Frankenthal (dpa/lrs) | 19. Juni 2017

Mutmaßliche Morde im Seniorenheim: Anklage erhoben

Pfleger als Mörder? Weil sie in wechselnder Besetzung zwei Seniorinnen getötet haben sollen, ist gegen drei Ex-Mitarbeiter eines Altenheims Mordanklage erhoben worden. Sie sollen auch Misshandlungen gefilmt haben.

Sie sollen aus Langeweile und Machtgier zwei Bewohnerinnen eines Pfälzer Altenheims ermordet und dies bei einer weiteren versucht haben: Nun ist gegen drei ehemalige Mitarbeiter der Einrichtung in Lambrecht beim Landgericht Frankenthal Anklage wegen Mordes und Mordversuchs erhoben worden. Den beiden Männern im Alter von 24 und 48 Jahren und der 26-jährigen Frau werden zudem mehrere Misshandlungen und ein Fall des schweren sexuellen Missbrauchs einer widerstandsunfähigen Bewohnerin zur Last gelegt, wie die Staatsanwaltschaft Frankenthal am Montag mitteilte.

Den Missbrauch sollen die Angeschuldigten ebenso wie Misshandlungen per Smartphone gefilmt und fotografiert haben. Die Ermittler stützen ihre Vorwürfe unter anderem auf die Auswertung der Handys. Sie prüfen außerdem, ob weitere Todesfälle auf das Konto des Trios gehen. Während der 24-Jährige die Tötung einer Heiminsassin gestanden hat, bestreiten die beiden anderen die Mordvorwürfe. Die drei sollen in der mutmaßlichen Tatzeit zwischen Juli 2015 und August 2016 außerdem Bargeld und Wertgegenstände von Heimbewohnern gestohlen haben. Alle drei sitzen in Untersuchungshaft.

Dank einer anderen Mitarbeiterin des Hauses waren die Ermittler dem Trio auf die Spur gekommen. Die Frau habe von den Handyaufnahmen erfahren und die Heimleitung eingeschaltet, die sich an die Polizei gewandt habe, hatte der Geschäftsführer des Bezirksverbandes Pfalz der Arbeiterwohlfahrt (Awo), Markus Broeckmann, im Januar gesagt. Die Beamten nahmen den Verdächtigen die Handys ab, auf denen sich die Filme befinden sollen. Dass auch ein Mord passiert sein könnte, wurde offenbar beim Auswerten von Handy-Chatverläufen klar.

Nach Einschätzung der Ermittler haben die damalige Altenpflegerin und die beiden Altenpflegehelfer im Dezember 2015 eine 85-jährige Heimbewohnerin mit einem Kissen erstickt. Zuvor sollen sie der Frau aus Mordabsicht Insulin verabreicht haben. Die Männer sollen außerdem im Februar 2016 eine 62 Jahre alte Bewohnerin ermordet haben, indem sie ihr Insulin spritzten. Im März 2016 sollen alle drei versucht haben, eine 89-jährige Bewohnerin mit Insulin und Morphin zu töten.

In allen Fällen würden den Angeschuldigten die Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe zur Last gelegt, erklärte die Staatsanwaltschaft. Sie hätten aus Langeweile gehandelt «und um ihre Macht gegenüber den Bewohnern auszuüben». Zu den mutmaßlichen Misshandlungen heißt es, die Opfer seien mit Gegenständen beworfen worden oder hätten Medikamente wie zum Beispiel Abführmittel verabreicht bekommen, ohne dass ein Grund vorgelegen habe. Die Misshandlungen und die Diebstähle haben die drei laut Staatsanwaltschaft «grundsätzlich» zugegeben, den Missbrauch bestritten alle drei.