Jünkerath | 14. Juli 2017 | Autor: Frank Auffenberg

Einweihung im laufenden Betrieb am Jünkerather Bahnhof

Die Modernisierung des Jünkerather Bahnhofs ist nach zwei Jahren Bauarbeiten abgeschlossen. Mit einem Festakt soll die Station am Mittwoch eingeweiht werden. Nötige Umplanungen verursachten 200 000 Euro Mehrkosten.
Zwei Jahre dauerte die Operation am offenen Herzen, nun ist sie endlich abgeschlossen: Nach 24-monatiger Bauzeit, unzähligen Umplanungen und Überraschungen kann der frisch sanierte Jünkerather Bahnhof samt neuer Parkplatzanlagen am Mittwoch, 19. Juli, in einer Feier für den Betrieb offiziell freigegeben werden.
Tatsächlich ist es nur ein symbolischer Akt, wurde der Bahnbetrieb doch während der ganzen langen Bauzeit weiter aufrechterhalten. Aber nach diesem Kraftakt will die Einweihung auch gebührend gefeiert werden.

"Als Kommune sind wir nun wirklich stolz auf die Bahnanlagen und deren neu geschaffenes Umfeld, das neben interessanten Verweilorten eine komplett neu erstellte und eine teilsanierte Park-and-Ride-Anlage umfasst", sagt Jünkeraths Ortsbürgermeister Rainer Helfen. Gerade diese Park-and-Ride-Anlage (P&R) - englisch für Stellflächen zum Parken und anschließendem Mitfahren - hat Helfen und seinen Mitstreitern viel Kopfzerbrechen bereitet. Während die Arbeiten an der eigentlichen Verkehrsstation gut vorankamen, Gleise und Unterführungen ohne ernstzunehmende Schwierigkeiten umgebaut werden konnten, überraschten die von der Deutschen Bahn AG gekauften Flächen für die P&R-Anglagen quasi vom ersten Spatenstich an die Bauherren und ausführenden Firmen.

"Probleme mit Altanlagen und Altlasten der ehemaligen Eisenbahnnutzung, die zu Baubeginn nicht erkennbar waren, verzögerten die Bauarbeiten erheblich", sagt Helfen. Ein großes Problem sei das Streckenfernmeldekabel der DB-AG gewesen (der TV berichtete). "Dieses hochsensible Kabel lag nicht in der erforderlichen Tiefe und nicht in der planerischen Lage." Viele Gespräche seien geführt worden, bis schließlich die gesamte P&R-Nordanlage umgeplant und um etwa 50 Zentimeter angehoben wurde. "Alle diese Schwierigkeiten verursachten insgesamt zirka 200 000 Euro an Mehrkosten."

Mit dem Abschluss der Arbeiten sei jetzt der erste Baustein des "Integrierten Gesamtkonzeptes Bahnanlagen Jünkerath" fertiggestellt, sagt Helfen. Alle vertraglichen Forderungen seien erfüllt, "bis auf den Einbau der Videoüberwachung."

In einem nun angelaufenen Schritt treibt der Ortsgemeinderat jetzt die Vermarktung der Brachflächen voran. "Der neu erstellte Bebauungsplan ist fertig, aber vom Rat noch nicht verabschiedet, weil die ehemaligen Bahnflächen vom Eisenbahnbetrieb noch nicht entwidmet sind." Der Notarvertrag von 2009 sehe vor, dass dies erst geschehe, wenn die Arbeiten abgeschlossen seien. Anfragen von interessierten Gewerbetreibenden lägen bereits vor. Der Antrag auf die Entwidmung sei gestellt. Noch nicht weiter vorangebracht wurde bisher die Sanierung des Empfangsgebäudes. Der Rat habe einst beschlossen, die Sanierungsmaßnahme erst nach Ende aller bisherigen Arbeiten anzugehen. "Es gab jedoch mehrere, davon eine konkrete Anfrage zur künftigen Nutzung durch ein ansässiges Unternehmen", sagt Helfen. Eine Kostenstudie sei durch ein Planungsbüro erarbeitet worden, wegen der voraussichtlichen hohen Sanierungskosten von mehr als einer Millionen Euro habe der Interessent seine Anfrage zurückgezogen.
Die sanierte Verkehrsstation Jünkerath wird am Mittwoch, 19. Juli, um 14.30 Uhr feierlich in Betrieb genommen.
Extra: Entwicklung zum Personenbahnhof
In der Mitte der Zugstrecke zwischen Köln und Trier ist der Jünkerather Bahnhof ein zwar wichtiger, aber eben nur einer von vielen Bahnhöfen auf der Eifelstrecke. Das war einmal ganz anders: 1870 eröffnet, mauserte sich der Standort neben Gerolstein sehr schnell zu einem der wichtigsten Knotenpunkte im Eifeler Bahnnetz. Von Jünkerath aus zweigten die Vennquerbahn und die Mittlere Ahrtalbahn ab. Mit der Einstellung des Personenverkehrs dieser Strecken verlor der Bahnhof von 1963 bis 1973 rapide an Bedeutung. Bis in die 1990er Jahre blieb er als Rangierbahnhof wichtig - der Betrieb wurde aber 2004 eingestellt. Das gut erhaltene Bahnhofsgebäude aus rotem Bruchstein steht seit 1978 unter Denkmalschutz. Seit Juni 2015 wurde die gesamte Bahnhofsanlage für sechs Millionen Euro umgebaut.