Trier | 17. Mai 2017 | Autor: Rainer Neubert

Auf zwei Rädern durch die Stadt Trier und ihre Weinberge (Video + Fotos)

Mit 20 km/h zur Weinprobe: Seg & Wine ist ein Angebot für Menschen, die eine besondere Stadtbesichtigung mit viel Fahrspaß und Informationen über den Weinbau in Trier aus erster Hand kombinieren wollen. Ein nur anfangs wackeliger Selbstversuch.

Artikel mit Diashow!
Seg & Wine Tour 2017
„Mama, schau mal! Segways!“ Als Udo Steffens und Sebastian Oberbillig eines nach dem anderen dieser futuristischen Gefährte aus der Fahrradgarage an der Porta Nigra herausfahren, ist ihnen die Begeisterung vor allem der jungen Zaungäste sicher. Die interessieren sich beim Anblick der ungewöhnlichen schwarzen Zweiräder nicht mehr für das alte Tor, vor dem sie gerade noch für ein Familienfoto mit ihren Eltern posiert haben.

Aber auch fünf Erwachsene haben an diesem späten Vormittag ausschließlich Blicke für die bis zu 20 km/h schnellen Elektroflitzer: Jan Jensen und seine Frau Jette Holm sind aus Luxemburg gekommen. „Wir wollten etwas Außergewöhnliches machen“, sagt Jensen, der wie seine Frau aus Dänemark kommt, aber gut Deutsch spricht. Die Entscheidung für eine „Seg & Wine Tour“ fiel auch deshalb, weil er seinen Freunden aus Aarhus etwas bieten wollte. Anette Frandsen und Thomas Östergaard sind zum Urlaub in der Region und haben mit mir zumindest eine Sache gemeinsam: Segway gefahren sind wir noch nicht. 

„Das ist ganz einfach“, versichert Udo Steffens, der mit seiner Firma Segworks seit 2013 Touren an der Mosel organisiert und seit einem knappen Jahr auch durch Trier rollt. „Das elektronische System im Innern des Segways funktioniert ähnlich wie das Gleichgewichtsorgan im menschlichen Ohr“, erklärt er seinen Gästen und verteilt dabei die obligatorischen Schutzhelme. „Wenn die vier Leuchtdioden in der Mitte der Trittfläche im Wechsel leuchten, wissen die Sensoren, dass jemand auf dem Gerät steht, und balancieren es automatisch aus. Dann registriert es jede Verlagerung des Gewichts und setzt das in Bewegung um.“ 

Na dann … Lenkstange in die Hände, wie gezeigt mit dem ganzen Fuß auf die Trittplatte. Das Gefährt regt sich. Anderer Fuß … Ups … Ich stehe! Fünf Minuten und einige Fahrübungen später hat auch bei Anette und Thomas der etwas angespannte Gesichtsausdruck einem breiten Grinsen Platz gemacht. Ich düse, nach einigen Slalomübungen um die Torsäulen der Porta, begeistert voraus auf den Platz vor dem alten Stadttor. Schließlich soll es zu der Tour, die uns bis zur Weinprobe in den Stadtteil Olewig führen wird, auch ein Video geben. 

Wie an einer Perlenschnur aufgereiht macht die rollende Gruppe eine gute Figur, als es zunächst durch die Rindertanzstraße und Sieh um Dich auf den Domfreihof geht. Über die kleinen Lautsprecher am Lenker schickt Udo Steffens Musik und Informationen über die Sehenswürdigkeiten, für die Gäste aus Skandinavien auch in englischer Sprache. „Wer kann freihändig auf dem Segway stehen?“ Nachdem der Führer im Palastgarten dafür das Beweisfoto mit Jettes Smartphone gemacht hat, nimmt der Spaßfaktor auf dem Weg durch den Palastgarten zu, wo der eine oder andere junge Teilnehmer des gerade laufenden Spendenlaufs für die Egbert-Grundschule angesichts der sieben schicken Elektroflitzer seine sportliche Aktivität zeitweise unterbricht. 

Für die vier PS starken Elektromotoren ist auch der steile Berg hinauf zum Aussichtspunkt Sickingenstraße kein Problem. Bis zu 118 Kilogramm schwere Passagiere bringt so ein Segway ohne größere Probleme mit einer Akkuladung bis zu 35 Kilometer weit. „Das genügt für zwei Touren“, sagt Sebastian Oberbillig, der nun die Führung übernimmt. Schließlich wollen die Gäste dieser Tour nicht nur etwas über die Geschichte Triers, sondern auch über den Weinbau erfahren. 

Seit fünf Jahren sei er mit dem Thema „Seg & Wine“ unterwegs, verrät der Juniorchef des Weinguts Deutschherrenhof. „Wir fahren auch durch die Weinberge und erklären den Leuten, was wir als Winzer tun und welche Besonderheiten es gibt.“ Etwa 20 dieser mit 99 Euro nicht ganz billigen Touren werden laut Oberbillig derzeit in der Hauptsaison gebucht. Angesichts der sich anschließenden Weinkeller-Erkundung inklusive Weinprobe und Winzersteak relativiert sich der Preis allerdings. 

Bevor es an diesem Tag für die Gäste aber so weit ist, führt uns der Segway-erfahrene Jungwinzer mit surrenden Elektromotoren durch einige seiner Lagen. „Hier auf der Höhe haben wir kaum Frostschäden, weil hier die Luft immer in Bewegung ist“, erläutert er unter strahlend blauem Himmel beim Stopp am Rande des Petrisparks. Kurze Zeit und einen Kilometer später zeigt Oberbillig anhand abgestorbener Triebe, warum hier in der Steillage vermutlich 80 Prozent der Ernte verloren sind. „Wie ist das mit diesen Röhren über den Jungpflanzen?“, will Jan wissen. Das sei Schutz gegen hungrige Kaninchen und Hasen, lautet die Antwort. „Für einen Hektar neuen Weinberg brauchen wir 50 Euro und drei Jahre Zeit“, erzählt der Winzer. Erst dann sei ein erster Ertrag möglich. 

Zehn Kilometer Strecke haben wir nun schon auf dem virtuellen Tacho. Die Akkuanzeige zeigt zwei Striche weniger an als beim Start. Mit Popmusik aus den Minilautsprechern im Ohr geht es hinunter nach Olewig. Die Stimmung ist bestens. Jette tanzt auf ihrem Segway vor mir in rhythmischen Schlangenlinien über den Asphalt des Weinbergwegs. An der Riesling-Weinstraße bleiben die Autofahrer sofort stehen und winken die rollende Touristengruppe über die Straße. 

„Die Tour hat uns sehr gefallen“, freut sich Jette Holm kurze Zeit später bei meiner Bitte, für das Video einen Kommentar beizusteuern. Am Anfang sei das mit dem Verkehr noch ein wenig kniffelig gewesen. „Aber das war schnell vorbei und wir haben nicht nur etwas über die Stadt, sondern auch viel über den Weinbau gelernt.“

Informationen über die Seg & Wine-Tour und andere Segwayausflüge finden Sie unter www.segworks.de

Die Stimmung ist gut und wird noch besser bei der Verkostung des Weines aus den Lagen, durch die gerade noch die Segways gebraust sind. „Die Fahrt zurück zur Porta Nigra treten unsere Gäste und die Fahrzeuge natürlich getrennt an“, betont Segworks-Geschäftsführer Udo Steffens. Denn die 8000 Euro teuren Segways und ihre Nutzer sind zwar versichert. Trunkenheit am Steuer wird aber auch dann geahndet, wenn ein Fahrzeug nur eine Lenkstange hat. 

Fotostrecke: Seg & Wine Tour 2017