Traben-Trarbach | 19. Februar 2017 | Autor: Beckmann Clemens

Neue Ausstellung in Traben-Trarbach: Auf Tuchfühlung mit Marilyn Monroe

In Traben-Trarbach steht die nächste große Kunstausstellung vor der Tür. Dieses Mal geht es um Pop Art. Ein berühmter Vertreter dieser Kunst kommt zu Eröffnung an die Mosel
Schon mal etwas von James Francis Gill gehört? Claudia Richter-Marx, stellvertretende Leiterin der Touristinformation Traben-Trarbach, kannte ihn auch nicht, als Carlos und Daniel Marx von der Galerie Kaschenbach in Trier ihr den US-Amerikaner ans Herz legten. Sollte sie das Risiko eingehen und diesen Mann in den Mittelpunkt einer großen Ausstellung stellen? Nachdem die beiden ihr etwas über die Bedeutung und den Werdegang des 82-Jährigen erzählt hatten war sie sicher, dass das Risiko tragbar ist.

Gill kennt Legenden persönlich: zum Beispiel die Schauspieler Tony Curtis, Kirk Douglas, John Wayne und Marlon Brando sowie den Bürgerrechtler Martin Luther King. Das alleine wird aber keine Menschenmassen nach Traben-Trarbach locken. Gill ist ein Pop-Art-Künstler. Berühmtester Vertreter dieser Szene ist Andy Warhol. Bereits 1962 erhielt Gill einen Adelsschlag: Sein dreiteiliges Marilyn-Monroe-Bild „Marilyn Triptych“ wurde in die Sammlung des Museums of Modern Art in New York aufgenommen.

Was ist Pop Art? Laut Wikipedia ist es eine Kunstrichtung (Malerei, Skulpturen), die Mitte der 1950er Jahre in England und in den USA entstand und zu einer vorherrschenden künstlerischen Ausdrucksform in Nordamerika und Europa wurde. Die Motive sind der Alltagskultur, der Welt des Konsums, den Massenmedien und der Werbung entnommen.
Warum werden etwa 100 Grafiken und Unikate, auch von Warhol, vom 6. April bis zum 18. Juni in Traben-Trarbach gezeigt? Die Stadt ist auf dem Weg sich in Sachen Kultur einen Namen zu machen. Seit 2007 gab es fünf große Ausstellungen. Alleine die außergewöhnliche Kunst von Friedrich Hundertwasser zog 2010 mehr als 17?000 Besucher an. Sie lief allerdings auch über sieben Monate. Die anderen (Leonardo da Vinci), Salvadore Dali, Janosch und James Rizzi) gingen über circa zehn Wochen und lockten zwischen 2500 und 6000 Besucher.

 „Viele Leute haben gefragt, wann die nächste Ausstellung ist“, sagt Claudia Richter-Marx. Es sei aber nicht leicht das Passende zu finden. „Wir wollten schon immer eine Pop Art-Ausstellung in der Region machen“, sagt Kaschenbach-Inhaber Carlos Marx. Die Zusammenarbeit mit Traben-Trarbach habe sich wegen des guten Rufs angeboten. 
Marx wird die Ausstellung vor allem mit Leihgaben bestücken. Auch die Galerie gehe ein Risiko ein, sagt er. Es sei aber überschaubar. Vorteil: Kaschenbach kann auch vor Ort Werke anbieten und verkaufen.

Richter-Marx hofft auf 5000 Besucher im Stadthaus Alter Bahnhof. Die Ausstellung wird täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet sein. Der Eintritt kostet sieben Euro, Kinder bis zwölf Jahre zahlen fünf Euro. Samstags, sonntags und an Feiertagen ist jeweils um 11 Uhr eine Führung (im Eintrittspreis enthalten). Führungen zu anderen Zeiten sind, nach Anmeldung unter Telefon 06541/83980, möglich. Sie werden, so Richter-Marx vor allem von Schulklassen gut angenommen. Es gibt sogar Schüler, die sich mit dem Thema Pop Art beschäftigen (Extra). 

James Gill wird die Ausstellung am 6. April eröffnen. Der Pionier der Pop Art zog sich 1972, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, überraschend zurück und arbeitete als Architekt. Er habe diesen Schritt getan, um nicht wie andere Künstler, in eine Abhängigkeit von Drogen und Alkohol zu kommen, sagt Carlos Marx. 30 Jahre später sei er wieder aus der Versenkung gekommen. 

EXTRA

Sonja Caspari-Rörich ist Kunstlehrerin und kommissarische Konrektorin an der Freiherr-von-Stein-Realschule plus in Bernkastel-Kues. Sie wohnt in Traben-Trarbach. Von daher hat sie die Entwicklung der Ausstellungen in der Stadt im Blick. Im Jahr 2015 haben mehrere Klassen sich mit dem damaligen Künstler James Rizzi und seinen Werken beschäftigt. Als sie von der neuen Ausstellung merfuhr, habe sie gleich reagiert. Auch dieses Mal werden sich einige Klassen mit der Kunst beschäftigen. „Ich finde es toll, dass die Kunst in die Region kommt“, sagt sie. Was die Schüler dazu erarbeiten, wird auch Eingang in die Ausstellung finden. Auch das sei eine Herausforderung. Dass sich viele Klassen die Ausstellung ansehen werden, versteht sich von selbst. Schulklassen bilden einen wichtigen Teil der Besucher. Es gebe da auch regelmäßig Anfragen, berichtet Claudia Richter-Marx. Es werden auch extra Leute geschult, die die Führungen durchführen.