Speicher/Gillenfeld/TRIER | 17. Mai 2017

Gemeinden l(i)ebenswert machen

An neun Standorten im Bistum Trier sind neue lokale Projekte oder kleine Netzwerke entstanden. Als entscheidende Gestalter fungieren dabei die Menschen vor Ort.
Speicher/Gillenfeld/TRIER (red) Ein Seniorencafé und ein Begegnungsprogramm mit Kindern und alten Menschen sind in Trier-Kürenz entstanden. In Gillenfeld (Landkreis Vulkaneifel) gibt es eine neue Wohngenossenschaft. In Speicher (Eifelkreis Bitburg-Prüm) bringt ein "Rufbus" einmal wöchentlich ältere Menschen zum Bahnhof. Dies sind Beispiele für das Projekt "Sozialraumorientierte Netzwerke für das Alter im Bistum Trier - Leben und Älterwerden in meiner Gemeinde", kurz Sona. Diözesan-Caritasdirektorin Birgit Kugel bezeichnete Sona bei der Abschlussveranstaltung im Robert-Schuman-Haus in Trier als grundlegendes Projekt, das neue Ressourcen erschlossen und einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung des demografischen Wandels geleistet habe.
In den Teil-Projekten von Sona hatten die örtlichen Caritasverbände die Aufgabe übernommen, Motor und Initiator von neuen Entwicklungen zu sein. Dabei war es ein Ziel, Bürger zur Mitgestaltung ihres Lebensumfeldes zu gewinnen.
In Trier entstand die Initiative "L(i)ebenswertes Kürenz". Wie Projektleiterin Stephanie Neukirch-Meyer vom Caritasverband erläutert, geht es darum, die Generationen zusammen zu bringen und so das Leben im Stadtteil gemeinsam zu gestalten. Das Seniorencafé ist ein Baustein. Außerdem wurde zusammen mit dem Demenz-Zentrum Trier das Projekt "Kidzeln" ins Leben gerufen: Vorschulkinder aus der Kita St. Bonifatius beschäftigten sich mit dem Thema Demenz. Sie besuchten Demenzkranke, die sich über den Besuch der Kinder freuten.
In der Verbandsgemeinde Speicher legte Ursula Berrens vom Caritasverband den Schwerpunkt auf neue Mobilitäts-Angebote für ältere Bürger. Dort wurden sogenannte Mitfahrerbänke aufgestellt. Bürger luden auf ihre Sitzbänke ein, Motto: "Ausruhbank - Bitte nehmen Sie Platz". Die Idee: Sieben ehrenamtliche Fahrer bringen nicht mobile Senioren in der Verbandsgemeinde Speicher einmal in der Woche zum dortigen Bahnhof, damit sie zum Beispiel etwas in Trier erledigen können.
In Gillenfeld entsteht zurzeit im Rahmen des Sona-Projektes und des Wege-Prozesses der Verbandsgemeinde Daun der Florinshof, ein genossenschaftliches Wohnprojekt mit 13 Wohnungen. "Wir gestalten damit die Idee der sorgenden Gemeinschaft mit", erklärt Caritasmitarbeiter Andreas Rötering. Die Idee dazu kam aus den Reihen der Bürger, die Caritas leistet fachliche Unterstützung. Durch die Genossenschaft wird es älteren Menschen ermöglicht, in ihrer Heimat zu bleiben und sich weiter als Gillenfelder zu fühlen. Hintergrund für das dreijährige Sona-Projekt, welches der Diözesan-Caritasverband und die Caritasverbände vor Ort mit insgesamt 750 000 Euro förderten, sind die wachsende Bedeutung und die Chancen der Sozialraumorientierung. Projektleiterin Hildegard Eynöthen: "Es geht darum, Menschen als Experten für ihr Lebensumfeld in neue Entwicklungen einzubeziehen." Caritasverbände, Pfarrgemeinden und Kommunen arbeiten dabei zusammen, um gemeinsam mit den Bürgern neue Wege des Wohnens und Lebens im Alter zu finden. Diese Perspektive auf das direkte Umfeld der Menschen ist auch eng mit den Ergebnissen der Synode des Bistums Trier verbunden.
Was dies vor dem Hintergrund der künftigen Pfarreien bedeutet, erläuterte Rita Schneider-Zuche, Leiterin des Bereiches Caritasprofil und Entwicklung im Diözesan-Caritasverband: "Wir fühlen uns herausgefordert, als Verband stärker im Zusammenspiel mit Bürgern vor Ort Themen aufzugreifen, am gemeindlichen Leben mitzuwirken."
Wie wichtig die Zusammenarbeit verschiedener Akteure ist, zeigte eine Gesprächsrunde. Daran nahmen teil: Diözesan-Caritasdirektorin Birgit Kugel, Martina Stabel-Franz (Leiterin der Abteilung Sozialpolitik, Inklusion, Demografie im saarländischen Sozialministerium), Bernhard Scholten (Leiter der Abteilung Soziales und Demografie im rheinland-pfälzischen Sozialministerium), Werner Klöckner (Bürgermeister der Verbandsgemeinde Daun), Clemens Kiefer (Dechant in Birkenfeld), Richard Stahl (Geschäftsführer des Caritasverbandes Rhein-Mosel-Ahr) und Stefan Nober (Bereich Diakonische Pastoral im Bischöflichen Generalvikariat).