezieller. Aufgrund der zunehmenden Regulierung sind Fachleute gefragt. Aktuell arbeiten bereits 3300 Bankenmitarbeiter und damit etwa 13 Prozent aller Beschäftigten des Finanzplatzes an der Umsetzung und Einhaltung neu eingeführter Regeln, dem sogenannten Compliance.

Was die ABBL daran stört? Die Gewinnentwicklung orientiere sich nicht mehr nach dem Geschäftserfolg, sondern nach den Kosten für Stabilität der Branche. De Cillia kritisiert: Die Kosten fielen mit Sicherheit an, während die Einnahmen zunehmend ungewiss würden.
Extra: DIE ZAHL DER BESCHÄFTIGTEN

im Luxemburger Finanz- und Versicherungssektor lag Ende 2016 bei 46 664. Diese Zahl ist seit der Finanzkrise Ende 2009 wieder stetig steigend.