28. April 2017

Maidéier fléich

Mit der kommenden Woche beginnt einer der sagenumwobendsten und ritualbestücktesten Monate des Jahres: der Mai, lëtzebuergesch oder Mee im Norden und Osten. Doch Vorsicht: oder mee bedeutet auch aber.
Beispiel:
Dat as richteg, mä …

Das ist richtig, aber…
Zum Monat Mai gibt’s natürlich zahlreiche Redensarten wie:
’T as Wieder wéi am Mee.
Es ist Wetter wie im Mai, also mildes Frühjahrswetter.
Auch in Luxemburg ist der erste Mai ein gesetzlicher Feiertag, und zwar seit 1946. Traditionell rufen die Gewerkschaften an diesem Tag zur Kundgebung auf, in diesem Jahr unter dem Motto "Fest der Arbeit und der Kulturen in Neimënster" in der Abtei Neumünster in Luxemburg-Stadt. Ein buntes Programm von Kulturaktivitäten aller Art von Ausstellungen bis Performances, von Musik bis Film, von Experimenten bis Mitmachwerkstätten für Arbeitnehmer und ihre Familien wird dort geboten.
Rund um den Begriff Mee gibt es im Luxemburgischen viel weiteres Vokabular. Etwa:
Mäbam
Maibaum
Mäkraider
Maikräuter, speziell
Mäkraitchen
für Waldmeister
Mäbich
Hainbuche
Mäbol oder Mäwäin
Maibowle

Mäméck
Libelle
Beispiel: ’T si nach keng
Mädeeg.
Es ist noch kühl.
Mänuecht
laue Frühlingsnacht, auch übertragen für Hochzeitsnacht
Märéischen/Märous
Maiglöckchen
Achtung: Wer Sie Mäkallef nennt, meint es wenig nett mit Ihnen, das Wort heißt so viel wie Dummkopf.
Eine Reihe Ausdrücke gibt’s für den Maikäfer: Von Mäbësserchen über Mäfréisser, Mägisschen und Mäkiewer sowie Mäkirwelek bis hin zu Mäkriwweler oder Mädéier sammeln sich die Ausdrücke. Analog zum Hochdeutschen gibt’s das alte Kinderlied:
Maidéier fléich
däi Papp, deen as am Kréich
dein Mamm, déi as an Engelland
Maidéier fléich

Oder:
Maidéier fléich
dein Mutter as am Kréich
däi Vater as an Engelland
wann e kënnt, dann as e krank
Maidéier fléich

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