Trier | 19. Mai 2017 | Autor: Viola Merten

Baubeginn im Freschfeld

Eine Notbremse des Rathauses angesicht einer drohenden Kostenexplosion hat sie zum Stadtgespräch gemacht. Jetzt war Spatenstich für die Filscher Kita.
Trier "Wer will fleißige Handwerker seh’n …" Der Vormittag, an dem eine Gruppe der Tarforster Kindertagesstätte dieses Lied anstimmt, ist alles andere als strahlend. Unter einem verhangenen Himmel haben sich an diesem Donnerstag Bürgermeisterin Angelika Birk, Baudezernent Andreas Ludwig, die Ortsvorsteher von Filsch, Tarforst und Kernscheid Karl-Josef Gilles, Werner Gorges und Horst Freischmidt, sowie Mitglieder des Stadtrats und des Filscher Ortsbeirats und weitere Vertreter der Stadt versammelt, um mit dem traditionellen Spatenstich den Startschuss auf der Baustelle der Filscher Kindertagesstätte "Im Freschfeld" zu geben. Doch bis zu diesem Termin, den Dezernent Ludwig den "zweitliebsten nach der Eröffnung" nennt, war es ein langer Weg. 2011 beschloss der Stadtrat den Bau einer Kita in Filsch; mit einem Kostenrahmen von 2,8 Millionen Euro. Es folgte ein Architekturwettbewerb, dessen Sieger 2015 jedoch einräumen musste, dass der Bau absehbar mehr als das Doppelte der vom Stadtrat bewilligten Summe kosten würde, nämlich 5,24 Millionen Euro (der TV berichtete).
Als Konsequenz stimmte der Stadtrat Mitte 2016 zu, die Kita nach dem Entwurf des zweitplatzierten Architekturbüros pbs mit Standorten unter anderem in Aachen und Berlin für insgesamt 4,765 Millionen Euro zu bauen. Nach dieser Planung soll der Kindergarten im Gegensatz zum ersten Vorhaben sieben und nicht fünf Gruppen beherbergen und somit nach der anvisierten Fertigstellung im Mai 2018 Platz für 133 Kinder im Alter zwischen einem und sechs Jahren bieten. Außerdem ist ein Bürgerzentrum in das Gebäude integriert. Die Finanzierung wird zum Großteil (85,5 Prozent, das entspricht 4 073 632 Euro) von der Stadt Trier getragen. Zu dieser Summe steuert der Ortsbeirat Filsch knapp 100 000 Euro bei. Das Land kommt für 14,5 Prozent der Kosten auf. Trotz dieser "unendlichen Geschichte" (der Filscher Ortsvorsteher Gilles) sind die Redner beim Spatenstich optimistisch: Bürgermeisterin Birk lobt die gute Kooperation zwischen Bauverwaltung, Jugendamt, und dem Architekturbüro pbs, das an diesem Tag durch Jörg Böhning vertreten ist. Erst diese fruchtbare Zusammenarbeit erlaube es, in kurzer Zeit eine moderne Kindertagesstätte im Passivhausstandard zu bauen, die durch ihre helle und offene Gestaltung den Kindern den Freiraum gebe, selbst zu entscheiden, wo sie sich wie beschäftigen möchten. Laut Birk ist dieses Konzept ebenfalls maßgebend für das 2300 Quadratmeter große Außengelände, das mit einer Spielwiese im Schatten von Obstbäumen und einem Wasserspielbereich auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten werden soll. Neben Freiheit war jedoch auch Geborgenheit ein wichtiger Gedanke bei der Planung der Kita. Gerade den 45 unter Dreijährigen soll ein Nestbereich im Erdgeschoss "ein Stück zu Hause" geben, wie Baudezernent Ludwig es formuliert.
Doch nicht nur für die Kinder wird die Kita "Im Freschfeld" ein Glücksfall sein, so Birk, Ludwig und Gilles, sondern auch für den gesamten Stadtteil Filsch, dessen Neubaugebiete durch den Kindergarten enorm aufgewertet würden. Zudem leisteten die geplanten Kernöffnungszeiten von 7 bis 17 Uhr und ein zusätzliches flexibles Betreuungsangebot einen wichtigen Beitrag für die Anwohner zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aufgrund der großen Verzögerung in der Bauzeit von voraussichtlich sechs Jahren zum ersten geplanten Fertigstellungstermin 2012, haben viele Familien aus dem anstoßenden Neubaugebieten BU 13 und 14 auf andere Kindergärten ausweichen müssen. Für einige Anwohner aus der Nachbarschaft, die zum Spatenstich gekommen ist, steht fest, dass allenfalls die jüngeren Kinder die Kita "Im Freschfeld" besuchen können; die älteren werden bei der Eröffnung (fast) schon eingeschult sein.
Trotzdem sind an diesem Tag die Blicke aller Redner (auch) in die Zukunft gewandt, denn eines ist sicher: Soll die Kita "Im Freschfeld" wirklich schon in einem Jahr fertig sein, dann gibt es dort tatsächlich "fleißige Handwerker" zu sehen.
Extra: DER KLEINE ANDREAS

Das heitere Gemüt von Baudezernent Andreas Ludwig ist allseits bekannt. So zeigt er sich gegenüber den Kindergartenkindern auch als guter Geschichtenerzähler. Aus seiner Kindergartenzeit erinnert er sich an Probleme, die manchem Kind bekannt vorkommen: Lange habe er die Schuhe nicht zubinden können, lacht Ludwig. Und auch der Verschluss seiner grünen Kindergartentasche habe ihm immer Probleme gemacht.