Jünkerath | 17. März 2017 | Autor: Frank Auffenberg

Am Bahnsteig in Jünkerath wird noch nachgebessert

Die Komplettsanierung des Jünkerather Bahnhofs läuft seit mehr als anderthalb Jahren. Ein Abschluss ist in Sicht, Überraschungen auf den Parkplätzen und Probleme bei der Abnahme sorgen aber für weitere Arbeit und Mehrkosten.
Jünkerath Was für ein Kraftakt: Bald ist es zwei Jahre her, dass am Jünkerather Bahnhof der erste Spatenstich für die komplette Instandsetzung der historischen Bahnanlage erfolgte. Seitdem hat sich eine Menge getan, die Arbeiten sind aber noch nicht abgeschlossen (der TV berichtete). Mancher Bahnreisende, der den Bahnhof kennt, wird sich allerdings gerade verwundert die Augen reiben: Waren die Arbeiten am Doppelbahnsteig zu Gleis 1 und 2 nicht längst abgeschlossen? Ein TV-Leser hat uns darauf hingewiesen, dass dort überraschend neue Absperrgitter aufgestellt wurden und das Gleis scheinbar wieder abgerissen wird.

"Tatsächlich wird an dem Bahnsteig wieder gearbeitet. Der wird aber nicht abgerissen, sondern nur nachgebessert", sagt Jünkeraths Ortsbürgermeister Rainer Helfen. Er habe auch bereits Gerüchte gehört: "Es ist kurios, was so schnell gemunkelt wird, aber von Abriss kann definitiv keine Rede sein."
Bei der Bauabnahme durch das Eisenbahnbundesamt sei aufgefallen, dass an ein paar Stellen die Querneigung der Bahnsteige nicht den Vorgaben entspreche, sagt Helfen. "Sie ist um 0,9 Prozent aus der Toleranz raus." Wie es zu den Abweichungen kam? "Es ist ein bisschen kurios. Für die ausführende Firma sind die erneuten Arbeiten ärgerlich. Sie hat sich genau an die Maße der Planungen gehalten, die wiederum zuvor ja durch das Amt genehmigt wurden." Es sei geplant und abgenommen worden: "Dann wurde gebaut und nun gemerkt, dass es so doch nicht richtig ist. "Dass nun nachgebessert werden muss, fällt also nicht auf die Firma zurück." Die Kosten für die Nachbesserung müssen übrigens vonseiten der Bahn getragen werden. "Wenn der abnehmende Beamte sagt, die Abweichung toleriere ich nicht, dann ist das halt so."

Generell blicke er aber zuversichtlich auf das Vorankommen der Umbauarbeiten. "Es gab ja, wie berichtet wurde, hier und da Unwägbarkeiten, die uns im Zeitplan etwas zurückgeworfen haben, wir sind aber nun fast durch", sagt Helfen. Die extreme Witterung der letzten Monate habe zwar dafür gesorgt, dass an den noch nicht fertigen Zugängen so gut wie nichts passieren konnte, nun da es aber milder ist, seien die Arbeiten wieder aufgenommen worden.
Auch an den Parkplätzen, den sogenannten "Park & Ride"-Anlagen (P&R) - englisch für Stellflächen zum Parken und Mitfahren - sei nun wieder Bewegung reingekommen. "Wir hatten teils massive Probleme mit der Standsicherheit und mussten sehr tief ins Erdreich gehen - Grund dafür war einmal mehr die Witterung."

Für Überraschungen sorgte wiederum der Bau des P&R-Platzes auf der Nordseite des Bahnhofs. "Dort wurden etliche Bauwerke im Grund gefunden, die so nicht in den Plänen der Bahn eingezeichnet waren", sagt Helfen. Aufgrund seiner langen Geschichte (siehe Extra) sei das nicht verwunderlich, habe aber den Bau ziemlich zurückgeworfen. Kontaminiertes Erdreich habe entsorgt werden müssen. Mit den Altlasten habe man nicht gerechnet. "Als wir die Flächen 2009 von der Bahn kauften, gab es keine Hinweise auf die einstigen Bauten "Und auch ein Streckenfernmeldekabel, das nicht verlegt werden darf, musste uns umplanen lassen. Die Anlage liegt nun 30 Zentimeter höher als geplant." Alles dies sorge für Mehrkosten. "Wir haben sie offiziell gemeldet, entweder damit die Bahn sich dran beteiligt oder damit wir höhere Zuschüsse bekommen." Man stehe bereits in Kontakt mit den zuständigen Bahnstellen in Frankfurt.

Rainer Helfen geht davon aus, dass die Arbeiten an den Parkplätzen bis Mai fertiggestellt sind. "Das hängt aber davon ab, wie man nun mit den Mehrkosten umgeht." Für Juni wiederum hoffe er einen Termin für die offizielle Übergabe ansetzen zu können.
Eine Stellungnahme der Bahn zum Thema Nachbesserungen ist angefragt, liegt aber noch nicht vor.
EINST KNOTENPUNKT, HEUTE REINER PERSONENBAHNHOF
 
Extra
Heute ist der Jünkerather Bahnhof ein zwar wichtiger, aber eben nur einer von vielen Bahnhöfen auf der Eifelstrecke zwischen Köln und Trier. Das war mal sehr anders: 1870 eröffnet, mauserte sich der Standort neben Gerolstein sehr schnell zu einem der wichtigsten Knotenpunkte im Eifeler Bahnnetz. Von Jünkerath aus zweigten die Vennquerbahn und die Mittlere Ahrtalbahn ab. Mit der Einstellung des Personenverkehrs dieser Strecken verlor der Bahnhof von 1963 bis 1973 rapide an Bedeutung. Bis in die 1990er Jahre blieb er als Rangierbahnhof wichtig - der Betrieb wurde aber 2004 eingestellt. Das gut erhaltene Bahnhofsgebäude aus rotem Bruchstein steht seit 1978 unter Denkmalschutz. Seit Juni 2015 wird die gesamte Bahnhofsanlage für insgesamt 7 Millionen Euro umgebaut. Die Arbeiten wurden im laufenden Betrieb umgesetzt.