Bernkastel-Kues | 14. Juli 2017 | Autor: Hans-Peter Linz

Wiedereröffnung der Burg Landshut: Ein Leuchtturm an der Mosel (Fotos/Video)

Die Stadt Bernkastel-Kues und Land investieren 2,5 Millionen Euro in Burg Landshut. Auch das römische Erbe des Gemäuers kommt jetzt zur Geltung.

Sie thront seit Jahrhunderten über der Stadt Bernkastel-Kues, der berühmte englische Maler William Turner war von ihr sogar dermaßen begeistert, dass er sie gleich mehrmals gemalt hat: Burg Landshut ist eine weltweit bekannte Landmarke im Moseltal.

Allerdings war sie einige Jahre lang geschlossen. Umfangreiche Sanierungsarbeiten waren nötig, ein schnöder Baukran überragte den malerischen Burgfried und stahl ihm die Schau. Der Kran ist inzwischen wieder abmontiert, ein großes Panoramafenster sorgt für einen neuen, ungewohnten Akzent im Anblick der Burg. Am Freitag wurde sie schließlich offiziell eröffnet. Im Innenhof trafen sich Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, darunter Landrat Gregor Eibes, Gereon Haumann vom Hotel- und Gaststättenverband und der Stadtrat von Bernkastel-Kues. Stadtbürgermeister Wolfgang Port blickt in seiner Ansprache zurück: „Vor etwa sechs Jahren war der Burgweg weggerutscht. Teile der Burg drohten ins Tal zu stürzen. Unser Bauhof begann dann, das zu reparieren.“

Aber dann habe Bauleiter Christian Bücher römische Mauern gefunden, für Bernkastel-Kues sei das eine kleine Sensation gewesen. Denn diese Funde beweisen, dass die Burg wesentlich älter ist, als bisher vermutet. „Jahrhunderte lang schlummerten diese Gemäuer unentdeckt vor sich hin, die Ausgrabungen zogen sich dann über mehrere Monate“, erzählt der Bürgermeister. Schließlich stellte sich heraus, dass es sich bei der Burg ursprünglich um „Primum Castellum“ handelt, eine Anlage aus spätrömischer Zeit, das auch in Urkunden erwähnt worden sei. Demnach ist die Burg rund 600 Jahre älter als vermutet. „2013 standen wir vor der Frage: Was machen wir mit den römischen Funden?“, sagt Port. Man habe letztendlich die Entscheidung getroffen, auch das römische Erbe der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Das sei kein leichter Weg gewesen, Fördergelder mussten beantragt werden, die Burg, die im städtischen Besitz ist, sollte weitgehend barrierefrei ausgebaut werden und auch das Restaurant sollte komplett erneuert werden. Der besondere Clou: Das zehn Meter breite Panoramafenster, das einen weiten Blick auf das Moseltal bietet und schon für kontroverse Diskussionen in der Bürgerschaft geführt hat: „Manch ein Bürger war vielleicht nicht auf die Glasfassade gefasst“, sagt Port. Aber die Burg sei schließlich auch wegen ihrer Aussicht gebaut worden. Die Trierer Kurfürsten hätten hier sogar den Sommer verbracht und offensichtlich Bernkastel-Kues Trier vorgezogen. Weinbau allein reiche eben nicht aus, um den Tourismus am laufen zu halten. Port: „Damit schaffen wir einen Leuchtturm!“ Und dazu zähle auch ein ansprechendes gastronomisches Angebot.

Rund 2,5 Millionen Euro, davon 460.000 Euro Landeszuschüsse, hat die Restaurierung gekostet, ein Großteil soll über Pachteinnahmen des Restaurants refinanziert werden, verspricht der Stadtbürgermeister. Gereon Haumann, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), lobt die Investition: „Es ist grandios, es ist wundervoll und es ist einmalig in der Region und in Rheinland-Pfalz. Ich würde mir mehr Gemeinden wünschen, die ihre Juwelen dermaßen in Wert setzen.“

Der Innenraum des Restaurants ist im Vintage-Look gestaltet, um alte Elemente wie die Steinwände in den Vordergrund zu setzen, erklärt Innenarchitekt Manfred Weber aus Freudenburg (Trier-Saarburg). Neben dem Restaurant, das mit dem Rollstuhl erreichbar ist, gibt es zwei Außenterrassen und einen Rundgang um die Burg mit Tafeln, die die Geschichte der Burg bis in die Römerzeit erläutern. Frank Schäfer vom Behindertenbeirat Bernkastel-Kues findet das positiv: „Die Burg zu besuchen, ist ein Erlebnis. Ein zusätzliches ertastbares Burgmodell für Sehbehinderte wäre schön.“

Die Geschichte der Burg

Bereits im 4. Jahrhundert befand sich an der Stelle der späteren Burg Landshut ein römisches Kastell zur Sicherung des militärischen Nachschubs entlang der Mosel. Die rechteckige Anlage wies einen Umfang von 60 m mal 30 m auf mit 1,8 m starken Mauern aus Quarzitsteinen. Verstärkt war die Anlage durch sechs bis sieben Türme. Die heute auf den Fundamenten der römischen Wehranlage stehende Höhenburg wurde Ende des 13. Jahrhunderts vom Trierer Erzbischof Heinrich von Finstingen erbaut. Seit 1920 ist sie in Besitz der Stadt.

Fotostrecke: Wiedereröffnung der Burg Landshut