Sanem | 07. Juli 2017 | Autor: Maxime Weber

U-Haft am Uerschterhaff

Das luxemburgische Gefängnis in Schrassig ist immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Eine neue, moderne Strafvollzugsanstalt in der Gemeinde Sanem soll 2022 Entlastung bringen.
Sanem Inmitten idyllischer Wiesen und Wälder soll in der Gemeinde Sanem im äußersten Südwesten des Großherzogtums im Jahr 2022 das neue Centre pénitentiaire d’Uerschterhaff (CPU) in Betrieb gehen. Vor wenigen Tagen ist der erste Spatenstich für den Bau der neuen Strafvollzugsanstalt erfolgt. Ausgeführt wurde der symbolische Akt auf der Baustelle in der Nähe des Landstrichs Uerschterhaff. Außer einem weitläufigen Streifen ockerfarbener Erde und emsig umhereilenden Baggern gibt es dort noch nicht besonders viel zu sehen. In den kommenden Jahren wird sich das aber ändern.
Auf insgesamt 8,6 Hektar Fläche, die von einer sechs Meter hohen Mauer umschlossen sein wird, soll dort nämlich die neue Justizvollzugsanstalt CPU entstehen. In deren vier ringförmig angeordneten Unterkunftsgebäuden sollen rund 400 Untersuchungshäftlinge Platz finden, in drei verschiedenen Zelltypen von elf bis 18 Quadratmetern. François Bausch, luxemburgischer Minister für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur, bezeichnete den Spatenstich als "wichtigen Moment für ein wichtiges Projekt", das nicht einfach zu realisieren gewesen sei - vor allem wegen der aufwendigen Sicherheitsbedingungen. Wegen all dieser Vorgaben werde das fertige Gebäude auch kein "architektonisches Wunderwerk" darstellen, so Bausch. Trotzdem seien Qualität und Standards des Baus, insbesondere im Hinblick auf die Energieeffizienz, "sehr hoch". In seiner Rede bedankte Bausch sich auch bei den Sanemern. Es sei nicht "selbstverständlich", dass eine Gemeinde sich dazu bereiterkläre, auf ihrem Grundstück eine Strafvollzugsanstalt errichten zu lassen.
Justizminister Felix Braz ging auf die Gründe für die Errichtung des CPU ein. So sei Luxemburg in der Vergangenheit immer wieder dafür kritisiert worden, Untersuchungshäftlinge und bereits verurteilte Straftäter in ein und demselben Gefängnis in Schrassig unterzubringen. Es sei aber "internationaler Standard", diese beiden Gruppen voneinander zu trennen, so Braz. Das Gefängnis in Schrassig sei dadurch schon seit Jahren überbelegt. So könnten bestimmte Programme, die die Häftlinge etwa auf die Zeit nach ihrer Entlassung und auf ihre Reintegration in die Gesellschaft vorbereiten sollen, nicht entwickelt werden. Das CPU soll diese Probleme beheben, wenn alle U-Häftlinge aus Schrassig in die neue Anstalt verlegt sein werden. Die U-Häftlinge machen momentan ungefähr die Hälfte aller Gefängnisinsassen in Luxemburg aus.

Die Autorin ist Mitarbeiterin
des Luxemburger Tageblatts.