Weinsheim | 16. Juli 2017 | Autor: Fritz-Peter Linden

Weinsheimer Eltern engagieren sich für einen neuen Spielplatz

Die Ortsgemeinde zieht mit, was die Finanzierung betrifft: In Weinsheim engagieren sich zahlreiche Mütter und Väter für einen neuen Kinderspielplatz im Dorf. Und die Kleinen dürfen mitreden.
Fahr einmal durch Weinsheim, Fremder, oder durch die Ortsteile Gondelsheim, Willwerath und Hermespand. Du wirst nicht bemerken, was hier alles los ist. Vorausgesetzt natürlich, du hast nicht das Industriegebiet gesehen, in dem große und bedeutende Firmen jede Menge Beschäftigte und Gewerbesteuern bezahlen.
Die Firmen sind einer der Gründe, warum es der Gemeinde gut geht. Und warum viele Kinder dort aufwachsen. Die wiederum können sich über engagierte Eltern freuen: Mehr als 25 Mütter und Väter haben sich zusammengetan, um für die Kleinen einen neuen Spielplatz zu organisieren.

Denn die bisherige Anlage in der Weinsheimer Dorfmitte ist ziemlich runtergekommen: "Der Spielplatz ist 1991 gebaut worden, da war ich selbst noch Kind", sagt Oliver Götz von der Elterninitiative. Und deshalb "wollen wir jetzt für unsere Kinder was machen."
Nicht nur für sie, sondern auch mit den Kindern: Die durften nämlich mitreden, als es um Ideen für die neue Anlage ging. "Sie haben sich eine Seilrutsche gewünscht", sagt Götz.

Unter anderem, denn es gibt noch etliche weitere Anregungen: eine sogenannte Nestschaukel, eine Ecke für Kleinkind-Aktivität "zwecks psychomotorischer Förderung", einen Balance-Parcours, einen Kletterturm und allerhand mehr.

Und bereits jetzt sind gemeinsame Aktionen geplant, um die Sache in Schwung zu halten: Am Dienstag. 25. Juli, lädt die Initiative zur Balancier-Aktion (16 bis 18 Uhr auf dem Spielplatz), am Samstag, 29. Juli, wollen Klein und Groß gemeinsam dort zelten. Motto: "Träumen vom neuen Spielplatz."

Träumen ist gut, planen aber auch: Deshalb haben sich die Initiatoren auch schon mit Günter Wilwers von der Verbandsgemeinde Prüm und Vertretern der Ortsgemeinde getroffen, damit die Ideen in eine umsetzbare Fassung gebracht werden. Dass die Gemeinde dahintersteht, überrascht kaum: "Natürlich", sagt Ortsbürgermeister Peter Meyer. "Eine Gemeinde kann sich freuen, wenn die Bürger Engagement und Eigenleistung bringen."
Denn die Eltern wollen selbstverständlich mit anpacken, wenn es um den Umbau geht, der auch die Bushaltestelle am Spielplatz einbeziehen soll. "Und immer, wenn die Leute selber was machen", sagt der Bürgermeister, "kannst du davon ausgehen, dass sie auch danach gucken." Deshalb werde man alles unterstützen. Im Rat - Michael Kill, der mit seiner Frau Alexa die Initative anstieß, ist ebenfalls Mitglied - stehe man der Sache sehr positiv gegenüber. Es müsse eben nur alles machbar und an die Sicherheitserfordernisse angepasst sein.

Danach sollen der Beschluss für die Finanzierung fallen und das Geld dafür in den Haushalt 2018 eingestellt werden, vermutlich im Spätsommer. Denn die Ortsgemeinde will das Projekt - die Kosten sind noch nicht ausgerechnet - komplett bezahlen und auch nicht die Unternehmen um Unterstützung bitten. "Die zahlen ja schon Steuern. Und die kriegt die Gemeinde Weinsheim." Wobei natürlich niemand etwas gegen eine Spende hätte.

Die Eltern haben derweil noch mehr vor: Erst soll der neue Spielplatz kommen. Aber dann denken sie bereits an die Jugendlichen im Dorf: Der Sportplatz soll aufgemöbelt werden, vielleicht mit einer Fläche für Beachvolleyball und einem Basketballkorb, sagt Oliver Götz. "Damit sie in ihrer Freizeit nicht nur am Handy hängen."
Kinder, Jugendliche - so viele, dass es sich lohnt, solche Ideen zu entwickeln. "Tendenz steigend, weil die Neubaugebiete schon ausverkauft sind", sagt Michael Kill. "Weinsheim wächst und ist ein gutes Ziel für Familien mit Kindern." Nicht nur für die: Auch einige Großeltern, sagt er, haben bereits angekündigt, am Spielplatz zu helfen.

 
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Beispieldörfer

Manch einer mag verstohlen-neidvoll nach Weinsheim rüberschielen: Die großen Betriebe am Dorfrand bringen ordentlich Steuergeld, sodass man locker einen neuen Spielplatz bezahlen kann. Das ganze schöne Geld wäre aber nichts wert ohne die engagierten Familien, die dort zu Hause sind. Die Spielplatzinitiative ist dafür ein tolles Beispiel und zeigt erneut, dass in unseren Dörfern mehr Leben steckt als viele vermuten. Und wer es immer noch nicht glaubt, der lese den Artikel unten auf dieser Seite - noch so ein tolles Beispiel. f.linden@volksfreund.de