Bernkastel-Kues | 14. Juli 2017 | Autor: Winfried Simon

Umgehung: Vor zehn Jahren kehrte in Wehlen Ruhe ein

Die Wehlener Umgehungsstraße ist ein großer Gewinn für den 1250-Einwohner-Ort.
Vor genau zehn Jahren, am 15. Juli 2007, schien die Sonne über Wehlen. Viele Menschen waren gekommen, unter ihnen der damalige rheinland-pfälzische Verkehrsminister Hendrik Hering und die Chefin des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Trier, Edeltrud Bayer, um die Ortsumgehung Wehlen offiziell für den Verkehr freizugeben. Es war ein freudiger Tag für die Bürger, ein sonniger Tag für den für seine Weine berühmten Stadtteil von Bernkastel-Kues. Endlich war Wehlen vom Durchgangsverkehr befreit. Keine Schwerlaster müssen sich seitdem durch das enge Dorf quälen und Fußgänger müssen keine Angst mehr haben, beim Überqueren der Hauptstraße überrollt zu werden.

Rund 11.000 Fahrzeuge hatten täglich die Ortsdurchfahrt passiert. Ortsvorsteherin Gertrud Weydert sagte damals: „Es ist vorbei. Kein Schlängeln mehr durch enge Stellen, kein Hängenbleiben an vorstehenden Hausecken. Es beginnt ein neues Dorfzeitalter.“ Heute spricht sie gar von einem „Sechser im Lotto“ für ihren Ort. Die Hauptstraße sei wieder schön, Blumenkästen überall, Ferienwohnungen seien eingerichtet, einige neue Häuser gebaut worden. In Wehlen treffen wir Guido Görgen, der sich sehr gut an die katastrophale Verkehrssituation vor zehn Jahren erinnert: „Man kann sich das kaum noch vorstellen, was hier los war.

Jetzt ist der LKW-Verkehr komplett aus dem Dorf raus. Es ist so erholsam, die Umgehungsstraße ist ein ganz großer Gewinn für uns alle.“ Mechthild Friedrich meint: „Die Wohnqualität hat sich enorm verbessert.“ Ihr Weingut befindet sich direkt an der Hauptstraße. „Endlich kann mal ein Kunde sozusagen vor unserer Tür halten. Das war vorher unmöglich“, freut sie sich. Marlies Flesch von der gleichnamigen Metzgerei, die auch an der Hauptstraße liegt, sieht ebenfalls nur Vorteile. Dass der Durchgangsverkehr nun fehlt, habe dem Geschäft nicht geschadet. Sie sagt: „Wir haben keine Kunden verloren. Im Gegenteil: Es sind mehr Touristen im Ort und es ist nun möglich, direkt vor unserem Laden zu parken. Die Situation vorher, das war oft schrecklich.“

Fünf Jahre dauerte die Bauzeit für das zwei Kilometer lange Teilstück der L?47. In den ersten drei Jahren wurden die notwendigen Brücken errichtet. Die Kosten betrugen 10,5 Millionen Euro, davon mussten allein 1,5 Millionen Euro für den Grunderwerb aufgebracht werden. Der Bau einer Umgehungsstraße war schon seit mehreren Generationen ein Thema. Bereits in den 1930er Jahren waren Überlegungen angestellt und 1958 erste Pläne entwickelt worden. Die 1960er-Jahre brachten die Einleitung eines Planfeststellungsverfahrens. Das wurde jedoch gestoppt. Dann dauerte es weitere drei Jahrzehnte, bis endlich begonnen wurde. Erforderlich waren massive Interventionen und Proteste der Wehlener Bürger. 1992 gingen die Wehlener mit einem Protestmarsch für die Umgehung auf die Straße. Heute wirbt Wehlen unter anderem mit seinem Erholungswert. Im Prospekt heißt es: „Die ruhige Lage des Ortes ist ideal für einen entspannenden Urlaub für Menschen, die der Hektik des Alltags entfliehen möchten.“