Brüssel | 18. Juni 2017

Beispiellose Ehrung für EU-Wegbereiter

(dpa) Als erste Persönlichkeit in der Geschichte der EU soll Helmut Kohl mit einem europäischen Staatsakt geehrt werden. Der von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker angeregte Staatsakt für den gestorbenen Bundeskanzler soll binnen zwei Wochen im Europaparlament in Straßburg stattfinden.
Der genaue Termin und die Details seien aber noch offen, sagte eine Kommissionssprecherin am Sonntag. Einen solchen Staatsakt hat es noch nie gegeben, die Ehrung ist beispiellos.
Juncker begründet die Initiative damit, dass Kohl einer von nur drei europäischen Ehrenbürgern war - neben dem europäischen Gründervater Jean Monnet und dem früheren Kommissionspräsidenten Jacques Delors - sowie Wegbereiter des Euro. Auch sei es Kohls Wunsch gewesen, hieß es in Brüssel. An dem Staatsakt sollen EU-Spitzenvertreter und politische Weggefährten Kohls teilnehmen.
Die Details würden nun ausgearbeitet und ein Termin gesucht, sagte die Sprecherin. Berichte, wonach Kohls Leichnam nach dem Staatsakt mit dem Schiff über den Rhein zur Totenmesse in seine rheinland-pfälzische Heimat nach Speyer gebracht werden soll, bestätigte sie nicht. Die Organisation beginne erst, sagte sie.
Selbstverständlich wäre das Land sehr geehrt, wenn eine solche Zeremonie in Kohls rheinland-pfälzischer Heimat stattfinden würde, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). "Aber es ist genauso klar, dass die Familie dazu das letzte Wort hat." Auch aus dem Bundespräsidialamt hieß es am Sonntag lediglich, man warte zunächst die weitere Entwicklung ab. Kohl sollte zunächst in seinem Haus in Oggersheim aufgebahrt bleiben.