Trier | 18. Juni 2017 | Autor: Katharina de Mos

Wenn Wildschweine wüten

Die Tiere vermehren sich rasant. Für Bauern, Winzer und Gärtner sowie im Straßenverkehr sind sie ein großes Problem. Das Land reagiert – und ruft Tierschützer auf den Plan.
Sie verwandeln Segelflugplätze in Kraterlandschaften, verwüsten Fußballfelder, wüten in Parks und zerwühlen Gärten: Wildschweine sind in der Region schon lange nicht mehr nur für Bauern und Winzer ein Problem, deren Mais, Raps oder Trauben sie fressen. Auch im Straßenverkehr sind sie ein wachsendes Risiko. Zudem fürchten Viehhalter, dass die Afrikanische Schweinepest sich bei derart dichten Wildschweinpopulationen von Osteuropa Richtung Westen ausbreiten könnte. 

Die Zahl der Tiere steigt. Seit Jahrzehnten. Wie viele Wildschweine wirklich in Rheinland-Pfalz leben, weiß niemand. Einen Anhaltspunkt liefern jedoch die Abschusszahlen, die sich seit den 80er Jahren vervielfacht haben. Damals wurden 10.000 Tiere pro Jahr erlegt. Zuletzt schossen rheinland-pfälzische Jäger knapp 62.000 Schweine.

Dass die Zahlen so stark gestiegen sind, führen Experten zum einen auf den Klimawandel zurück, zum anderen auf Veränderungen in der Landwirtschaft. Milde Winter steigern die Überlebenschancen von Frischlingen. Buchen, Eichen und Kastanien produzieren inzwischen alle zwei und nicht mehr nur alle sieben Jahre ihre Früchte – und bieten den Waldbewohnern so kalorienreiches Futter. 

Als wichtigste Ursache für die Explosion der Bestände sieht Ulf Hohmann von der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft jedoch die Landwirtschaft. Diese sei immer ertragreicher geworden, zudem wird mehr Mais und Raps angebaut, die den Schweinen hervorragend schmecken und sogar noch Deckung bieten. „Sie können da nicht nur futtern, sondern auch liegen und leben wie die Made im Speck“, sagt der Experte.

Rheinland-Pfalz will sein Wildschweinproblem nun mit vereinten Kräften lösen: Das Mainzer Forstministerium hat gemeinsam mit Jagd- und Bauernverbänden, mit Jagdgenossenschaften sowie dem Gemeinde- und Städtebund ein 15-Punkte-Programm für die Saison 2017/2018 verabschiedet. 

Schwarzwild soll ganzjährig intensiv bejagt werden. Jäger werden in dem Papier aufgefordert, deutlich mehr Bachen zu schießen. Ausgenommen sind nur solche, die abhängige Junge haben. Auch Frischlinge sollen so viele und so jung wie möglich geschossen werden – unabhängig von ihrem Gewicht. 

Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert, das Handlungsprogramm lese sich „wie eine Anleitung zur Schädlingsbekämpfung“. Dass Frischlinge unabhängig von ihrer Verwertbarkeit geschossen werden sollen, führe im Zweifel dazu, dass „tote Jungtiere wie Müll entsorgt“ würden. 

Während die Tierschützer sauer sind, hat sich die Stimmung zwischen Bauern und Jägern verbessert. Waren vor einigen Jahren gegenseitige Schuldzuweisungen an der Tagesordnung, so löst man die Probleme nun gemeinsam. Schäden werden meist einvernehmlich reguliert. 

„Es bringt nichts, sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben“, sagt Bauernpräsident Michael Horper. „Es geht nur miteinander“, sagt ein Sprecher des Landesjagdverbands.
Info: Schweinepest
Ein Grund für die intensive Jagd auf Wildschweine ist auch die Angst, dass sich die Afrikanische Schweinepest ausbreiten könnte, die in Osteuropa wütet. Für Haus- und Wildschweine ist die ansteckende Krankheit tödlich, eine Impfung nicht möglich, die Folgen könnten daher verheerend sein. Für den Menschen ist die Krankheit ungefährlich.

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