Wahlenau | 12. Juli 2017 | Autor: Markus Philipps

Langer Streit um große Erfindung

Vor 190 Jahren wurde der US-amerikanische Erfinder Daniel Drawbaugh (Trarbach) geboren. Der Nachfahre eines Hunsrücker Auswanderers hat im Herbst 1880 ein Patent auf das Telefon angemeldet.
Das Telefon zählt zu den größten technischen Errungenschaften des 19. Jahrhunderts. Die bedeutende Erfindung wird Tüftlern deutscher, amerikanischer, schottischer und italienischer Herkunft zugeschrieben. Als wohl bekanntester Erfinder des Fernsprechers gilt der gebürtige Schotte Alexander Graham Bell. Denn am 14. Februar 1876 erhielt der Wahlamerikaner als Erster das Patent auf das Telefon. Ein Jahr später gründete er die Bell Telephone Company, aus der später die weltgrößte Telekommunikationsfirma AT&T hervorging.

Bells Unternehmen sah sich bereits in seinen Anfängen mit einer Vielzahl von konkurrierenden Telefon-Gesellschaften konfrontiert. Unter ihnen befand sich auch die 1880 gegründete People’s Telephone Company aus New York. Die Firma produzierte einst Fernsprecher nach Plänen des deutschstämmigen Erfinders Daniel Drawbaugh (Trarbach). Der begnadete Tüftler war ein Nachkomme des in Wahlenau (Hunsrück) geborenen Auswanderers Jakob Trarbach (siehe Info). Als Drawbaugh im Herbst 1880 ein Patent auf das Telefon anmeldete, reichte Bell eine Klage gegen den Erfinder aus Pennsylvania ein. Dieser bekundete seinerzeit, dass er bereits neun Jahre vor Bell (1867) ein funktionsfähiges Telefon gebaut habe. Aufgrund Geldmangels habe er es jedoch damals versäumt, ein Patent zu beantragen.

Im Rahmen des folgenden Gerichtsprozesses organisierte Drawbaughs Anwalt hunderte Zeugen, die ihn bei der Verteidigung unterstützten. Die Nachbarn des Tüftlers traten ebenfalls in den Zeugenstand. Sie sagten aus, dass sie um 1867 eine dumpfe Übertragung von Worten mittels einer von Drawbaugh konstruierten Apparatur gehört haben. Diese bestand aus einer Tasse und einer flexiblen Membran, die über einen Draht mit einem elektrischen Empfänger verbunden war. Darüber hinaus berichteten seine Zeugen, dass der Erfinder in jener Zeit kein Patent auf den Fernsprecher beantragte, da niemand aus seinem Umfeld an den Erfolg des Gerätes glaubte.
Bells Anwälte versuchten hingegen, Drawbaugh als unglaubwürdig darzustellen. Dabei verwiesen sie darauf, dass die von ihm entwickelten Telefon-Bauteile ähnlich mit den Modellen von 1880 waren. Zudem behaupteten sie, dass der Tüftler in den 1860er Jahren nicht unter Geldmangel litt. Diese Ansicht wurde mit der Feststellung begründet, dass er in jener Zeit ein Haus besaß und einen Werkzeug-Laden betreiben konnte.

Der Prozess "Bell versus Drawbaugh" dauerte an bis ins Jahr 1888. Am Ende entschied der Oberste Gerichtshof der USA 4:3 für Bell. Wenig später stellte die People’s Telephone Company ihre Geschäfte ein. 1904 siedelte Drawbaugh nach Camp Hill (Pennsylvania) über. Dort starb der sogenannte "Edison of the Cumberland Valley" am 3. November 1911 an einem Herzinfarkt. Laut seiner Todesanzeige in der New York Times vom 4. November 1911 experimentierte der "Erfinder eines der ersten Telefone" zuletzt an einer drahtlosen Alarmanlage.
Extra: Zur Person
Der Erfinder Daniel Drawbaugh wurde am 14. Juli 1827 in Eberlys Mills, Cumberland County (Pennsylvania, USA) geboren. Seine Vorfahren kamen aus den deutschen Gemeinden Wahlenau und Hirschfeld (Hunsrück). Der Name Drawbaugh ist auf die Moselstadt Trarbach zurückzuführen, wo die Ursprünge der Hunsrücker Auswandererfamilie liegen. Später wurde ihr Familienname gemäß der englischen Aussprache in "Drawbaugh" geändert. Daniel Drawbaugh heiratete 1854 Elcetta J. Thompson. Aus der Ehe gingen elf Kinder hervor.