Prüm | 18. April 2017 | Autor: Fritz-Peter Linden

Modellprojekt bringt gemeinsam nutzbare Arbeitsräume nach Prüm

Hier bleiben statt wegpendeln: Die Landes-Entwicklungsagentur richtet im früheren Kreishaus günstige Arbeitsplätze ein und informiert auf der Grenzlandschau über das Modellprojekt.
"Es ist ein Experiment", sagt Rainer Zeimentz, Chef der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz. "Wir wollen das jetzt mal probieren", sagt Aloysius Söhngen, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm. "Ich freu mich darüber", sagt Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy.

Worum geht’s? Um sogenannte Coworking Spaces - eingedeutscht etwa: gemeinsam nutzbare Arbeitsräume. Sie werden unter Federführung der Entwicklungsagentur in den kommenden Wochen, samt Internetverbindung, im ehemaligen Kreishaus in der Prümer Kalvarienbergstraße entstehen - wo auch die Bundespolizei residiert.
Warum Prüm? Weil Stadt und Umgebung zu den Gebieten in Deutschland gehören, "aus denen Arbeitnehmer besonders stark und weit pendeln", sagt Zeimentz. "Man braucht sich nur mal die Mitfahrerparkplätze anzusehen", ergänzt Söhngen. "Die sind immer voll."

Sie fahren in Richtung Trier, Luxemburg oder Köln - und bei manchem kommt da im Lauf der Jahrzehnte eine Fahrleistung von etlichen 100 000 Kilometern zusammen. Gleichzeitig sei das die Generation, deren Eltern oder andere Angehörige jetzt oft der Pflege bedürften, sagt Zeimentz. Andere haben kleine Kinder, die sie gern noch bei Tageslicht sehen möchten, wenn sie von der Arbeit kommen. "Und da kann ich nicht mehr guten Gewissens jeden Tag nach Trier pendeln", sagt Zeimentz.

Stattdessen könnte jemand, der fünf Tage in der Woche in den Raum Köln-Bonn müsse, mit seinem Arbeitgeber abmachen, dass er nur noch an drei Tagen unterwegs sei. Zusätzlich erhoffter Vorteil einer solchen Regelung: Wer öfter hier bleibt, der gibt auch hier sein Geld aus, ein weiterer Aspekt, der für den ländlichen Raum nur gut sein könne.
Ganz abgesehen davon, dass man auf diese Weise wieder Leben in leerstehende öffentliche Gebäude bringen kann. Wobei Söhngen ergänzt, dass auch private Anbieter Räume dafür einrichten und vermieten könnten.
Von Juli an sollen die Prümer Büros verfügbar sein. Das Prinzip: Laptop aufklappen und loslegen. Und: "Ich zahle, solange ich da bin", sagt Zeimentz. Pro Monat dürfte ein solcher Platz, kalkuliert er, bei täglicher Nutzung nicht mehr als 100 Euro kosten, in Berlin zahle man für vergleichbare Räume um die 300 Euro. Das Projekt soll über zwei Jahre laufen, das Land investiert in diesem Zeitraum etwa 110 000 Euro. Finanzierbar sei das Angebot allerdings nur, weil der Eifelkreis Bitburg-Prüm als Eigentümer die Räume kostenlos bereitstelle.

Das Ganze ist ein Modell, ein Versuch, ein Experiment eben, aus dem man lernen und vielleicht weitere neue Arbeitsformen ableiten will - deshalb verpflichten sich alle, die einen Platz im Gebäude nutzen, auch dazu, der begleitenden Technischen Universtät Kaiserslautern monatlich für Befragungen zur Verfügung zu stehen.
Zugeich werde man die Unternehmen im Umkreis von Prüm anschreiben, informieren "und deutlich machen, dass wir keine Konkurrenz sind", sagt Rainer Zementz.

Mathilde Weinandy glaubt, dass es "viel mehr Menschen gibt, als man vermutet", die eine solche Arbeitsvariante gern nutzen würden. Und deshalb sei es auch gut, dass man sich darüber auf der Grenzlandschau (sie dauert von Freitag, 28. April, bis Dienstag, 2. Mai) informieren könne. Denn dort seien viele Unternehmen und viele Besucher - "das ist das beste Umfeld dafür".

Die Mitarbeiter der Entwicklungsagentur werden am Stand der Tourist-Information zu finden sein.
Info: www.schreibtischinpruem.de

Bei der Entwicklungsagentur in Mainz informiert Projektleiter Markus Bauer über das Vorhaben. Telefon: 06131/4908243.
Kommentar
Tolle Chance

Vieles ist noch offen beim Projekt mit den "geteilten Arbeitsplätzen". Das aber ist auch genau die Chance, die darin steckt: In Prüm kann man künftig ausprobieren, welche neuen und weniger starren Varianten da möglich sind. Ein spannendes Projekt, das beispielgebend sein könnte - wenn sich genügend Interessenten finden. Und die Chefs mitmachen.
f.linden@volksfreund.de