Traben-Trarbach | 19. März 2017 | Autor: Christoph Strouvelle

Mal episch, mal poetisch und mal arabisch

Traben-Trarbach Biografisch geht es zu beim 70. Offenen Lesetreff des Kultursalons Mittelmosel im Traben-Trarbacher Weltladen. "Mein Leben krempelt mich um", sagt Karin Grau am Rednertisch, die anhand weniger Worte mit einem Brief an sich selbst erzählt, wie sie sich nach einem Umzug nach Traben-Trarbach fühlt.

Ihr Lebensgefährte Reinhold Hach behandelt in einem ausführlichen Text das gleiche Thema, erzählt von Handwerkern, Verzögerungen und dem provisorischen Chaos, das bei Umzügen häufig entsteht und verbindet das mit seiner Enkeltochter, die im gleichen Zeitraum das Licht der Welt erblickt.
Die Zuhörer an diesem Abend nehmen die Texte wohlwollend zur Kenntnis. Jeder Beitrag, egal in welcher literarischen Form, wird mit anerkennendem Applaus belohnt. "Jeder, der eigene Texte schreibt, kann am Lesetreff mitmachen", sagt Gert Engel, der diesen mit seiner Frau Silke Kruse im Jahr 2010 ins Leben gerufen hat. Der Beitrag, egal ob klassisch oder experimentell ausgeführt, kann gelesen, auswendig vorgetragen oder auch gesungen werden, was in Deutschland ungewöhnlich, in anderen Ländern aber häufiger zu finden sei, sagt er.
Thematische Vorgaben gibt es nicht. Der Vortragende muss seinen Text allerdings selbst geschrieben und darf diesen noch nicht veröffentlicht haben. "Es ist interessant, die eigenen Texte der Menschen zu hören", sagt Kruse. Auch eine Zeitspanne von maximal zehn Minuten darf nicht überschritten werden.
"Eine Vielfalt an Texten ist möglich, die sich so im Raum begegnen können", sagt er. Über das Zuhören gehe es um die Auseinandersetzung mit Inhalten und Formen. Die literarischen Werke werden zudem nicht kommentiert. Das empfänden die Teilnehmer als wohltuend. "Man kann das Innere vorbringen, ohne Angst zu haben, eingestuft zu werden", sagt Engel.
Grund genug für die bis zu 20 Teilnehmer pro Abend, auch von weit her den Weg zum Lesetreff zu finden, beispielsweise aus dem Simmerner Raum oder aus Aach bei Trier. "Die Kommunikation mit gleichgesinnten literarisch interessierten Menschen ist schön", sagt Reinhold Hach, der seit 2010 Gast beim Lesetreff ist. Zudem passe der Lesetreff gut in den Weltladen.
Auch integrative Arbeit leistet der Lesetreff. Denn syrische Flüchtlinge besuchen den Abend und tragen Texte in ihrer Heimatsprache vor, zur Freude der Besucher, die die arabischen Satzmelodien genießen. Mohammad Imat Abdul Jwad Ajam bietet Geschichten von seiner Heimat Aleppo, die von seinem Freund Ousama Al Ahmad in einer Inhaltsangabe zusammengefasst werden, bevor Ajam zur Trommel greift und syrische Liebeslieder anstimmt. Was begeistert einen Syrer an einem deutschen Lesetreff? "Ich verstehe nicht alles, aber ich kann mir Bilder vorstellen, über was sie reden", sagt Al Ahmad. Er will beim Lesetreff in Kontakt mit Deutschen kommen und diesen erklären, wie die Syrer leben. Der nächste Offene Lesetreff findet statt am Donnerstag, 20 April, um 19 Uhr.
Weitere Infos iunter kultursalon-mittelmosel.jimdo.com/